20. Juni 2025, 11:54 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Trotz Gesetzesreform und wachsender Ablehnung in der Bevölkerung beginnt das weltgrößte Hunde- und Katzenfleischfestival im chinesischen Yulin erneut. Tierschutzorganisationen fordern ein Ende des Handels und kritisieren die Zustände.
Am 20. Juni beginnt in der südchinesischen Stadt Yulin erneut das sogenannte „Dog Meat Festival“. Dabei werden nach Angaben internationaler Tierschutzorganisationen während des zehntägigen „Festivals“ zehntausend Hunde und Katzen geschlachtet – trotz gesetzlicher Änderungen und zunehmender Kritik. Eine neue Umfrage einer internationalen Tierschutzorganisation zeigt nun: Die überwältigende Mehrheit der Yuliner Bevölkerung steht dem Handel mit Hunde- und Katzenfleisch kritisch gegenüber. Dennoch greifen die Behörden bisher nicht durch.
87,5 Prozent essen kaum oder nie Hunde- oder Katzenfleisch
Laut einer aktuellen Umfrage, durchgeführt von der chinesischen Partnerorganisation Vshine im Auftrag von Humane World for Animals, gaben 87,5 Prozent der Befragten in Yulin an, nie oder nur sehr selten Hunde- oder Katzenfleisch zu essen. 88 Prozent sagten, dass ein Verbot des Handels keinerlei Auswirkungen auf ihr Leben hätte. Die Organisation will diese Ergebnisse der Stadtverwaltung übergeben, um deutlich zu machen: Der Konsum ist weder alltäglich noch gesellschaftlich breit akzeptiert.
„Trotz Yulins Ruf als Zentrum des Hunde- und Katzenfleischhandels zeigt diese neue Umfrage, dass die meisten Einwohner*innen tatsächlich kein Hunde- oder Katzenfleisch essen und ein Verbot für sie keine Rolle spielen würde“, sagt Dr. Peter Li, China-Experte und Berater bei Humane World for Animals. Während Fleischhändler die falsche Vorstellung verbreiteten, dass der Konsum von Hunde- und Katzenfleisch eine Tradition sei, vertreten sie eindeutig nicht die Mehrheit der Bevölkerung.“
Keine Tradition, sondern ein Verkaufsimpuls
Laut den Informationen von Vier Pfoten wurde das Yulin-„Festival“ zudem erst 2009 von Hundefleischhändlern ins Leben gerufen, um die Nachfrage nach ihren Produkten zu steigern. Davor habe es in Yulin keinen kommerziellen Handel mit Hunde- oder Katzenfleisch gegeben. Seit 2014 ist das Festival zudem inoffiziell. Während es keine offizielle Veranstalterstruktur gibt, wird das Fest durch lokale Händler und Restaurantbetreiber weitergetragen. Der Verzehr von Hundefleisch in Verbindung mit Litschis gilt in der Region als Symbol für Vitalität in der heißen Jahreszeit.
Im Mai 2020 hatte die chinesische Zentralregierung Hunde auch ganz offiziell aus dem nationalen Nutztierkatalog gestrichen. Hunde seien Begleiter, keine Nutztiere, wie mehrere Medien, unter anderem „Der Standard“ berichteten. Damit dürfen Hunde laut Gesetz nicht mehr für den menschlichen Verzehr verkauft oder gehalten werden. In der Praxis scheint sich diese Einstufung bislang jedoch kaum auszuwirken.
Während der Festtage steigt auch der Handel mit lebenden Tieren in Yulin deutlich an. Viele Hunde und Katzen seien gestohlene Haustiere oder Streuner. Diese seien unter teils brutalen Bedingungen eingefangen und quer durchs Land transportiert worden – häufig ohne Wasser, Nahrung oder tierärztliche Versorgung. Die Kritik von Vier Pfoten richtet sich vor allem gegen diese Bedingungen, unter denen die Tiere gehalten und getötet werden.
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Tierschutzlage in Yulin bleibt angespannt
Neben dem Stress durch Transport und Enge in den Käfigen stehen die hygienischen Zustände der Schlachtung besonders im Fokus. Laut Dr. Karanvir Kukreja, Tierarzt bei Four Paws International, bergen diese Praktiken ein nicht zu unterschätzendes Risiko: „Die engen Käfige und unhygienischen Verhältnisse können zur Verbreitung von Krankheiten wie Tollwut oder Cholera führen. Auch neuartige zoonotische Erreger könnten hier entstehen – wie wir es im Zuge der COVID-19-Pandemie erlebt haben.“
Die Organisation fordert deshalb ein konsequenteres Vorgehen der Behörden gegen den illegalen Handel und die Schlachtung von Hunden in Yulin. Nicht nur zum Schutz der Tiere, sondern auch im Sinne der Gesundheitsvorsorge. Tierschützer berichten von vollen Märkten, auf denen tote und lebende Tiere verkauft werden. Xiaorui Cheng, eine Aktivistin aus Yulin, schilderte der Humane World for Animals ihre Eindrücke: „Während die meisten Hundefleisch-Restaurants in Yulin relativ leer und heruntergekommen wirkten, sahen wir auf den Märkten in Dongkou und Nanqiao Verkaufsstände voller toter Hunde und Katzen. […] Viele waren kleine Rassen, die vermutlich gestohlene Haustiere waren – einige trugen sogar noch ihre Halsbänder.“
Als Chinesin frustriere es sie, dass Yulin weltweit für diesen grausamen Handel bekannt sei, obwohl er nicht die Mehrheit der Einwohner repräsentiere und das internationale Ansehen unseres Landes schwer beschädige.
Zwar habe es laut der Organisation bereits punktuelle Maßnahmen gegeben, etwa Straßensperren zur Verhinderung von Tiertransporten. Ein vollständiges Verbot wie in den Städten Shenzhen und Zhuhai blieb bislang aber aus.
Regionale Verbote nehmen zu – Vorbild Südkorea
Nicht nur in China gibt es Konsum von Hunde- und Katzenfleisch. Allerdings findet in vielen Ländern bereits eine Umkehr statt. Im Januar 2024 verabschiedete das südkoreanische Parlament ein Gesetz zum Verbot der Hundefleischindustrie, das ab 2027 vollständig in Kraft tritt. Zucht, Verkauf und Schlachtung von Hunden zum Verzehr sind dann untersagt – auch aufgrund des klaren Meinungsbildes in der Bevölkerung. 88 Prozent der Südkoreaner lehnen den Handel mit Hundefleisch ab (PETBOOK berichtete).
In Indonesien wiederum wurde bereits 2023 der Handel mit Hunde- und Katzenfleisch auf dem Tomohon Extreme Market verboten – nach jahrelangem Einsatz internationaler Tierschutzorganisationen (wie PETBOOK ebenfalls berichtete).
In vielen asiatischen Ländern ist ein gesellschaftlicher und politischer Wandel spürbar. Hongkong, Taiwan, Thailand, Singapur und die Philippinen haben den Handel mit Hundefleisch bereits verboten – ebenso in mehr als 88 Städten und Regionen Indonesiens sowie Teilen Chinas. Dennoch zeigt das Beispiel Yulin: Ohne konsequente Durchsetzung bleiben gesetzliche Fortschritte folgenlos. Auch wenn China mit der Neueinstufung von Hunden einen ersten Schritt gemacht hat, fehlt es bislang an einer flächendeckenden Umsetzung. Für Tierschutzorganisationen bleibt der Kampf gegen den Hunde- und Katzenfleischhandel daher aktuell – und global.