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Schwer vermittelbar?

Schlangen bleiben oft jahrelang im Tierheim – das ist der Grund

Kornnatter auf einem Ast
Warum manche Schlangen lange im Tierheim bleiben erklärt der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V. Foto: Getty Images
Porträt Emily Reimann
PETBOOK-Redaktion

17. September 2026, 17:12 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Dass Hunde und Katzen im Tierheim oft lange leben, wissen viele. Doch was einige Menschen vergessen: Auch Schlangen werden im Tierheim abgegeben und leben mehrere Jahre ohne Adoption dort. Der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V. erklärt, woran das liegen könnte.

Warum kommen Schlangen überhaupt ins Tierheim?

Wie auch bei anderen Tierarten geben viele Halter ihre Schlangen aus Überforderung ab. Allerdings sei der oftmals nicht auf finanzielle Gründe zurückzuführen. „Der Prozentanteil von Menschen, die ihr Tier aus finanziellen Gründen abgeben, ist in unserem Bereich verschwindend gering“, erklärt Reptilien-Facharzt Thomas Türbl im PETBOOK‑Interview. Vermehrt käme es allerdings vor, dass Schlangen nach Um- oder Auszügen einfach zurückgelassen werden.

Wie schnell können Schlangen vermittelt werden?

„Schlangen warten meist sehr lange auf ein Zuhause, gerade im Vergleich mit anderen Kleintieren, zum Beispiel Kaninchen. Mehrere Jahre Tierheimaufenthalt sind da leider keine Seltenheit“, erklärt der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V. auf PETBOOK‑Anfrage. 2025 hatte der Verein 15 Schlangen und im vorherigen Jahr 17 Schlangen aufgenommen.

Laut der Tierschutzorganisation gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Schlangenart und Länge des Tierheimaufenthalts: „Grundsätzlich lassen sich kleinere Schlangen, wie Kornnattern, schneller vermitteln als große Schlangen, zum Beispiel Boa Constrictor.“ Woran das liegen könnte, erklärt der Verein so: „Insbesondere letztere warten aufgrund ihrer besonderen Haltungsanforderungen oft deutlich länger als ihre ‚kurzen‘ Artgenossen.“

Was sind die Voraussetzungen, wenn ich eine Schlange adoptieren möchte?

Für Menschen, die sich für eine Schlange aus dem Tierschutz interessieren, hat der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V. einige ratsame Tipps, um die Voraussetzungen für eine artgerechte Schlangenhaltung zu erfüllen. „Die richtige Ausstattung für die jeweilige Schlange muss selbstverständlich gegeben sein“, sagt der Verein.

Dazu gehöre unter anderem ein Terrarium, das den Mindestanforderungen an die jeweilige Art entspreche. Besonders wichtig: „Das Terrarium muss mindestens die gleiche Länge haben wie die Schlange, die dort einziehen soll – bereits bei einer Kornnatter können das schnell 170 cm werden.“

Hinzu käme die Ausstattung und Instandhaltung des Terrariums, inklusive der richtigen Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Ebenfalls wichtig sei die Tragfähigkeit des Aufstellortes des Terrariums, da es mit Einrichtung und Schlange oft sehr schwer werden könne. Der Verein weist aber auch darauf hin, dass „bei sogenannten ‚Gefahrtieren‘, wie zum Beispiel der Boa constrictor, außerdem ein behördlicher Sachkundenachweis erforderlich ist. Giftschlangen und Schlangen über einer Länge von drei Metern gelten automatisch als Gefahrtiere.“

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Haben manche Interessenten Vorurteile gegenüber Schlangen?

Der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V. kenne keine Vorurteile, lediglich eine Falscheinschätzung der Bedürfnisse. „Viele Menschen unterschätzen leider die Haltungsanforderungen, die Schlangen haben, was zu schlechter Haltung und Tierleid führen kann“ führt er aus. Auch das Alter von Schlangen würde häufig unterschätzt, da viele Arten bis zu 25 Jahre alt werden können. Daher solle die Lebensdauer bei der Anschaffung einer Schlange berücksichtigt werden.

Chanty wartete 11 Jahre auf ein neues Zuhause – bis zu ihrem Tod

„Anfang Juni verstarb unser ‚längster Langzeitschützling‘, die Boa constrictor Chantal, von ihrer Bezugstierpflegerin liebevoll ‚Chanty‘ genannt“, erzählt die Tierschutzorganisation. Seit 2015 lebte die Boa-Constrictor-Dame im Hamburger Tierheim. Elf weitere Jahre sollten folgen, bis das Tier im Heim verstarb. Rückblickend erzählt der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V.: „Ihre Vermittlung erschwerte leider auch, dass Chantal an der Einschlusskörperchenkrankheit litt.“

Betroffene Schlangen leiden unter neurologischen Problemen, wie Koordinationsstörungen oder wiederholtem Erbrechen. Durch die Erkrankung musste auch Chantal regelmäßig tierärztlich untersucht werden, „was bei einer Schlange ihrer Größe oftmals ein fünfköpfiges Team erforderte“, berichtet der Verein.

Und obwohl Chantal schon über die Regenbrücke gegangen ist, leben im Tierheim weiterhin Schlangen über mehrere Jahre: „Momentan führt Boa Constrictor Sophie den traurigen Rekord unter den Schlangen an.“ Seit Oktober 2020 warte sie in der Obhut des Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e. V. auf ein neues Zuhause.

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