11. Mai 2026, 11:30 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Am 25.03.2026 wurde Igel-Dame Uschi in einer Futterstation gefunden. Die fachkundigen Finder des Tiers bemerkten Uschi nicht ohne Grund: Ihr Körper war übersät mit großen Zecken. Schnell brachten ihre Finder die Igel-Dame zur Igelpflegestation Rotenburg/Wümme e. V. Wie es Uschi heute geht, hat PETBOOK nachgefragt.
Igel-Dame „Uschi“ ließ sich bewusst finden
Die Igeldame Uschi schlief in einem Igelfutterhaus in Zeven – und suchte offenbar ganz bewusst Hilfe. Für Merwel Otto-Link ist das kein ungewöhnlicher Fall. Sie ist 1. Vorsitzende des Vereins Igelpflege Rotenburg/Wümme e.V. und leitet die Station. „Sie schlief darin und hat sich offensichtlich absichtlich finden lassen. Sowas kommt nicht selten vor“, erklärt sie. Nach dem Fund brachten ihre Entdecker Uschi schnell zu dem Verein der Igelpflege Rotenburg/Wümme.
Bei ihrer Aufnahme zeigte sich das ganze Ausmaß: „Exakt 70 fette Zecken, dazu noch etliche Zeckennymphen und ein kleiner Abszess an der Stirn“ schreibt die Igelpflege Rotenburg/Wümme in einem Facebook-Beitrag. Und wie ging es weiter? PETBOOK hat bei der Igelpflege Rotenburg/Wümme nachgefragt, wie die Igelpflege Uschi behandelte und wie es ihr geht.
Otto Link beschrieb, die Behandlung sei Schritt für Schritt erfolgt: „Zecken werden alle einzeln mit speziellen Pinzetten entfernt, wir gehen systematisch vor, erst die größten und dann wird abgewägt, ob der Igel erst eine Pause braucht oder man weitermachen kann.“
70 Zecken auf einem einzigen Igel – und ein größeres Problem
70 Zecken auf einem einzigen Igel – was wie ein Extremfall klingt, ist vor allem eines: ein deutliches Alarmsignal. Denn ein so starker Befall ist alles andere als normal und weist meist auf ein tieferliegendes Problem hin. Experten unterscheiden dabei zwischen sogenannten Ektoparasiten wie Zecken, die außen auf der Haut sitzen, und Endoparasiten, die im Körper leben, etwa im Darm oder in der Lunge.
Genau darauf weist auch die Igelpflege hin: „Es ist davon auszugehen – und unsere jahrelangen Erfahrungen bestätigen das –, dass ein übermäßiger Ektoparasitenbefall ein Zeichen eines behandlungsbedürftigen Endoparasitenbefalls ist.“ Auch bei Uschi bestätigte eine Kotuntersuchung genau das – sie wird nun gezielt dagegen behandelt. Wichtig sei dabei Fachwissen, denn: „Hier ist Igelkunde gefragt, denn ein Igel darf niemals pauschal entwurmt werden, er muss ganz gezielt und ganz speziell behandelt werden.“
Grundsätzlich gehören Parasiten zum Leben eines Igels dazu. „Igel leben seit Millionen von Jahren mit Ektoparasiten wie Flöhen und Zecken, und ein mäßiger Befall ist völlig normal.“ Problematisch wird es jedoch, wenn das ökologische Gleichgewicht kippt. Durch das Insektensterben fehlt es Igeln zunehmend an natürlicher Nahrung wie Laufkäfern, die ihnen helfen würde, Parasiten in Schach zu halten. Stattdessen weichen sie häufiger auf Regenwürmer und Nacktschnecken aus – „diese sind aber Hauptüberträger von teils tödlichen Innenparasiten.“
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365 Tage im Einsatz: Das Team hinter Uschis Rettung
Hinter Fällen wie Uschi steht ein Verein, der aus privatem Engagement entstanden ist. Merwel Otto-Link begann bereits 2013, sich ehrenamtlich um Igel zu kümmern. 2019 gründeten zehn Igelbegeisterte den Verein Igelpflege Rotenburg/Wümme e. V. Wie besonders die Arbeit der Station ist, macht Otto-Link deutlich: „Wir sind das einzige Igelkrankenhaus im Norden, versorgen jährlich weit über 1000 Igel und sind als einzige Igelstation Mitglied im Deutschen Tierschutzbund.“
Getragen wird die Arbeit von einem großen, ehrenamtlichen Team: „Unser Team besteht aus ca. 35 aktiven Teammitgliedern, wovon täglich 3 bis 7 (je nach Jahreszeit) in der Station arbeiten.“
Der Einsatz ist enorm – „365 Tage im Jahr, alles komplett ehrenamtlich und alles ausschließlich durch Spenden finanziert.“ Entsprechend ausgestattet ist die Station: „Unsere Station umfasst u.a. eine Intensivstation, eine Krankenstation, sowie ein Außenbereich mit 50 Winterschlafboxen, Außengehegen und Trainingsgehegen.“
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Wie wir Menschen Igeln helfen können
Doch nicht nur Igelpflegestationen spielen eine entscheidende Rolle – auch Gärten und das Verhalten von Menschen können darüber entscheiden, ob ein Igel gesund bleibt oder überhaupt überlebt. Dass Uschi Zugang zu einer Futterstelle hatte, wirkte sich laut Station positiv auf ihren Zustand aus. Dennoch betont die Igelexpertin: „Allerdings sollte uns allen klar sein, dass es mit Zufütterung alleine nicht getan ist, es ist so, als würde man in einem zugemauerten Steingarten ein Insektenhotel aufstellen.“ Entscheidend sind naturnahe Gärten, ausreichend Verstecke und vor allem Durchgänge zwischen Grundstücken.
Auch bei der richtigen Fütterung klären die Stationen auf – denn hier passieren häufig Fehler. „Vogelfutter ist allerdings völlig ungeeignet für Igel, da der Igel Vogelfutter nicht verwerten kann und quasi bei vollem Bauch verhungert.“ Auch viele handelsübliche Igelfutter sind problematisch. Stattdessen empfiehlt die Station unter anderem Katzennassfutter ohne Soße sowie Wasser.
Derzeit wird Uschi im Igelkrankenhaus gezielt behandelt und versorgt. Ihr Fall zeigt, wie eng Gesundheitsprobleme bei Igeln mit äußeren Faktoren zusammenhängen – insbesondere mit Nahrungsmangel und Parasitenbefall. Gleichzeitig wird deutlich, wie wichtig die Arbeit spezialisierter Igelpflegestationen ist, um betroffenen Tieren rechtzeitig die nötige Hilfe zu geben.