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Expertin warnt

Tollwut-Hund kam mit gefälschten Impfaufklebern nach Deutschland

Hund auf dem Arm einer Person
Der Fall eines aus Russland nach Deutschland eingeführten Hundes zeigt, wie gefährlich gefälschte Impfaufkleber sein können (Symbolbild) Foto: Getty Images/Jinli Guo
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Porträtaufnahme von Autorin Manuela Lieflaender mit Hund Elvis
Freie Autorin

19. August 2026, 17:06 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Ein junger Hund wird aus Russland nach Deutschland gebracht. Sein Transport ist angemeldet, der Mikrochip vorhanden und die Dokumente weisen eine Tollwutimpfung sowie einen Antikörpertest aus. Trotzdem erkrankt das Tier an Tollwut und stirbt. Erst Monate später weist ein forensisches Speziallabor nach, dass die Impfstoffaufkleber gefälscht waren. Der Fall zeigt, wie gefährlich gefälschte Impfaufkleber bei Hunden aus dem Ausland sein können und wie wenig Sicherheit selbst scheinbar vollständige Dokumente bieten. Dr. Petra Sindern, Mitglied im Kleintierausschuss der Bundestierärztekammer und Vizepräsidentin des Bundesverbands praktizierender Tierärzte, sagt auf Anfrage von PETBOOK: „Fälscher und Schmuggler sind schlicht kriminell, nichts weniger.“

Gefälschte Impfaufkleber wirkten täuschend echt

Der Hund stammte aus Russland, wurde über eine Internetplattform einer russischen Organisation erworben. Ende 2025 kam er gemeinsam mit weiteren Hunden und Katzen nach Europa. Die Tiere waren für Deutschland, Österreich, die Schweiz, Belgien und Frankreich bestimmt.

Nach Angaben des saarländischen Umweltministeriums war der Transport ordnungsgemäß angemeldet. Auch die Dokumente und der implantierte Mikrochip des später verstorbenen Hundes wurden zunächst nicht beanstandet. Den Papieren zufolge war das Tier gegen Tollwut geimpft. Zudem waren ein Antikörpertest und die für die Einreise erforderliche Wartezeit dokumentiert. Es schien also alles unauffällig. 

Ende Januar 2026 wendete sich das Blatt dratisch. Der Hund musste operiert werden und zeigte danach neurologische Auffälligkeiten. Daraufhin kam er in eine Quarantänestation, wo er in der folgenden Nacht verstarb. Später wurde klar: Er hatte Tollwut. 

Außerdem stellte sich heraus, dass der Hund deutlich jünger war als in den Dokumenten angegeben. Im August 2026 wiesen Spezialisten des forensischen Labors von MSD Tiergesundheit im schweizerischen Schachen nach, dass die Impfstoffaufkleber im Ausweis des Tieres gefälscht waren.

Nicht einmal eine normale Tierarztpraxis erkennt die Fälschung

Kann ein Verbraucher einen professionell gefälschten Impfstoffaufkleber, Stempel oder Impfeintrag erkennen? Dr. Petra Sindern hat darauf eine klare Antwort: „Nein.“ Auch eine gewöhnliche Tierarztpraxis könne die Echtheit eines professionell gefälschten Aufklebers oder einer Chargennummer nicht sicher überprüfen. Und das ist der eigentliche Skandal des Falls.

Erst ein forensisches Speziallabor konnte Monate später nachweisen, dass die Impfstoffaufkleber gefälscht waren. Zu diesem Zeitpunkt war der Hund längst tot, während Menschen und andere Tiere möglicherweise bereits Kontakt zu ihm hatten.

Ein ordentlich aussehender Pass, ein Impfaufkleber, ein tierärztlicher Stempel und sogar ein dokumentierter Antikörpertest garantieren daher nicht automatisch, dass ein Hund tatsächlich wirksam geimpft wurde.

Auch interessant: Angst vor Risiken – lassen Sie Ihr Haustier noch impfen?

Auslandstierschutz ist auch ein großer Markt

Hunde aus dem Ausland sind in Deutschland sehr gefragt. Interessenten wählen Hunde über Internetseiten und soziale Netzwerke aus. Eine 2020 veröffentlichte Untersuchung der Justus-Liebig-Universität Gießen ging von mehr als 100.000 Hunden aus, die innerhalb eines Jahres über Tierschutzorganisationen nach Deutschland gebracht wurden. Die Forscher identifizierten Hunderte beteiligte Vereine. Die tatsächliche Zahl könnte noch höher liegen.

Damit ist der Auslandstierschutz längst auch ein erheblicher Wirtschaftsfaktor. Allerdings mit einer Schattenseite. Denn wo eine große Nachfrage besteht, entstehen Möglichkeiten für Menschen, die nicht in erster Linie Tiere retten, sondern mit ihnen Geld verdienen wollen „Man sollte sich schon darüber klar sein, dass nicht jeder Importhund tatsächlich ‚gerettet‘ worden ist“, warnt Sindern.

Unseriöse Hundevermehrer bedienten mit diesem Versprechen gezielt die Nachfrage in Deutschland. Besonders Hunde, die einer aktuellen Mode entsprechen, würden im Ausland nachproduziert und anschließend als vermeintliche Tierschutzfälle angeboten. Der Begriff „gerettet“ ist kein geschütztes Qualitätssiegel. Auch eine emotionale Vermittlungsanzeige, Bilder aus einer Auffangstation oder die Behauptung, ein Hund müsse dringend ausreisen, beweisen keine seriöse Tierschutzarbeit.

„Hunde sollten nur im Einzelfall nach Deutschland importiert werden“

Der Deutsche Tierschutzbund vertritt eine klare Position. Der Schwerpunkt der Tierschutzarbeit im Ausland müsse auf der Hilfe vor Ort liegen. Der Verband erklärt: „Hunde sollten nur im Einzelfall nach Deutschland importiert werden und auch nur aus Ländern, in denen sich das Prinzip ‚Fangen, Kastrieren, Freilassen‘ rechtlich nicht umsetzen lässt, um die Situation dort zumindest zeitweise zu entspannen.“

Sindern empfiehlt Hilfe im Herkunftsland

Auch Dr. Petra Sindern sieht nachhaltige Hilfe nicht zwangsläufig im Import eines Hundes: „Wenn es jemandem vor allem darum geht, Tierleid im jeweiligen Ausland zu vermindern oder zu verhindern, ist eine großzügige Spende zur Finanzierung von Kastrationsprojekten und der Unterbringung im eigenen Land eine sehr gute Idee.“

Damit stellen weder Sindern noch der Deutsche Tierschutzbund grundsätzlich jeden seriösen Verein oder jeden einzelnen Auslandshund infrage. Beide machen aber deutlich: Der Import nach Deutschland darf nicht zum eigentlichen Zweck des Auslandstierschutzes werden.

Neben Tollwut können Tiere aus dem Ausland weitere Erkrankungen mitbringen. Sindern nennt Leishmaniose, Anaplasmose, Herzwürmer und Babesiose. „Seriöse Organisationen testen Hunde auf die Erkrankungen und verbringen diese nur nach Deutschland, wenn sie entweder frei davon sind oder eine Behandlung durchlaufen haben“, erklärt sie.

Die Testergebnisse, der Zeitpunkt der Untersuchungen und bekannte Erkrankungen müssen den zukünftigen Haltern offengelegt werden. Ein bloßes „Der Hund ist gesund“ reicht nicht aus. Der aktuelle Fall macht allerdings deutlich, dass auch vorgelegte Nachweise manipuliert sein können. Deshalb kann sich ein Käufer nicht allein auf Dokumente verlassen.

Was Käufer bei der Übergabe dennoch kontrollieren müssen

Professionelle Fälschungen können Käufer nicht erkennen. Trotzdem müssen sie alles überprüfen, was überprüfbar ist. Lesen Sie bei der Übergabe den Mikrochip des Hundes aus und vergleichen Sie die angezeigte Nummer mit den Dokumenten. „Wenn ich eine Organisation bin, die Hunde importiert, besitze ich immer ein Lesegerät. So teuer sind die nicht“, sagt Sindern. Verweigert der Verkäufer die Kontrolle, sollten Interessenten den Hund nicht übernehmen. „Wenn es nichts zu verbergen gibt, wird eine offene Kontrolle angeboten werden“, betont die Tierärztin.

Auch Alter, Kennzeichnung, Impfdatum und Einreisedatum müssen plausibel zusammenpassen. Der Verkäufer oder Verein muss eindeutig identifizierbar und erreichbar sein. Eine anonyme Übergabe auf einem Parkplatz ist ein Ausschlusskriterium. Sindern warnt: „Niemals, wirklich nie, sollte ein Hund an einem Parkplatz oder Ähnlichem übernommen werden – erst recht nicht aus Mitleid!“

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Der Fall zeigt die Grenzen aller Kontrollen

Selbst diese Vorsichtsmaßnahmen hätten die gefälschten Impfstoffaufkleber des russischen Hundes nicht zwingend entlarvt. Sein Chip und die erforderlichen Dokumente wurden zunächst nicht beanstandet.

Genau darin liegt die Brisanz des Falls. Kriminelle können die Nachweise inzwischen so professionell fälschen, dass selbst Experten ihre Echtheit erst Monate später in einem Speziallabor überprüfen können. Verbraucher und gewöhnliche Tierarztpraxen können diese Kontrolllücke nicht schließen. Deshalb reicht es nicht, Interessenten immer neue Checklisten für den Hundekauf an die Hand zu geben. Auch das System des massenhaften Hundeimports muss hinterfragt werden.

Auslandstierschutz muss vor allem im Ausland stattfinden

Der Transport einzelner Hunde nach Deutschland kann in begründeten Fällen sinnvoll sein. Er darf jedoch nicht das Geschäftsmodell sein, um das sich ein ganzer Markt dreht.

Der Fall des aus Russland eingeführten Hundes zeigt, welche Folgen mangelhafte Kontrollen von Herkunft, Alter und Impfschutz haben können. Ein Hund stirbt, andere Tiere müssen überwacht werden und Menschen können sich mit einer nahezu immer tödlich verlaufenden Krankheit infizieren.

Nachhaltiger Auslandstierschutz muss deshalb dort ansetzen, wo das Tierleid entsteht. Kastrationen, Impfprogramme, medizinische Versorgung, Aufklärung und bessere Unterbringung im Herkunftsland helfen nicht nur einem einzelnen Tier, sondern verändern langfristig die Situation vieler Hunde. Hunde nach Deutschland zu importieren, sollte dagegen die begründete Ausnahme bleiben – so, fordert es auch der Deutsche Tierschutzbund.

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