17. September 2025, 10:47 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Während sie hierzulande als ausgerottet gilt, sterben jedes Jahr weltweit Menschen und Tiere an Tollwut. Im Kampf gegen die tödliche Infektionskrankheit können Sie von Deutschland aus unterstützen – und zwar ganz einfach mit einem Besuch bei Ihrem Tierarzt, wenn dieser mit „Tierärzte ohne Grenzen“ zusammenarbeitet. PETBOOK-Autorin Nina Ponath sah im Urlaub, welch schlimme Folgen die Tollwut beim Hund hat, und erklärt, warum die Aktion so wichtig ist.
Im März dieses Jahres war ich im Urlaub in Sri Lanka. Ein Erlebnis, das mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, war die Begegnung mit einem Hund, der meinem Partner und mir während eines Tempelbesuchs über den Weg lief. Schon von Weitem konnte man sehen, wie alle Menschen, an denen der Hund vorbeiging, aufgeregt auswichen. Solches Verhalten hatte ich in Sri Lanka öfter beobachtet und wunderte mich zunächst nicht. Wo Menschen mit existenziellen Sorgen beschäftigt sind, ist Tierliebe leider oft kein vorrangiges Thema. Beim näheren Hinsehen sah ich dann allerdings, dass es dieses Mal nicht nur das war. Es gab einen Grund, weshalb diese Leute ausweichen. Er hatte Schaum vor dem Mund – ein Anzeichen für Tollwut beim Hund!
Was ist Tollwut eigentlich?
Tollwut – medizinisch korrekt als virusbedingte Infektion des zentralen Nervensystems bezeichnet – führt dazu, dass die Schluckmuskeln gelähmt werden. Das erklärt den typischen Schaum vor dem Maul. Gleichzeitig verändert sich das Verhalten: Aus zutraulichen Tieren können plötzlich aggressive und unberechenbare werden, oder sie ziehen sich extrem zurück und wirken apathisch. Später folgen Koordinationsstörungen, Krämpfe und schließlich Lähmungen, die fast immer tödlich enden.
Für den kleinen Hund, der uns begegnete, war es also schon zu spät. Wir fuhren mit einem bedrückenden Gefühl weiter und versuchten über eine kurze Internetsuche, ortsansässige Tierschützer zu finden. Wenn man dem Hund schon nicht helfen konnte, könnte man ja möglicherweise immerhin Menschen und andere Tiere vor der Bedrohung, sich anzustecken, schützen, indem man den Hund einschläferte?
Leider hatten wir keinen Erfolg. Die Tierärzte, die wir anschreiben und versuchten anzurufen, antworteten erst Tage später. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie sehr der Hund vor seinem Tod noch leiden musste und wie viele andere Lebewesen er bis dahin womöglich angesteckt hat.
Auch Menschen sterben immer noch an Tollwut
Bei solchen Szenen wundert es nicht, dass Tollwut, die bei uns als ausgestorben gilt, global gesehen, immer noch ein ernstzunehmendes und tödliches Problem ist. Während bei uns der letzte Fall der fortschreitenden und tödlichen Entzündung von Gehirn und Rückenmark 2007 dokumentiert wurde, sterben laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach wie vor weltweit jedes Jahr etwa 59.000 Menschen an Tollwut. Meistens sind es Hundebisse, die zu einer Verbreitung des Virus führen.
Wie wir mit einem Besuch bei unserem Tierarzt helfen können
Was wir in Deutschland machen können, habe ich zufällig bei einem Besuch bei meiner Tierärztin erfahren. Als ich das letzte Mal mit meiner Hündin in der Praxis war, fiel mir ein Poster auf: „Tierärzte ohne Grenzen – gegen Tollwut“. „Wir engagieren uns für Tierärzte ohne Grenzen“, erklärte mir Andrea Kersten von der Tierarztpraxis Parkallee. Einmal im Jahr organisiert die Praxis einen Impftag, bei dem 50 Prozent der Einnahmen aus den Impfungen gespendet werden. „Das Geld wird direkt an Tierärzte ohne Grenzen weitergeleitet“, so Kersten. Von dort aus fließt es in Impfaktionen in Afrika – für Impfstoffe, Logistik und die Zusammenarbeit mit den Gemeinden vor Ort.
Nicht einmal die Hälfte der Haustiere in Deutschland verfügt über aktuellen Impfschutz
Wie Tierschützer mit Hunde-Impfungen in Südafrika Leben retten
So läuft die Impfaktion ab
Wie genau die Impfungen umgesetzt werden, habe ich Claudia Knüpfer gefragt, PR-Referentin bei Tierärzten ohne Grenzen. „Seit 2003 haben wir in Ostafrika bereits über eine Million Hunde und Katzen gegen Tollwut geimpft. Allein im letzten Jahr waren es mehr als 150.000 Tiere“, so die PR-Referentin. Was als kleine lokale Initiative in Kenia begann, hat sich zu großen Impfkampagnen entwickelt, die heute in Kenia, Uganda, Äthiopien und Südsudan laufen. Jede Impfung wird sorgfältig dokumentiert – mittlerweile auch mit digitalen Tools wie der GARC-App, die Impfungen, Beißvorfälle und Informationsmaßnahmen erfassen. „So können wir genau nachvollziehen, wo wir stehen und wo noch Lücken bestehen.“
Das Ziel ist ehrgeizig, aber klar: eine Impfquote von mindestens 70 Prozent der Hundepopulation. Ab dieser Schwelle kann sich das Virus nicht mehr verbreiten. „Indem wir Hunde schützen, verhindern wir menschliche Todesfälle, bewahren das Vieh und reduzieren sogar Risiken für Wildtiere“, so Knüpfer.
Bis 2030 sollen weltweit keine Menschen mehr an Tollwut sterben. Um das zu erreichen, werden die Menschen vor Ort eng einbezogen. „Hunde haben in den ländlichen Gemeinden Ostafrikas einen hohen Stellenwert“, erklärt Claudia Knüpfer, „sie schützen die Hirten und ihr Vieh, sind aber auch geliebte Familienmitglieder und Spielgefährten für Kinder. Deshalb informieren wir frühzeitig – über das Radio, in Schulen oder bei Gemeindetreffen – und motivieren die Menschen, ihre Tiere impfen zu lassen.“ Viele Familien nehmen dafür lange Fußmärsche in Kauf und warten geduldig in langen Schlangen.
Ein Blick zurück – und ein Appell nach vorn
Den Hund im Tempel mit dem Schaum vor dem Maul werde ich nicht mehr vergessen. Auch wenn wir ihm nicht mehr helfen könnten, können wir dennoch etwas tun: Wir können unsere eigenen Haustiere regelmäßig impfen lassen und indem wir Organisationen wie Tierärzte ohne Grenzen unterstützen. Indem wir aufklären und uns bewusst machen, dass Gesundheit nicht an Landesgrenzen endet.
Die Schlüssel im Kampf gegen Tollwut sind klar: flächendeckende Impfungen, verlässlicher Zugang zu Postexpositionsbehandlungen (PEP) und eine sensibilisierte Bevölkerung. Wenn all das zusammenkommt, ist das Ziel erreichbar: eine Welt, in der kein Mensch (und auch kein Hund!) mehr an Tollwut sterben muss.
Die Aktion „Impfen für Afrika“ der Tierärzte ohne Grenzen findet jährlich an zwei Wochen statt. Im Rahmen des Welttollwuttags können Sie Ihren Tierarzt ja fragen, ob er auch bei einer wie diese Aktionen mitmacht.