30. Juli 2025, 14:02 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Im Sommer kommt es regelmäßig vor: Ein leises Summen in der Wohnung, gefolgt vom ständigen Anprallen eines Insekts an die Fensterscheibe. Obwohl das Fenster gekippt ist, fliegen Wespen oder Bienen scheinbar ziellos auf und ab – ohne den Ausweg zu finden. Warum die Insekten den Weg nach draußen nicht mehr finden und wie man den Tieren helfen kann, erklärt ein Insektenexperte der Deutschen Wildtier Stiftung.
Dafür gibt es einen simplen Grund, wie Christian Schmid-Egger, Projektmanager der Deutschen Wildtier Stiftung im Berliner Wildbienenprojekt, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erklärt: „Der Grund ist relativ simpel. Alle fliegenden Insekten orientieren sich immer zum Licht. Besonders dann, wenn sie desorientiert sind oder wenn sie vor etwas fliehen müssen.“
Häufig fliegen die Tiere zunächst in einen dunkleren Raum, etwa auf der Suche nach Nahrung. Werden sie dort gestört, ziehen sie instinktiv in Richtung Helligkeit – also zum Fenster. Doch die Glasscheibe wird zur unsichtbaren Barriere: „Sie fliegen dann ewig gegen diese Scheibe, weil sie quasi ein inneres Programm haben, das ihnen sagt: ‚Fliehe zum Licht!‘“
Dabei fliegen sie immer wieder auf und ab – auch aus Erschöpfung: „Sie fliegen dann natürlich auch auf und ab, weil sie zwischenzeitlich nach unten sinken, wenn sie keine Kraft haben. Danach fliegen sie wieder hoch – und eben auch immer wieder gegen die Scheibe.“
Gekippte Fenster reichen oft nicht aus
Dass ein gekipptes oder leicht geöffnetes Fenster selten zur Lösung führt, liegt ebenfalls am eingeschränkten Wahrnehmungsvermögen der Tiere. „Es ist halt so, dass sie diesen Ausgang einfach nicht sehen. Insekten haben große Probleme, diese Glasscheibe wahrzunehmen. Sie können nicht wie wir rational überlegen: ‚Da unten ist ein Spalt, durch den kann ich durchfliegen.‘“
Unter Umständen kann ein sanfter Schubs in Richtung der Öffnung helfen: „Ist der offene Spalt genau in der Linie, in der sie versuchen, hinauszufliegen, geht das schon. Das kann man sehen, wenn man das Fenster ankippt und man das Insekt mit einem Blatt Papier in Richtung des Spaltes schubst – dann fliegen Wespe oder Biene mitunter hinaus.“
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So bringt man Insekten sicher wieder nach draußen
Wenn sich Biene oder Wepse Insekt nicht selbst befreien können, empfiehlt Schmid-Egger eine behutsame Methode mit einem Stofftaschentuch: „Wenn man etwas Fingerspitzengefühl besitzt, kann man sich ein Stofftaschentuch nehmen, das Insekt damit an der Glasscheibe vorsichtig greifen und am geöffneten Fenster loslassen – dann fliegt es weg. Man muss nur beachten, nicht zu fest zu drücken. Sonst wird das Insekt zerquetscht. Gerade bei Fliegen geht das schnell.“
Das Tuch dient zugleich dem eigenen Schutz: „Das Stofftuch verhindert auch, dass man gestochen wird. Mit einem doppelt gefalteten Stofftaschentuch bekommt man selbst Bienen und große Wespen gefahrlos aus dem Fenster herausbugsiert. Deren Stacheln sind nicht länger als einen halben Millimeter, die kommen da nicht durch.“
Als zweite Möglichkeit nennt der Experte die klassische Glas-und-Papier-Methode: „Ein Glas nehmen und über das Tier stülpen. Danach ein Stück Papier – am besten etwas Stabiles wie dünnen Karton – vorsichtig dazwischenschieben. So fängt man Wespen und Bienen oder andere Insekten und kann sie am geöffneten Fenster wieder freilassen. Dafür ist etwas Geschick gefragt, aber ich denke, das bekommt man hin.“
Mit Material der dpa