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Laut Studien

„Haustiermenschen“ liegt die Tierliebe in den Genen

Kleiner Junge und Katze liegen zusammen auf der Couch
Manche Menschen haben eine ganz besondere Bindung zu Tieren, die sich häufig schon im Kindesalter zeigt Foto: Getty Images
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

3. September 2025, 17:49 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Warum lieben manche Menschen Tiere innig – und andere bleiben emotional distanziert? Zwei Studien, eine aus Großbritannien und eine aus den USA, zeigen: Es könnte an bestimmten Genen liegen, die unser Mitgefühl beeinflussen – nicht nur Emotionen gegenüber Menschen, sondern auch Tierliebe auslösen könnten. Besonders das sogenannte Oxytocin-Rezeptor-Gen spielt dabei eine Schlüsselrolle. Und tatsächlich: Manche von uns tragen in ihrer DNA eine Art „Empathie-Schalter“.

Gibt es „Tierliebe-Gene“?

Forscher aus Großbritannien und den USA haben sich mit einer spannenden Frage beschäftigt: Gibt es Menschen, die von Natur aus empathischer mit Tieren umgehen? Und wenn ja – liegt das vielleicht an den Genen? In beiden Studien im Fokus: das sogenannte OXTR-Gen – der Bauplan für einen Rezeptor, über den das Bindungshormon Oxytocin im Gehirn wirkt.

Oxytocin – oft als „Kuschelhormon“ bekannt – ist ein Neurotransmitter, der in sozialen Beziehungen wirkt. Er beeinflusst Vertrauen, Nähe und Fürsorge. Schon lange ist bekannt, dass das OXTR-Gen, also der Bauplan für den Oxytocin-Rezeptor, mit sozialem Verhalten zusammenhängt.

Während ein Forschungsteam an der University of Florida das Verhalten von Kindern mit ihren eigenen Hunden untersuchte, analysierten Wissenschaftler am Scotland’s Rural College (SRUC) und dem Roslin Institute in Edinburgh, wie Erwachsene auf Tierbilder reagierten – bewusst und unbewusst. Beide Studien kommen zu dem Schluss: Unsere Gene beeinflussen tatsächlich, wie eng wir uns Tieren verbunden fühlen.

Schon von Geburt an „Haustiermensch“?

Bisher konzentrierte sich die Forschung vor allem auf zwischenmenschliche Empathie. Doch auch unsere Verbindung mit Tieren scheint durch unsere sozialen Gene beeinflusst zu werden.

An der britischen Studie nahmen 161 Studenten teil. Sie füllten Fragebögen zur Tierempathie aus und machten einen sogenannten IAT-Test, bei dem unbewusste Reaktionen auf Tierbilder gemessen wurden. Gleichzeitig wurde ihr Erbgut analysiert – speziell fünf Varianten des OXTR-Gens, darunter die besonders erforschten Marker rs53576 und rs2254298.

Die US-amerikanische Studie konzentrierte sich auf 97 Kinder, die mit ihrem eigenen Hund ins Labor kamen. Dort sollten sie ihren Hund rufen, streicheln und mit ihm Blickkontakt aufnehmen. Die Forscher beobachteten genau, wie oft und wie intensiv das passierte – und verglichen es mit dem genetischen Profil der Kinder (ebenfalls Marker rs53576).

Beide Studien fanden eine klare Verbindung zwischen Genetik und tierbezogenem Verhalten. In der britischen Studie zeigten sich vor allem zwei genetische Effekte:

  • Menschen mit der GG-Variante von rs2254298 hatten eine höhere Tierempathie als Träger des A-Gens (AG oder AA).
  • Beim rs53576 zeigten G-Träger positivere unbewusste Reaktionen auf Tierbilder als A-Träger – besonders Frauen. 1

In der US-Studie zeigte sich:

  • Kinder mit der A-Variante von rs53576 streichelten ihre Hunde häufiger als Kinder mit der GG-Variante.
  • Kinder, die sich vom Hund genervt oder gestört fühlten, berührten ihn deutlich seltener – unabhängig vom Genotyp.2

Tierliebe nicht ausschließlich durch Gene bedingt

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass manche Menschen – von Geburt an – emotional offener gegenüber Tieren sind. Ihr Körper reagiert stärker auf tierische Reize, sie suchen eher körperliche Nähe zu Hunden und empfinden mehr Mitgefühl, wenn Tiere leiden.

Das bedeutet nicht, dass Tierliebe ausschließlich genetisch bedingt ist – Erziehung, Erfahrung und Umgebung spielen eine große Rolle. Aber: Gene können mitentscheiden, ob wir überhaupt offen für Nähe zu Tieren sind. Das ist besonders relevant für tiergestützte Therapien, aber auch für Berufe mit Tieren: Tierpfleger, Tierärzte oder Landwirte.

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Mehr noch: Besonders in der US-Studie zeigte sich, dass Kinder, die laut früheren Studien in menschlichen Beziehungen eher zurückhaltend oder empfindlich reagieren (z. B. bei Eltern oder Gleichaltrigen), im Umgang mit Hunden aktiver und körperlicher waren. Sie zogen offensichtlich die Gesellschaft eines Tiers der eines Menschen vor.

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Wie häufig sind diese „Tierliebe-Gene“?

Hier lohnt sich ein genauer Blick. Für den häufig untersuchten Marker rs53576 im OXTR-Gen liegt die Verteilung in westlichen Bevölkerungen (z. B. USA, UK) bei etwa:

  • 40–45 %: GG (zwei G-Allele)
  • 45–50 %: AG (ein G-, ein A-Allel)
  • 5–10 %: AA (zwei A-Allele)

Das bedeutet: Etwa 50 bis 60 Prozent der Bevölkerung tragen mindestens ein A-Allel, das laut US-Studie mit mehr körperlicher Zuwendung zum Hund verbunden war. Für rs2254298 (britische Studie) ist das Bild ähnlich, aber mit leicht anderer Verteilung:

  • GG-Träger (höchste Tierempathie) machen je nach Bevölkerung 30 bis 60 Prozent aus.
  • A-Träger (AG oder AA) gelten als etwas weniger empathisch – im tierischen Kontext.

Natürlich bedeutet das nicht, dass GG-Träger automatisch Tierfreunde sind – aber sie bringen genetisch günstigere Voraussetzungen für Mitgefühl mit.

Fazit für Tierfreunde

Ob man einem Hund stundenlang das Fell krault oder eher distanziert bleibt, könnte nicht nur an der Erziehung, sondern auch am Erbgut liegen. Die unabhängigen Studien zeigen: Unser Verhältnis zu Tieren ist biologisch mitgeprägt, vor allem durch Varianten im OXTR-Gen, das für soziale Nähe verantwortlich ist.

Die gute Nachricht? Gene sind keine Einbahnstraße. Sie geben eine Richtung vor – aber wie tief wir wirklich fühlen, entscheidet auch das Leben. Wer früh mit Tieren aufwächst, Fürsorge erlebt und Nähe zulässt, kann Empathie lernen – egal mit welchem Genprofil. Aber zu wissen, dass manche Menschen von Natur aus besonders empfänglich für Tiere sind, hilft: in der Therapie, in der Ausbildung – und beim Verständnis füreinander.

Quellen

  1. Connor, M., Lawrence, A. B., & Brown, S. M. (2018). Associations between Oxytocin Receptor Gene Polymorphisms, Empathy towards Animals and Implicit Associations towards Animals. Animals, 8(8), 140. ↩︎
  2. Kertes DA, Hall N, Bhatt SS. (2018). Children’s Relationship With Their Pet Dogs and OXTR Genotype Predict Child–Pet Interaction in an Experimental Setting. Frontiers in Psychology. 9, 1472. ↩︎

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