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Abkühlung im Sommer

Warum Ventilator und Klimaanlage für Hunde und Katzen zur Gefahr werden

Hund sitzt vor einem Ventilator
Auch Hund und Katze leiden oft unter der Hitze. Dennoch sollte man beim Einsatz von Klimaanlagen und Ventilatoren einiges beachten Foto: Getty Images
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23. Juli 2025, 5:51 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Wenn die Sommerhitze unerträglich wird, schaffen Klimaanlage oder Ventilator schnell Abhilfe – zumindest für uns Menschen. Doch was als willkommene Erfrischung gilt, kann für Haustiere wie Hund und Katze ernsthafte Gesundheitsrisiken bergen. Eine Expertin erklärt, worauf Tierhalter unbedingt achten sollten. PETBOOK-Autorin Philine Ebert ist Gesundheitsberaterin für Hunde und erklärt, warum Klimaanlage oder Ventilator Hund und Katze schaden können.

Leiden unsere Haustiere überhaupt durch Hitze?

Kurz gesagt: ja! Wie wir Menschen leiden auch Katzen und Hunde unter lang anhaltender Hitze und dem fortschreitenden Klimawandel. Im Gegensatz zu uns schwitzen sie so gut wie gar nicht, da sie nur wenige Schweißdrüsen an den Pfoten haben. Sie regulieren ihre Körpertemperatur auf andere Weise.

Wie verschaffen sich Katzen und Hunde selbst Abkühlung?

Katzen putzen sich bei Hitze vermehrt, weil der verdunstete Speichel eine kühlende Wirkung hat. Sie reduzieren instinktiv ihre Bewegungen, ziehen sich in kältere Ecken oder auf einen kühlen Untergrund zurück. Einige Katzen lieben es, in Waschbecken oder Duschwannen zu liegen und dort zu ruhen oder auch direkt aus dem Wasserhahn zu trinken.

Hunde hingegen regulieren ihre Körpertemperatur durch Hecheln. Dabei verdunstet die Feuchtigkeit aus den Lungen und die Hitze wird aus dem Körper ausgeleitet. Ist die eingeatmete Luft jedoch zu heiß, bringt das Hecheln nicht die gewünschte Abkühlung, sodass ein Hitzschlag die Folge sein kann.

Im Freien wälzen sich Hunde zur Abkühlung gerne im Schatten in Gras, auf Kies oder sie graben sich ein kühles Erdloch. Zu Hause liegen sie an heißen Tagen bevorzugt auf kalten Stein- oder Fliesenböden statt in ihrem kuscheligen Körbchen.

Hitzschlag bei Hund und Katze erkennen

Können Hund und Katze ihre Körpertemperatur nicht erfolgreich herunterkühlen, kann es zum Hitzschlag kommen. Halter sollten dies immer ernst nehmen, denn es besteht akute Lebensgefahr. Achten Sie auf folgende Symptome:

  • starkes Hecheln
  • schnelle, flache Atmung
  • gerötete Schleimhäute
  • Krämpfe
  • taumelnde Bewegungen
  • Teilnahmslosigkeit
  • Durchfall und Erbrechen

Ein Hitzschlag ist immer ein akuter Notfall. Das Tier muss schnellstmöglich an einen schattigen Ort gebracht und sanft heruntergekühlt werden.

Vorsicht vor zu kalter Zugluft in Wohnung, Büro und Auto

Bei Temperaturen über 30 Grad steigt das Bedürfnis nach Abkühlung und gut temperierten Wohnräumen. Dabei sollte aber unbedingt Rücksicht auf die Haustiere genommen werden. Das Bedürfnis von Menschen nach kühler Luft ist nicht immer auch das Empfinden unserer Haustiere. Im Gegenteil: Hund und Katze können durch die Zugluft von Klimaanlagen sogar krank werden. Liegt ein Tier direkt vor einer Klimaanlage, ist die Gefahr der Verkühlung extrem groß.

Durch eine zu konstant kalte Umgebungstemperatur oder Zugluft wird das Immunsystem so geschwächt, dass die Anfälligkeit für Erkältungen und andere Infekte steigt. Auch bei Katze und Hund sind in erster Linie die empfindlichen Atemwege betroffen. Befinden sich Tiere ständig im Luftstrom der Geräte, sind Nackensteifheit, Ohren- und Augenerkrankungen nicht selten die Folge.

Besonders ältere oder übergewichtige Hunde sind sehr empfindlich, was Kälte betrifft. Fühlen sich Ohren und Pfoten kalt an, ist die Umgebung definitiv zu kühl.

Auch interessant: Wie man Haustiere bei sommerlichen Temperaturen richtig abkühlt

Klimaanlage in Wohnung oder Büro

Bei fest installierten Klimaanlagen in Wohn- oder in Büroräumen wird eine konstante Kälte bei längerem Aufenthalt leicht unterschätzt. Tiere, die sich drinnen aufhalten und wenig bewegen, merken oft nicht rechtzeitig, dass die Umgebung zu kalt ist. Sind sie der Kälte über lange Zeit ausgesetzt, kann das zu einer Verkühlung führen. Sinkt die Körpertemperatur eines Hundes unter 38 Grad Celsius, besteht die Gefahr der Unterkühlung.

Klimaanlage im Auto

Da sich der Organismus des Hundes an schnell wechselnde Temperaturen nur schwer anpassen kann, sollte die Klimaanlage im Auto möglichst so eingestellt sein, dass der Temperaturunterschied zum Außenklima nicht zu groß ist. Sonst lauert für Hunde schon bei kurzen Fahrten die Gefahr von massiven Kreislaufbeschwerden oder Erkältungen. War der Hund baden und ist noch nass, sollte auf das Einschalten der Klimaanlage besser verzichtet werden, damit er sich nicht verkühlt.

Offene Autofenster

Hat das Auto keine Klimaanlage, kann die Zugluft durch offene Fenster oder der Fahrtwind Nasen-, Ohren- oder Augenentzündungen zur Folge haben. Hunde stecken zwar gerne die Nase oder den Kopf zur Abkühlung aus dem Autofenster, die Gefahr für Infekte sollte dabei aber nicht unterschätzt werden.

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Verletzungsgefahr durch Ventilatoren, gekippte oder offenstehende Fenster

Mobile Klimaanlagen oder Ventilatoren sollten auf keinen Fall laufen, wenn Hund oder Katze alleine oder unbeobachtet ist. Viele Tiere sind neugierig und möchten mit allem, was sich bewegt, spielen. Die Verletzungsgefahr, wenn sie mit Pfote oder Nase in den Ventilator kommen oder in den Gittern der Klimaanlage hängen bleiben, ist besonders groß und kann schwerwiegende Folgen haben.

Auch wenn gekippte oder offene Fenster über Nacht die Räume herunterkühlen, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der Schlafplatz des Haustiers geschützt vor Zugluft ist und es dort über einen längeren Zeitraum nicht zu kalt werden kann. Offenstehende Fenster bergen zudem eine Verletzungsgefahr durch Ecken, Kanten oder für Tiere schlecht erkennbare Fensterscheiben.

Alternativen zu Klimaanlage oder Ventilator

Ist ihr Haustier alleine zu Hause, hilft es, Jalousien, Rollos, Markisen, Fensterläden und Gardinen tagsüber geschlossen zu halten, um das Aufheizen der Räume zu reduzieren. Trinken ist das Wichtigste bei Hitze. Stellen Sie an verschiedenen Plätzen innen und außen Trinknäpfe mit frischem Wasser auf und nehmen Sie beim Spaziergang eine Trinkflasche für eine Trinkpause mit, damit der Hund unterwegs nicht dehydriert. Feuchte Handtücher oder Kühlmatten helfen Katzen und Hunden nach dem Aufenthalt im Freien auf ungefährliche Weise wieder langsam herunterzukühlen.

Zur Autorin

Philine Ebert ist Mitte vierzig, lebt in München und hat einen traditionellen Handwerksberuf gelernt. Erst nachdem ihr Hund ihr Leben auf den Kopf gestellt hatte, fing sie an, sich ausführlicher mit Haustieren und im Speziellen mit deren Gesundheit und Ernährung zu beschäftigen. Nach zahlreichen Seminaren und Ausbildungen über die Jahre ist sie nun seit 2023 als zertifizierte Gesundheits-, Ernährungs- und BARF-Beraterin für Hunde selbstständig.

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