19. Juni 2026, 6:04 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Viele Haustierbesitzer versuchen ihre Tiere im Sommer mit ungewöhnlichen Methoden abzukühlen – etwa durch Eiswürfel im Aquarium, Ventilatoren vor dem Käfig oder geschorenes Hundefell. Solche Maßnahmen können jedoch gefährlich oder sogar lebensbedrohlich sein. Da Haustiere oft empfindlich auf Hitze reagieren, sollten sie nur mit geeigneten und schonenden Methoden gekühlt werden. Der Deutsche Tierschutzbund erklärt, welche Maßnahmen tatsächlich helfen und welche man besser vermeiden sollte.
Statt Eiswürfel im Aquarium lieber …
… darauf achten, dass das Aquarium nicht in der direkten Sonne steht. Vor allem in kleineren Becken kann sich das Wasser bei hohen Außentemperaturen stark aufheizen. Das kann laut Nadia Wattad, Pressereferentin des Deutschen Tierschutzbundes, sogar zu Sauerstoffmangel bei den Fischen führen.
Gleichzeitig sollte die Wassertemperatur nicht zu abrupt verändert werden. Deshalb ist Vorsicht geboten. Wenn die Fische nicht aus dem Becken springen können, kann es helfen, die Abdeckung zu öffnen sowie Heizer und Beleuchtung zeitweise auszuschalten. Auch ein täglicher Teilwasserwechsel mit kühlerem Wasser kann für Entlastung sorgen.
Problematisch kann Hitze auch für Gartenteiche werden. Temperaturen von mehr als 30 Grad gelten als kritisch. Hinweise darauf sind grünlich verfärbtes Wasser oder Fische, die an der Oberfläche nach Luft schnappen. Abhilfe schaffen können Belüfter, Oxydatoren oder Springbrunnen. Zusätzlich empfiehlt Wattad, täglich etwas kühles Wasser nachzufüllen.
Statt eines Ventilators vor dem Heimtierkäfig lieber …
… das Gehege an einen schattigen Ort stellen. Kleine Haustiere reagieren besonders empfindlich auf Zugluft. Die vermeintliche Abkühlung kann deshalb schnell zu einer Erkältung führen.
Besser geeignet sind schattenspendende Häuschen, kühle Steinplatten oder feuchte Handtücher, die in oder über das Gehege gelegt werden. Steine und Platten können zuvor im Tiefkühler gekühlt werden. Von Kühlakkus mit Kühlflüssigkeit rät Wattad bei Nagetieren und Hasenartigen dagegen ab. Die Gefahr sei zu groß, dass die Tiere die enthaltenen Chemikalien aufnehmen.
Wichtig ist außerdem eine ausreichende Wasserversorgung. Da bei Hitze viel Wasser verdunstet und die Tiere mehr trinken, sollten Wassernäpfe regelmäßig kontrolliert und nachgefüllt werden.
Hund nicht scheren, sondern lieber …
… das Gassigehen in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegen. Große Anstrengungen sollten für das Tier vermieden werden. Es ist darauf zu achten, dass der Hund ausreichend kühles Wasser zum Trinken bekommt. Je nach Hunderasse reagieren die Tiere unterschiedlich auf die hohen Temperaturen: Der Mops oder die Französische Bulldogge zum Beispiel sind besonders hitzeempfindlich. Abkühlung schaffen kann hier ebenfalls ein Hundepool oder der Besuch an einem Gewässer.
Allein im Auto lassen sollten Sie einen Hund auf keinen Fall. Auch nicht bei heruntergekurbelten Fensterscheiben. „Ein geöffnetes Schiebedach oder Fenster sorgt in keinem Fall für genügend Abkühlung. Selbst innerhalb weniger Minuten kann das Fahrzeug zur tödlichen Falle werden“, so Wattad. „Auch bei bewölktem oder schwülem Wetter ohne direkte Sonneneinstrahlung steigt die Temperatur im Inneren rasch auf 50 Grad und mehr an.“
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Katze nicht ins Eisfach stecken, sondern lieber …
… mit einem feuchten Tuch, einem Waschlappen oder angefeuchteten Fingern durch das Fell der Katze streichen, empfiehlt die Tierrechtsorganisation PETA. Denn auch, wenn Kühlschränke oder Eisfächer auf Katzen im Sommer teils eine magische Anziehung ausüben, sind sie doch viel zu kalt für die Tiere.
Da viele Katzen außerdem wasserscheu sind, sollte man sie auch nicht unvorhergesehen kalt abduschen. Denn wenn die Katze sich im Sommer ins Waschbecken legt oder in die Badewanne, soll das keine Aufforderung sein, sie dort mit Wasser zu bespritzen. Stattdessen hat sie sich dort bereits selbst einen kühlen und entspannenden Ort gesucht.
Hat die Katze Freigang, sollte man diesen im Hochsommer besser nicht in die Mittagszeit legen, sondern sie eher in der etwas kühleren Morgen- oder Abenddämmerung ihre Runde durch die Nachbarschaft drehen lassen. So können Sie einen Hitzeschlag am besten verhindern.
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Pferde nicht eiskalt abduschen, sondern lieber …
… lauwarm. „Eine Faustregel besagt, das Pferd immer von unten nach oben mit Wasser abzukühlen: die Beine zuerst, dann vorsichtig Brust und Hals, zum Schluss Rücken, Herzregion und den Bauch“, so Wattad. Das hält den Kreislauf des Pferdes stabil. Die Rückenregion lieber mit einem Schwamm abwaschen, da sich der große Rückenmuskel bei plötzlicher Kälte, insbesondere bei empfindlichen Pferden, schmerzhaft zusammenziehen kann.
Die Nierengegend sollte ebenfalls vorsichtig mit niedrig eingestelltem Wasserstrahl abgespritzt werden, bei Pferden mit nachgewiesenen Nierenproblemen diese Partie besser mit dem Schwamm abwaschen. Viele Pferde genießen auch das Einsteigen in einen Bach, Teich oder See.
Wattad rät zudem, Haltung und Training anzupassen: „Die Weidezeit lieber auf die kühlere Nacht verschieben und die Pferde tagsüber im Gruppenstall oder in der Paddockbox belassen, sofern das Gebäude so gebaut ist, dass durch die Mauern eine angenehmere Temperatur erreicht wird.“ Das Training der Pferde sollte ebenfalls auf die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegt und ein ständiger Zugang zu frischem Wasser ermöglicht werden.
Übrigens: Bei Pferden mit unpigmentierten und unbehaarten Hautstellen besteht Sonnenbrandgefahr. „Eine Fliegenmaske oder extra dafür konzipierte Sonnencreme schützen die betroffenen Tiere“, ergänzt Wattad.
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So erkennen Sie Überhitzung
Starkes Hecheln oder Unruhe des Tieres sind erste Anzeichen von Überhitzung. Dann sollte schnell gehandelt werden und für Abkühlung des Haustieres gesorgt werden. „Das Tier muss aus der Hitze gebracht werden; nasse, auf die Gliedmaßen gelegte Handtücher helfen bei der Abkühlung“, rät Wattad. „Wenn Symptome auftreten, die auf einen Hitzschlag deuten, muss unmittelbar ein Tierarzt aufgesucht werden.“
Lebensgefährliche Kreislaufprobleme können sich durch stark gerötete oder sehr blasse Schleimhäute, flache Atmung, verlangsamte Reaktionen und apathisches Verhalten äußern. Dringende Warnsignale sind außerdem Gleichgewichtsstörungen, Erbrechen und schließlich Bewusstlosigkeit.
Mit Material der dpa