27. April 2026, 17:03 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Läuft ein Pferd plötzlich unrund oder entlastet ein Bein, kann oft mehr dahinterstecken, als es zunächst scheint. Lahmheit beim Pferd ist eines der häufigsten Gesundheitsprobleme, kann aber trotzdem leicht übersehen werden. PETBOOK erklärt die wichtigsten Ursachen und Anzeichen sowie was Halter jetzt tun sollten.
Wenn das Pferd nicht rundläuft
Wenn Pferdemenschen miteinander sprechen, kann sich das für Außenstehende fast schon kryptisch anhören. Bei einem lahmenden Pferd spricht man oft von Takt und rundem Gangbild. Um zu verstehen, woher das kommt und warum das wichtig ist, lohnt sich ein Blick auf die Anatomie des Pferdes. Jedes Pferd hat offensichtlich vier Beine – was so selbstverständlich erscheint, ist mindestens genauso überlebenswichtig. Ist ein Bein des Pferdes beschädigt, kann das weitreichende Konsequenzen haben.
Damit sich ein Pferd geschmeidig bewegen kann, müssen Knochen, Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke einwandfrei funktionieren. Sie sorgen gemeinsam dafür, dass das Tier stabil steht, sich trägt und belastbar bleibt.
Eine Besonderheit: Die Vorderbeine sind nicht fest knöchern mit dem Rumpf verbunden, sondern werden vor allem durch Muskeln und Bänder gehalten. Das macht sie beweglich, aber auch anfällig für Überlastungen.
Gerät dieses Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht, verändert sich auch die Bewegung. Hat ein Pferd Schmerzen, versucht es automatisch, das betroffene Bein zu entlasten. Es verlagert mehr Gewicht auf die anderen Gliedmaßen – der Gang wirkt dann ungleichmäßig oder „unrund“.
Lahmheit ist dabei keine eigene Krankheit, sondern ein Hinweis darauf, dass im Körper etwas nicht stimmt. Die Ursache kann im Bewegungsapparat liegen, aber auch andere Bereiche des Körpers betreffen.
Warum lahmt mein Pferd?
Die Ursachen für Lahmheit beim Pferd sind vielfältig. In den meisten Fällen stecken Verletzungen oder Erkrankungen dahinter.1
Häufige Auslöser sind:
- Sehnen- und Bänderverletzungen
- Entzündungen von Gelenken oder Schleimbeuteln
- Arthrose, bei der sich der Gelenkknorpel langsam abbaut
- Knochenbrüche oder Verstauchungen
Besonders oft liegt die Ursache im Huf. Hufprobleme beim Pferd zählen zu den häufigsten Gründen für Lahmheit. Dazu gehören vor allem:
- Hufrehe (schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut)
- Hufabszesse durch eingedrungene Keime
- Verletzungen durch Fremdkörper wie Nägel oder Steine
Auch die Muskulatur kann betroffen sein. Zerrungen, Verspannungen oder Überlastungen führen ebenfalls dazu, dass ein Pferd lahmt. Weiterhin können Probleme im Rücken oder Nacken das Gangbild verändern, weil das Pferd versucht, Schmerzen durch Ausweichbewegungen zu kompensieren.2
Wie erkenne ich, ob mein Pferd lahmt
Lahmheit beim Pferd lässt sich oft gar nicht so leicht erkennen. Das zeigt auch eine Studie aus dem Jahr 2016: In der Untersuchung stellten die Forscher fest, dass selbst vermeintlich gesunde Pferde häufig Auffälligkeiten im Gangbild zeigen – teilweise allerdings erst unter dem Reiter. Durchgeführt wurde die Untersuchung von Forschern um Line Greve und Sue Dyson, unter anderem am Royal Veterinary College.
Umso wichtiger ist es, auf feine Veränderungen im Bewegungsablauf zu achten. Typisch ist, dass das Pferd ein Bein entlastet und mehr Gewicht auf die anderen Gliedmaßen verlagert. Das kann sich in einem unregelmäßigen Gang, Humpeln oder sogar im sogenannten „Dreibeinlaufen“ äußern.
Weitere typische Anzeichen für Lahmheit beim Pferd sind:
- Kopfnicken beim Laufen, vor allem bei Problemen der Vorderbeine
- eine asymmetrische Bewegung der Kruppe bei Lahmheit der Hinterhand
- verkürzte Schrittlänge oder vorsichtiges Aufsetzen eines Beins
- Schwellungen, Wärme oder Rötungen an Gliedmaßen oder Hufen
- häufiges Umstellen im Stand oder sichtbare Schonhaltungen
- verminderte Aktivität und Bewegungsunlust
Dass manche Lahmheiten erst unter Belastung sichtbar werden, zeigt, wie leicht sie im Alltag übersehen werden können. Wer Veränderungen bemerkt, sollte deshalb nicht zögern, das Pferd tierärztlich untersuchen zu lassen.
Wie wird Lahmheit beim Pferd festgestellt?
Besteht der Verdacht auf Lahmheit beim Pferd, beginnt die Diagnose meist mit einer genauen Beobachtung in Bewegung. Das Pferd wird im Schritt und Trab vorgeführt – oft auch auf unterschiedlichen Untergründen oder in Wendungen. So lassen sich erste Unregelmäßigkeiten im Gangbild erkennen.
Anschließend untersucht der Tierarzt das Pferd gründlich: Gliedmaßen, Gelenke sowie Rücken und Nacken werden abgetastet, um Schwellungen, Wärme oder Schmerzreaktionen festzustellen. Auch die Hufe werden kontrolliert.
In besonders schweren Fällen können bildgebende Verfahren weiterhelfen. Röntgenaufnahmen zeigen vor allem Veränderungen an Knochen und Gelenken, während Ultraschall Sehnen, Bänder und andere Weichteile sichtbar macht.
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Was hilft, wenn mein Pferd lahmt?
Ein zentraler Bestandteil ist Ruhe. Vor allem in der akuten Phase soll das Pferd geschont werden, um weitere Schäden zu vermeiden und die Heilung zu unterstützen. In schweren Fällen kann auch eine vorübergehende Boxenruhe notwendig sein.
Je nach Befund kommen weitere Maßnahmen infrage:
- physiotherapeutische Behandlungen zur Unterstützung von Muskulatur und Beweglichkeit
- korrigierende Hufbearbeitung oder spezieller Hufbeschlag
- individuell angepasste Trainings- und Rehabilitationsprogramme
Welche Therapie sinnvoll ist, hängt immer vom Einzelfall ab.
Kann ich es vermeiden, dass mein Pferd lahmt?
Grundsätzlich können Pferdehalter durch gezieltes Management Lahmheit zumindest zu einem großen Teil vorbeugen. Eine große Rolle spielen dabei artgerechte Haltung auf geeignetem Boden und ausreichende Bewegung. Außerdem hat eine regelmäßige Hufpflege höchste Priorität, um ganze Fehlstellungen oder Verletzungen zu vermeiden. Besonders wichtig ist aber auch eine ausreichend lange Aufwärmphase vor dem Training.
Und wenn das Pferd dann doch mal lahmen sollte, sollten Pferdehalter nicht zögern, den Tierarzt zum Abklären anzurufen.