24. März 2026, 5:58 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Läuft ein Hund plötzlich auf drei Beinen und danach wieder ganz normal, wird das oft als harmlos abgetan. Tatsächlich kann hinter diesem typischen „Hüpfen“ eine Patellaluxation beim Hund stecken – eine Veränderung im Kniegelenk. Welche Anzeichen Halter kennen sollten und wie sich die Erkrankung entwickelt.
Was im Kniegelenk passiert
Das Kniegelenk des Hundes ist eine komplexe Verbindung mehrerer Knochen: Oberschenkelknochen (Femur), Schienbein (Tibia) und Kniescheibe (Patella). Die Kniescheibe sitzt in einer Sehne und gleitet normalerweise in einer kleinen Rinne am Oberschenkelknochen. Dort sorgt sie dafür, dass die Kraft der Muskulatur gezielt auf das Bein übertragen wird.1, 2
Bei einer Patellaluxation beim Hund verlässt die Kniescheibe diese vorgesehene Bahn. Sie rutscht nach innen oder außen aus der Rinne heraus. Dadurch gerät die Bewegung des Gelenks aus dem Gleichgewicht. Das Bein lässt sich nicht mehr sauber strecken, und das Gelenk wird ungleich belastet.3
Das Problem: Wenn die Kniescheibe immer wieder herausspringt, reibt sie am Gelenk. Auf Dauer kann das den Knorpel schädigen. Die Folge kann eine Arthrose sein – ein Verschleiß des Gelenks, der die Beweglichkeit weiter einschränkt.
Warum es dazu kommt
Eine Patellaluxation beim Hund entsteht meist nicht durch einen einzelnen Auslöser, sondern durch mehrere Faktoren. Besonders häufig spielt die genetische Veranlagung eine Rolle. Vor allem kleine Hunderassen wie Chihuahua, Yorkshire Terrier oder Pudel sind betroffen.4
Bei ihnen liegt oft eine Fehlstellung der Hinterbeine vor, zum Beispiel eine O-Beinigkeit. Auch eine zu flache Führungsrinne im Oberschenkelknochen oder eine ungünstige Ausrichtung von Knochen und Gelenken begünstigen das Herausrutschen der Kniescheibe.
Daneben kommen auch äußere Einflüsse infrage. Verletzungen durch Stürze oder Unfälle können eine Patellaluxation auslösen. Zusätzlich wird eine starke Belastung der Hinterbeine, etwa durch Übergewicht, als möglicher Risikofaktor beschrieben. In einigen Fällen spielt auch altersbedingter Verschleiß eine Rolle.
Woran man eine Patellaluxation beim Hund erkennt
Das auffälligste Anzeichen ist für viele Halter gut erkennbar – wird aber oft falsch eingeordnet: der sogenannte „hüpfende“ oder „hoppelnde“ Gang. Der Hund hebt dabei plötzlich ein Hinterbein an und läuft für einige Schritte auf drei Beinen. Danach setzt er das Bein wieder normal auf und zeigt zunächst keine Auffälligkeiten mehr.
Mit der Zeit können die Symptome deutlicher werden. Die Lahmheit kommt häufiger vor oder hält länger an. Betrifft die Erkrankung beide Hinterbeine, wirkt der Gang oft steif, mit kleinen, unsicheren Schritten.
Wichtig zu wissen: In milden Fällen zeigen Hunde lange Zeit gar keine sichtbaren Beschwerden. In anderen Fällen – insbesondere nach Verletzungen – können Schmerzen auftreten, die dazu führen, dass sich der Hund weniger bewegt oder empfindlich reagiert.
Wie der Tierarzt die Diagnose stellt
Wenn sich das Gangbild bemerkbar verändert, dann sollte das unbedingt mit dem Tierarzt abgeklärt werden. Dieser kann das Kniegelenk gezielt untersuchen und abtasten.
Zusätzlich wird das Gangbild beurteilt. Auf dieser Grundlage wird die Patellaluxation in vier Schweregrade eingeteilt. Diese zeigen, wie leicht die Kniescheibe aus ihrer Position rutscht und ob sie von selbst zurückgleitet.
Häufig werden ergänzend Röntgenaufnahmen eingesetzt. Sie helfen dabei, Veränderungen am Gelenk zu erkennen und andere Ursachen auszuschließen. In komplexeren Fällen können auch weiterführende bildgebende Verfahren wie CT oder MRT sinnvoll sein.
Welche Behandlung möglich ist
Welche Behandlung infrage kommt, hängt stark vom Schweregrad und den Beschwerden ab. Bei milden Formen ohne Symptome ist oft keine direkte Behandlung notwendig. Zeigt der Hund nur gelegentlich Auffälligkeiten, stehen konservative Maßnahmen im Vordergrund. Dazu gehört vor allem, das Körpergewicht im gesunden Bereich zu halten, um die Gelenke zu entlasten.
Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken und das Knie zu stabilisieren. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, belastende Bewegungen einzuschränken. Bei Bedarf kommen schmerzlindernde Medikamente zum Einsatz.
Anders sieht es bei stärker ausgeprägten Fällen aus: Wenn die Lahmheit anhält oder sich verschlechtert, kann eine Operation erforderlich sein. Ziel ist es, die Kniescheibe dauerhaft zu stabilisieren. Dafür stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, etwa das Vertiefen der Führungsrinne oder das Anpassen von Sehnen und Knochen. Nach einem operativen Eingriff folgt eine Phase mit eingeschränkter Bewegung. Anschließend unterstützt Physiotherapie den Wiederaufbau.
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Wie die Aussichten sind
Die Prognose hängt davon ab, wie stark die Patellaluxation beim Hund ausgeprägt ist und ob bereits Folgeschäden vorliegen. Hunde ohne deutliche Beschwerden können oft über viele Jahre gut mit der Erkrankung leben. Wird die Erkrankung stärker, kann eine Operation die Stabilität des Gelenks deutlich verbessern – vor allem, wenn sie frühzeitig erfolgt.
Dennoch bleibt ein Risiko: Viele betroffene Hunde entwickeln im Laufe der Zeit Arthrose, die weiter begleitet werden muss. Bei großen Hunden ist die Prognose teilweise ungünstiger. Der Grund: Hier treten häufiger zusätzliche Probleme am Bewegungsapparat auf.
Was Halter vorbeugend tun können
Eine vollständige Vorbeugung ist nicht möglich, da genetische Faktoren eine große Rolle spielen. Dennoch können Halter einiges tun, um das Risiko zu beeinflussen. Ein stabiles, gesundes Körpergewicht entlastet die Gelenke spürbar. Regelmäßige Bewegung stärkt die Muskulatur und unterstützt die Stabilität des Knies. Gleichzeitig sollten starke Belastungen – etwa häufiges Springen – möglichst vermieden werden.
Wichtig ist vor allem Aufmerksamkeit im Alltag: Veränderungen im Gangbild sollten ernst genommen und frühzeitig abgeklärt werden. Regelmäßige tierärztliche Kontrollen helfen, den Verlauf im Blick zu behalten.