27. August 2025, 11:13 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
2,19 Meter – so groß war das größte Pferd der Welt. Sampson, ein Shire-Horse-Wallach aus England, verteidigt diesen Titel bis zum heutigen Tag. Kaum eine andere Rasse besitzt eine solche imposante Wucht und überzeugt zeitgleich mit ihrer Sanftmütigkeit. Ihre Geschichte ist ein Auf und Ab, trotzdem haben die Pferde es in die Herzen vieler Pferdehalter geschafft. Seit dem Mittelalter begeistern diese prächtigen Wesen die Welt – PETBOOK gibt einen Überblick über diese faszinierende Rasse.
Herkunft
Die Geschichte des Shire Horses reicht fast 1000 Jahre zurück in die Vergangenheit. Wir reisen mitten ins 11. Jh. nach England. Dort wurde 1066 zum ersten Mal von dem sogenannten „great horse“ berichtet. Mit diesem Begriff wollte man primär auf die beeindruckende Größe des schon damals kräftigen Pferdes hinweisen. Allerdings darf man sich dabei nicht die bis zu zwei Meter großen Pferde von heute darunter vorstellen. Im Mittelalter waren die Pferde weitaus kleiner. Damals waren Zeitgenossen sehr stolz darauf, dass einige ihrer „great horses“ eine Widerristhöhe von 150 cm aufwiesen. Wobei das eher im Spätmittelalter der Fall war.
Vorrangig wurden die Shire Horses als Ritterpferde eingesetzt. Als das Rittertum so langsam moderner Technik wich, dienten sie vermehrt als Zug- und Arbeitspferde in der Land- und Forstwirtschaft.
Ihr Name ist tief mit der britischen Geschichte verbunden. So wurden sie hauptsächlich in den englischen Grafschaften Leicestershire, Staffordshire und Derbyshire gezüchtet. Diese Grafschaften werden mit „Shires“ übersetzt. Daher der Name Shire Horse. Da sich England allerdings in einer Depression befand und eine dementsprechend schlechte Wirtschaftslage hatte, wurden viele der Grafschaften nach Schottland verkauft – mit ihnen auch der Zuchtbestand. Es kam zu einer Flaute für den Bestand der Shire Horses. Allerdings entwickelten sich durch diese Übernahmen andere Zuchtlinien. So sind Shire Horses fester Bestandteil und Grundlage, wenn man die Geschichte von der Rasse der Clydesdale erzählt.
1878 gründete sich die „English Cart Horse Society“, heute bekannt unter „Shire Horse Society“, die die Zucht der geliebten englischen Rasse wieder aufnahm. Die schweren Kaltblüter waren in dieser Zeit immer noch beliebt in der Landwirtschaft. Sogar so sehr, dass man sie sogar in die Vereinigten Staaten, nach Kanada, Australien, Südamerika, Deutschland und Russland exportierte.
Mit dem weiteren Fortschritt der Industrialisierung nahm der Bestand der Pferde als Nutztiere stark ab. Auch durch den Zweiten Weltkrieg schrumpfte die Gesamtzahl der Riesen. Im Jahr 1958 verzeichnete das Zuchtbuch nur noch fünf Hengste und elf Stuten. Jedoch wurde weitergezüchtet, um diese besondere Rasse beizubehalten. Die Shire Horse Society machte sich für den Erhalt äußerst stark. Nun gibt es die Shire Horses weltweit als Show- und Freizeitpferde.
Aussehen
Als Erstes das wichtigste Merkmal des Shire Horse: Es ist mit einer Größe von bis zu 2 Metern das größte Pferd der Welt. Dabei wiegen sie meistens zwischen 900 und 2000 Kilogramm.
Shire Horses gehören zu den Kaltblütern – eine kräftige Vorder- und Rückhand sind daher Programm. Starke Schulterpartien und ein großer, breiter Rücken machen die Rasse ebenfalls aus. Der Kopf ist relativ schlank und elegant und wird oft mit einem buschigen Schopf bedeckt. Ebenfalls üppig ist die Mähne, die am langen, kräftigen Hals herunterhängt.
Eine weitere Besonderheit sind die schönen Behänger an den Fesseln des Pferdes. Die Fellfarben variieren – typisch sind Rappen, Brauner und Schimmel. Oft sind sie dabei mit Abzeichen am Kopf und an den Beinen geschmückt.
Charakter & Gemüt
Fragt man Shire-Horse-Liebhaber, wie sie die prächtigen Tiere beschreiben würden, käme schnell eine Antwort: „Sanfte Riesen“. Und da ist eine ganze Menge dran. Trotz ihrer Größe, oder vielleicht auch gerade deswegen, sind sie sehr sanft im Umgang. Einerseits wirken sie ausgeglichen, gelassen, geduldig und überzeugen mit ihrer Nervenstärke. Andererseits sind sie aber auch keine Schlaftabletten – sie gehen aufgeweckt voran, zeichnen sich durch ihre Intelligenz und ihren lernwilligen Charakter aus.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das Shire Horse ein vielseitiger Partner ist. Dabei stellt sich vielleicht die Frage, ob er denn auch für Anfänger umgänglich ist: Es ist natürlich nicht ganz einfach, das pauschal zu sagen, aber es gibt Tendenzen. Vom Charakter her stellt sich dem gar kein Hindernis entgegen. Nur muss jeder selbst einschätzen, ob die imposante Größe des Pferdes einschüchternd wirkt oder Ängste schürt.
Gang & Disziplin
Wie auch seine Artgenossen beherrscht dieses Kaltblut alle drei Grundgangarten. Hierbei tritt es in allen Gängen sicher, schwungvoll, vielleicht aber auch etwas wuchtig. Aufgrund der großen Hufe und des Gewichts ist es kein Wunder, dass der Boden manchmal etwas vibriert, wenn ein Shire Horse galoppiert.
Im Prinzip kann man mit dem Shire Horse alles machen, was Spaß macht. Wichtig ist, individuelle Abstufungen im Training einzuplanen. Als Fahr- und Freizeitpferde sind die großen Pferde ausgezeichnet geeignet. Ausgiebige Ausritte durch die Natur beschreiben viele Shire-Horse-Halter als einen der zahlreichen Höhepunkte im Alltag mit den sanften Riesen.
Oft sieht man Shire Horses auch auf Shows – geschmückt und herausgeputzt laufen sie dann im Gespann und repräsentieren die alten Traditionen Englands. Für Bodenarbeit beziehungsweise Freiheitsdressur sind sie ebenfalls offen und damit wahrhaftige Allrounder.
Richtige Haltung & Pflege
Hier ist Feingefühl angesagt. Eine Offenstallhaltung wird empfohlen. Dabei ist es wichtig, dass der Untergrund stets auf Feuchtigkeit geprüft wird, denn ein nasser Boden riskiert Mauke. Der Größe entsprechend sollte die Anlage an die Bedürfnisse der Tiere angepasst sein. Viel Auslauf ist den Pferden besonders wichtig. Sie genießen es, in bester Gesellschaft zu sein – die Größe ist dabei nicht von höchster Wichtigkeit. Trotzdem sollten es nicht zu kleine Gefährten sein.
Natürlich gilt auch für große Pferde: Ausreichendes Putzen vor jeder Trainingseinheit ist das oberste Gebot. Der Fesselbehang sollte routiniert gepflegt werden – ebenso wie die dichte und dicke Mähne: Am einfachsten klappt das mit pflegenden Produkten für Schopf, Mähne und Schweif.
Ernährung
Shire Horses gelten als leichtfuttrig, neigen allerdings zur schnellen Gewichtszunahme. Ausreichend Raufutter von hoher Qualität ist eine gute Grundlage. Die Abstimmung von Kraftfutter und Mineralien muss in jedem Fall mit einem Tierarzt abgestimmt werden.
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Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten
Eigentlich sind die imposanten Pferde ziemlich robuste Tiere. Durch ihren dichten und langen Behang an den Fesseln bergen sie ein höheres Risiko für Mauke. Durch die Zucht sind Shire Horses leider auch anfällig für chronisch progressives Lymphödem (CPL). Es gab in der Vergangenheit schon häufig Vorfälle von chronisch progressivem Lymphödem (CPL). Dabei verdicken sich meistens die Beine mit ödemähnlichen Schwellungen. Bei Symptomen sollte unbedingt der Tierarzt mit hinzugezogen werden.
Das Shire Horse im Überblick
- Charakter: nervenstark, geduldig, sanft, intelligent
- Stockmaß: ca. 170–200 cm
- Typ: Kaltblüter
- Fellfarbe: Rappe, Brauner mit Abzeichen, Ausnahme: Schimmel
- Gang: schwungvoll, trittsicher, wuchtig
- Disziplin: Freizeit-, Fuhr- und Showpferd
- Besonderheiten: größte Pferderasse der Welt