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Schlundverstopfung beim Pferd – worauf Halter unbedingt achten sollten

Pferd hustet
Eine Schlundverstopfung beim Pferd ist für Halter ein großer Schock und erfordert schnelle Reaktionen. Foto: Getty Images / Antagain
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Werkstudentin

8. Januar 2026, 11:28 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Plötzlich zeigt das Pferd schaumigen Nasenausfluss, dem Futterreste beigemischt sind. Es wirkt unruhig, senkt den Hals, würgt und frisst nicht mehr. Solche Anzeichen beunruhigen viele Pferdehalter – und das zu Recht. Hinter diesen Symptomen kann eine Schlundverstopfung stecken, eine ernst zu nehmende Notfallsituation. PETBOOK klärt auf, wie es dazu kommt, welche Symptome typisch sind und wie eine Schlundverstopfung behandelt und verhindert werden kann.

Was ist eine Schlundverstopfung beim Pferd?

Der Schlund, auch Speiseröhre genannt, transportiert beim Pferd das Futter vom Maul in den Magen. Er ist lang, relativ eng und mündet in einem sehr spitzen Winkel in den Magen. Zusätzlich besteht im Bereich des Mageneingangs eine natürliche Engstelle, an der der Durchmesser der Speiseröhre nochmals reduziert ist. Diese Besonderheiten machen es dem Pferd unmöglich zu erbrechen und begünstigen gleichzeitig, dass Futter stecken bleibt.

Bei einer Schlundverstopfung bleibt Futter oder ein Fremdkörper in der Speiseröhre hängen. Die Muskulatur verkrampft reflexartig, das Futter kann weder vor noch zurück. Speichel und Futterbrei stauen sich und treten über Maul und Nase wieder aus.1

Warum kommt es zu Schlundverstopfungen?

Tierärzte unterscheiden bei der Schlundverstopfung zwischen einer primären und einer sekundären Form. Die primäre Schlundverstopfung entsteht meist durch ungeeignete Fütterung. Häufig bleiben größere, unzureichend zerkleinerte Stücke von Äpfeln und Möhren oder aufgequollene Pellets in der Speiseröhre stecken und blockieren die enge Passage.

Dabei ist ein mangelhafter Zahnstatus ein erheblicher Risikofaktor. Können die Zähne das Futter nicht ausreichend zerkleinern, wird es ungenügend eingespeichelt und ist schwerer abzuschlucken. Zusätzlich erhöht hastiges Fressen, etwa durch Stress, oder nach körperlicher Belastung, das Risiko einer Verstopfung.

Die sekundäre Schlundverstopfung beruht auf Vorerkrankungen. Dazu zählen Veränderungen der Speiseröhre wie Divertikel, Verengungen oder ein Megaösophagus, die den Futtertransport dauerhaft beeinträchtigen. Diese Veränderungen können angeboren oder erworben sein, in seltenen Fällen spielen auch systemische Erkrankungen oder Tumoren eine Rolle. In der Praxis kommen häufig mehrere ungünstige Faktoren zusammen.2

Typische Anzeichen einer Schlundverstopfung

Die Anzeichen einer Schlundverstopfung treten meist plötzlich auf und sind für aufmerksame Pferdehalter gut wahrnehmbar. Häufig wirken die Pferde unruhig, scharren, schwitzen und verweigern die Futteraufnahme. Typisch ist auch, dass das Pferd den Kopf nach vorn streckt oder den Hals senkt und wiederholt Würgebewegungen zeigt. Dabei spannt sich die Halsmuskulatur sichtbar an.

Charakteristisch ist ein beidseitiger, schaumiger Nasenausfluss, der Speichel und Futterbestandteile enthalten kann und oft grünlich oder bräunlich gefärbt ist. Zusätzlich speicheln die Pferde vermehrt, husten oder lassen Futter aus dem Maul fallen. In manchen Fällen ist entlang der linken Halsseite im Bereich der Speiseröhre eine Schwellung zu erkennen oder zu ertasten. Gelegentlich treten kolikähnliche Symptome wie eine erhöhte Puls- und Atemfrequenz auf.

Sollten Sie solche Symptome an einem Pferd feststellen, sollten Sie schnellstmöglich einen Tierarzt Bescheid geben. 3

Diagnose der Schlundverstopfung beim Pferd

In vielen Fällen ergibt sich der Verdacht auf eine Schlundverstopfung bereits aus den typischen Anzeichen. Bei der Untersuchung kann der Tierarzt die Verstopfung häufig als tastbare Umfangsvermehrung entlang der linken Halsseite feststellen. Zur genaueren Lokalisation wird unter Sedation vorsichtig eine Nasenschlundsonde in die Speiseröhre eingeführt. Eine endoskopische Untersuchung erlaubt es zudem, die Ursache der Verstopfung sowie den Zustand der Schleimhaut direkt zu beurteilen.

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Wie wird eine Schlundverstopfung behandelt?

Die Behandlung findet in der Regel am stehenden, sedierten Pferd statt. Dabei verabreicht der Tierarzt zusätzlich muskelentspannende und schmerzstillende Medikamente, um den Krampf der Speiseröhre zu lösen. Anschließend führt er eine Nasenschlundsonde bis zur Verstopfung vor. Über diese Sonde schiebt er die Anschoppung entweder vorsichtig in Richtung Magen weiter oder weicht sie durch wiederholtes Spülen mit Wasser auf und entfernt sie schrittweise. Abhängig von Art und Dauer der Verstopfung kann dieser Vorgang einige Zeit in Anspruch nehmen.

Gelingt es auf diesem Weg nicht, die Anschoppung zu lösen, setzt der Tierarzt die Behandlung unter Vollnarkose fort. Nur in seltenen Fällen bleibt als letzte Option eine operative Entfernung des Fremdkörpers.

Nach erfolgreicher Beseitigung der Verstopfung überprüft der Tierarzt endoskopisch den Zustand der Schleimhaut der Speiseröhre. Zeigen sich Reizungen oder Verletzungen, erhält das Pferd für mehrere Tage Antibiotika und entzündungshemmende Medikamente, um Komplikationen wie eine Aspirationspneumonie zu verhindern. Zusätzlich empfiehlt der Tierarzt für eine begrenzte Zeit weiches Futter, damit die Schleimhaut vollständig abheilen kann.

Vorbeugung im Alltag

In den meisten Fällen ist die Prognose einer primären Schlundverstopfung gut, und die betroffenen Pferde erholen sich rasch. Bei sekundären Formen hängt der weitere Verlauf hingegen von der zugrunde liegenden Erkrankung ab und muss individuell beurteilt werden.

Um einer Schlundverstopfung beim Pferd vorzubeugen, kommt es vor allem auf regelmäßige Zahnkontrollen und eine durchdachte Fütterung an. Auch ein ruhiges Fütterungsumfeld, mehrere kleine Mahlzeiten sowie klare Fütterungsroutinen tragen dazu bei, das Risiko deutlich zu senken. Wer mögliche Risikofaktoren früh erkennt, kann schwere Verläufe oft vermeiden.

Mit Aufmerksamkeit im Alltag und einer guten Zusammenarbeit mit dem Tierarzt lässt sich die Schlundverstopfung beim Pferd meist gut beherrschen und in vielen Fällen sogar verhindern.

Quellen

  1. tierspital.uzh.ch, „Schlundverstopfung“ (aufgerufen am 06.01.2025) ↩︎
  2. pferdegesundheit-rhein-main.com, „Die Schlundverstopfung des Pferdes ist ein lebensbedrohlicher Notfall!“ (aufgerufen am 06.01.2025) ↩︎
  3. propferdhamburg.com, „Erste Hilfe bei Schlundverstopfung beim Pferd“ (aufgerufen am 06.01.2025) ↩︎

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