9. Oktober 2025, 15:49 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Wenn plötzlich nichts mehr geht und der Hund würgt, ohne dass etwas herauskommt, ist schnelles Handeln gefragt. Eine Magendrehung ist ein absoluter Notfall – und kann ohne sofortige Behandlung tödlich enden. Besonders Halter großer Hunderassen sollten die Symptome kennen und wissen, wie sie im Ernstfall reagieren müssen
Übersicht
Ursachen einer Magendrehung beim Hund
Die genauen Ursachen für die Magentorsion sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt bestimmte Faktoren, die das Risiko erhöhen können. Eine wichtige Rolle spielt die Größe und Rasse des Hundes. Es wurde festgestellt, dass große Hunderassen, insbesondere solche mit einer tieferen Brust, anfälliger für eine Magendrehung sind. Rassen wie Deutsche Doggen, Deutsche Schäferhunde, Rottweiler und Weimaraner haben ein erhöhtes Risiko.
Das Fütterungsverhalten des Hundes kann ebenfalls eine Rolle spielen. Wenn ein Hund wenige, dafür aber sehr große Mahlzeiten zu sich nimmt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Magendrehung. Weitere Ursachen können schnelles Schlingen des Futters und zusätzlich das Trinken großer Wassermengen sein. Ruht der Hund nach dem Fressen nicht, sondern tobt wild umher, kann dies ebenfalls eine Magendrehung begünstigen.
Auch genetische Veranlagungen können eine Rolle spielen. Wenn ein Hund Elterntiere oder Geschwister hat, die bereits unter einer Magendrehung gelitten haben, besteht ein erhöhtes Risiko für ihn.1
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Symptome einer Magentorsion
- Aufgeblähter Bauch: Ein deutlich aufgeblähter und gespannter Bauch ist eines der häufigsten und offensichtlichsten Symptome einer Magendrehung. Der Bauch kann sich hart anfühlen und im Vergleich zum normalen Zustand des Hundes deutlich vergrößert sein.
- Unruhe und Unwohlsein: Der Hund wird ängstlich, unruhig und zeigt Anzeichen von Schmerzen. Hunde mit Magendrehung wollen sich ständig hinlegen und wieder aufstehen, laufen rastlos umher.
- Unproduktives Würgen und Speicheln: Der Hund kann wiederholt würgen und versuchen, sich zu erbrechen. Meist kommt aber nur Schaum aus dem Maul. Dieses unproduktive Würgen ist ein Zeichen dafür, dass der Magen in Richtung Speiseröhre bereits blockiert ist.
- Atembeschwerden: Aufgrund des gedrehten und stark aufgeblähten Magens kann es zu Atembeschwerden kommen. Der Hund zeigt dann eine schnelle, flache Atmung.
- Blässe der Schleimhäute: Bei einer fortgeschrittenen Magendrehung kann der Hund eine blasse Farbe der Schleimhäute im Maul und an den Augen aufweisen. Dies ist Folge mangelnder Durchblutung, da der gedrehte Magen den normalen Blutfluss beeinflussen kann.
Treten eine oder mehrere dieser Symptome auf, sollte sofort die Tierklinik oder ein Tierarzt aufgesucht werden.2
Behandlung einer Magendrehung
Die Magendrehung beim Hund muss umgehend behandelt werden, und zwar nur von einem Tierarzt oder dem tierärztlichen Notdienst. Hierfür wird der Hund als Erstes stabilisiert. Es werden lebenswichtige Funktionen überwacht und intravenös Flüssigkeiten verabreicht. Anschließend erfolgt die Dekompression des Magens durch eine Magensonde oder eine Gastropexie, um überschüssige Gase und Flüssigkeiten abzulassen. In schweren Fällen ist auch eine sofortige Operation erforderlich, bei der der Magen vorsichtig zurückgedreht wird. Nach der Operation erhält der Hund weiterhin Schmerzmittel und Antibiotika. Das Haustier wird außerdem noch ein paar Tage in der Praxis oder Klinik medizinisch überwacht.
Behandlungskosten: Mit welchen Ausgaben Hundehalter rechnen müssen
Die Behandlung einer Magendrehung gehört zu den kostenintensiven Notfalleingriffen in der Tiermedizin. Die Gesamtkosten können – je nach Schweregrad, Klinik, Abrechnungsfaktor und Aufenthaltsdauer – zwischen etwa 1.000 und 2.600 Euro liegen. In der Regel summieren sich die Kosten für Diagnose, Notfallversorgung, Operation, Medikamente und stationäre Betreuung auf rund 2.000 Euro (bei einfachem Gebührensatz).
Zu den Einzelposten zählen unter anderem die allgemeine Untersuchung, Röntgendiagnostik, Blutanalysen, die Inhalationsnarkose, die Magendrehungs-OP mit Magenfixierung sowie die Intensivüberwachung. Besonders im Notdienst kann durch den zweifachen oder dreifachen Gebührensatz ein deutlich höherer Betrag entstehen. Zusätzlich fallen Kosten für Medikamente, Infusionen, Verbrauchsmaterialien sowie Folgeuntersuchungen an.
Da solche Notfälle unerwartet auftreten, ist eine Tierkrankenversicherung oder ein OP-Kostenschutz besonders bei Risikorassen empfehlenswert, um im Ernstfall finanziell abgesichert zu sein.3
Prognose: Früherkennung entscheidet über Leben und Tod
Die Überlebenschancen bei einer Magendrehung hängen stark vom Zeitpunkt der Behandlung und dem Schweregrad der Erkrankung ab. Wird der Hund rechtzeitig in einer Klinik vorgestellt und schnell operiert, stehen die Chancen auf Genesung grundsätzlich gut. In Fällen, in denen bereits Teile des Magens abgestorben sind, ist mit postoperativen Komplikationen zu rechnen – dennoch ist auch dann meist ein positiver Verlauf möglich.
Anders sieht es aus, wenn der Kreislauf des Hundes stark geschwächt ist oder schwere Herzrhythmusstörungen auftreten. In solchen Fällen ist eine intensive Nachbehandlung nötig, und die Prognose verschlechtert sich. Auch wenn die Operation scheinbar erfolgreich verläuft, können in den ersten 14 Tagen nach dem Eingriff Komplikationen wie Thrombosen oder Kreislaufversagen zum Tod führen. Leider kommt es immer wieder vor, dass Hunde trotz korrekter Behandlung versterben – sei es während der Operation, kurz danach oder noch während der stationären Überwachung.
Dennoch hat sich die Überlebensrate in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. Während früher fast jeder zweite Hund an den Folgen der Magendrehung oder der Narkose starb, liegt die Sterberate heute bei etwa 15 bis 33 Prozent. Bei günstigem Verlauf dürfen Hunde oft schon am nächsten Tag wieder fressen und können mit etwas Glück zeitnah nach Hause entlassen werden.
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Magendrehung beim Hund vorbeugen
Oft wird geraten, gerade große Hunden über den Tag verteilt eher mehrere, dafür kleinere Portionen Futter zu geben. Frisst das Tier allzu gierig, bietet sich ein Schlingnapf an. Hier verhindern in den Napf eingebaute Elemente, dass das Futter quasi „inhaliert“ wird. Wichtig ist außerdem eine Ruhepause nach dem Fressen. Der Hund sollte dafür ein ruhiges Plätzchen oder sein Körbchen aufsuchen und mindestens 15 bis 20 Minuten Ruhe halten.
Obwohl viele Empfehlungen zur Fütterung und Bewegung zur Vorbeugung einer Magendrehung kursieren, bleibt die Tatsache bestehen: Die einzig wirksame Prophylaxe ist die chirurgische Fixierung des Magens an der Bauchwand – die sogenannte Gastropexie. Sie verhindert zuverlässig, dass sich der Magen drehen kann, selbst wenn andere Risikofaktoren bestehen.
Minimalinvasiver Eingriff kann Risiko stark veringern
Besonders empfohlen wird diese vorbeugende Maßnahme bei tiefbrüstigen und genetisch vorbelasteten Rassen wie Deutsche Doggen, Dobermänner, Berner Sennenhunde oder Schäferhunde. Die Operation kann als eigenständiger Eingriff oder im Zuge eines anderen Routineeingriffs, etwa einer Kastration, durchgeführt werden. Bei der herkömmlichen Methode wird der Magen mit resorbierbarem Nahtmaterial an der Bauchwand fixiert und wächst innerhalb von etwa drei Wochen stabil an.
Noch schonender ist die minimalinvasive endoskopische Gastropexie, bei der der Magen über drei kleine Hautschnitte an die Bauchwand angenäht wird. Die Vorteile dieser Methode: kurze OP-Dauer, geringe Belastung, kaum Schmerzen und keine Nachkontrolle erforderlich. Bereits einen Tag nach dem Eingriff sind Spaziergänge möglich – gespielt und gesprungen werden darf nach etwa einer Woche wieder. Damit bietet die prophylaktische Gastropexie eine effektive, risikoarme Option für Hundehalter, die einer Magendrehung gezielt vorbeugen möchten.4