7. Januar 2026, 17:08 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ein Pferd wirkt plötzlich teilnahmslos, frisst kaum noch, bewegt sich steif und läuft im Kreis – scheinbar ohne Grund. Doch hinter solchen Symptomen kann eine bislang unheilbare Erkrankung stecken – das Borna-Virus. PETBOOK erklärt, welche Symptome der Virus mit sich bringt und wie er diagnostiziert wird.
Wie das Borna-Virus das Nervensystem schädigt
Das zentrale Nervensystem steuert beim Pferd Bewegungen, Gleichgewicht, Wahrnehmung und Verhalten. Gehirn und Rückenmark sorgen dafür, dass das Tier sicher läuft, frisst und sich orientieren kann. Bei der Bornaschen Krankheit greift das Borna-Disease-Virus (BoDV) genau dieses System an. Das Virus gelangt über Nervenbahnen ins Gehirn und löst dort eine Entzündung aus.
Dadurch funktionieren die Nervenzellen immer schlechter. Das Pferd bewegt sich unsicher, wirkt orientierungslos und zeigt deutliche Verhaltensänderungen. Da sich geschädigtes Nervengewebe nicht erholt, nehmen die Symptome im Verlauf weiter zu.1, 2
Wie sich Pferde mit dem Borna-Virus infizieren
Das Borna-Virus ist auch unter dem Namen Bornascher Krankheit bekannt. Als natürlicher Träger gilt die Feldspitzmaus. Sie kann das Virus dauerhaft in sich tragen, ohne selbst krank zu werden. Dabei scheidet sie den Erreger über Speichel, Urin, Kot und andere Körperflüssigkeiten aus.
Pferde stecken sich nicht direkt bei anderen Pferden an. Stattdessen erfolgt die Infektion meist über verunreinigtes Heu oder Stroh. Vor allem feiner Heustaub kann Viruspartikel enthalten, die über die Nase aufgenommen werden. Auch kleine Verletzungen der Schleimhäute können dem Virus den Eintritt in den Körper erleichtern.
Nach der Aufnahme wandert das Virus entlang von Nervenbahnen bis ins Gehirn. Dort beginnt es, sich zu vermehren und die typischen Entzündungen auszulösen. Eine Weitergabe von Pferd zu Pferd findet nicht statt, da Pferde das Virus nicht wieder ausscheiden können.3
Diese Symptome sollten Pferdehalter ernstnehmen
Das Borna-Virus entwickelt sich meist schleichend langsam. Zwischen Ansteckung und den ersten Anzeichen vergehen häufig zwei bis sechs Monate. Deshalb lässt sich der genaue Zeitpunkt der Infektion oft nicht mehr nachvollziehen. Trotzdem lassen sich die Symptome grob in drei Krankheitsphasen einteilen.
Frühe Warnzeichen
Zu Beginn wirkt das Pferd häufig müde und teilnahmslos. Die Tiere können Fieber bekommen und haben bemerkbar einen deutlich geringeren Appetit – dazu können auch Koliksymptome kommen. Typisch ist auch eine gestörte Kaufunktion: Das Pferd kaut unkoordiniert, Heu fällt aus dem Maul. Dieses Symptom wird als „Pfeifenrauchen“ bezeichnet. Zusätzlich können Probleme beim Wasserlassen sowie eine erhöhte Berührungsempfindlichkeit im Kopfbereich auffallen.
Fortgeschrittene Symptome
Mit dem Fortschreiten der Erkrankung treten vor allem neurologische Störungen in den Vordergrund. Der Kopf des Pferdes ist oft gesenkt, das Gleichgewicht ist gestört, der Gang wirkt steif und unsicher. Viele Pferde stehen breitbeinig, was als Sägebock-Haltung beschrieben wird.
Häufig zeigen sie Zwangsbewegungen, laufen im Kreis oder drücken den Kopf gegen feste Gegenstände. Auch Orientierungslosigkeit, Sehstörungen bis hin zur Erblindung sowie deutliche Verhaltensänderungen wie Apathie oder Depression sind möglich.
Lebensbedrohliche Symptome
Im Endstadium verschlechtert sich der Zustand rasch. Die Tiere brechen wiederholt zusammen und können dann nicht mehr alleine aufstehen. Die Erkrankung endet in den meisten Fällen tödlich. In seltenen Fällen bleiben bei überlebenden Tieren schwere und dauerhafte Verhaltensstörungen zurück.
Warum die Diagnose so schwierig ist
Anhand der sichtbaren Symptome lässt sich das Borna-Virus zunächst nur vermuten. Der Grund: Auch andere Erkrankungen des Nervensystems können ähnliche Anzeichen verursachen. Eine sichere Diagnose ist daher nur mit speziellen Laboruntersuchungen möglich.
Ein direkter Nachweis des Virus im Blut gelingt in der Regel nicht, da sich das Borna-Virus fast ausschließlich im Gehirn und Rückenmark aufhält. Stattdessen suchen Tierärzte nach Antikörpern gegen das Virus im Blutserum und in der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit.
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Wie wird das Borna-Virus behandelt?
Eine gezielte Behandlung gegen die Erkrankung gibt es bislang nicht. Bis die Diagnose feststeht, erhalten betroffene Pferde überwiegend eine unterstützende Therapie, solange keine anderen neurologischen Erkrankungen in Betracht kommen. Wenn das Borna-Virus eindeutig festgestellt werden kann, raten Tierärzte aufgrund der schwierigen Prognosen in den meisten Fällen zur Euthanasie. Wirksame antivirale Medikamente stehen für Pferde derzeit nicht zur Verfügung.
Kann man sein Pferd vor dem Borna-Virus schützen?
Nicht nur der Verlauf der Krankheit ist tückisch – auch die Vorbeugung gestaltet sich schwierig. Eine Impfung gegen das Borna-Virus gibt es bislang nicht. Pferdehalter können nur vermehrt darauf achten, ob in den Stallanlagen Spitzmäuse leben, und weitere Hygienemaßnahmen einhalten. Dazu gehört, das Futter und das Einstreu trocken und sauber zu lagern.
Da Feldspitzmäuse unter Naturschutz stehen, dürfen sie nicht gezielt bekämpft werden. Umso wichtiger ist ein konsequentes Hygienemanagement im Stall, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.