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Pferd schlägt unkontrolliert mit Kopf! Das steckt hinter „Headshaking“

Pferd schüttelt Kopf
Headshaking kann bei Pferden schnell zu einem Warnzeichen werden. Foto: Getty Images / Binnerstam
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PETBOOK-Redaktion

23. März 2026, 11:17 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Ein Pferd läuft ruhig über den Platz – plötzlich reißt es den Kopf hoch, schlägt ihn wieder und wieder nach oben. Was im ersten Moment harmlos wirkt, kommt immer häufiger vor. Viele Halter denken zunächst an Unruhe oder Ungehorsam – und übersehen dabei, dass mehr dahinterstecken kann. PETBOOK erklärt, warum dieses Verhalten ernst zu nehmen ist und was wirklich dahintersteckt.

Was beim Pferd im Körper passiert

Der Begriff „Headshaking“ klingt zunächst ungewohnt, beschreibt aber ein ernst zu nehmendes Problem: Das Pferd bewegt seinen Kopf plötzlich und unkontrolliert, ohne dass ein klarer Auslöser erkennbar ist. Dahinter steckt häufig eine Störung in der Verarbeitung von Reizen im Kopfbereich.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der sogenannte Trigeminusnerv. Dieser Nerv gehört zu den wichtigsten Nerven im Kopf. Er leitet Reize wie Berührung, Temperatur oder Schmerz aus dem Gesichtsbereich an das Gehirn weiter.1, 2

Bei Pferden mit Headshaking scheint dieser Nerv überempfindlich zu sein. Fachleute sprechen von einer „herabgesetzten Reizschwelle“. Das bedeutet: Schon schwache Reize wie Sonnenlicht, Wind oder eine leichte Berührung an der Nase werden viel stärker wahrgenommen als normal – manchmal sogar wie ein Schmerz. Diese Fehlverarbeitung kann dazu führen, dass das Pferd den Kopf plötzlich und unkontrolliert bewegt.

Was das mit Schmerzen und aktueller Forschung zu tun hat

Auch beim Menschen spielt der Trigeminusnerv eine wichtige Rolle. Er sorgt zum Beispiel dafür, dass wir Berührungen im Gesicht spüren – und ist auch an starken Schmerzen beteiligt, etwa bei Zahnschmerzen oder bestimmten Gesichtsschmerzen.

In der Veterinärmedizin wird derzeit untersucht, was genau im Nervensystem von betroffenen Pferden passiert. Eine Studie aus dem Jahr 2025, veröffentlicht in dem Fachjournal „Equine Veterinary Journal“ hat sich dabei mit einem bestimmten Botenstoff beschäftigt: dem sogenannten Calcitonin Gene-Related Peptide, kurz CGRP. Dieser Stoff hilft dabei, Schmerzsignale im Körper weiterzuleiten.

Bei Pferden mit Headshaking wurden erhöhte CGRP-Werte in der Flüssigkeit gemessen, die Gehirn und Rückenmark umgibt. Das könnte darauf hindeuten, dass Nerven gereizt sind oder entzündliche Prozesse im Nervensystem stattfinden.

Allerdings ist die Bedeutung dieser Ergebnisse noch nicht vollständig geklärt. Denn erhöhte CGRP-Werte wurden auch bei anderen neurologischen Erkrankungen gefunden. Ob dieser Botenstoff künftig bei der Diagnose oder Behandlung helfen kann, ist daher noch Gegenstand weiterer Forschung.

Warum Pferde „headshaken“

Die Ursachen sind vielfältig. Grundsätzlich wird zwischen zwei Formen unterschieden: Beim symptomatischen Headshaking liegt eine erkennbare Grunderkrankung vor.3

Dazu zählen:

  • Zahnerkrankungen
  • Erkrankungen der Nase oder Nasennebenhöhlen
  • Luftsackerkrankungen
  • Augen- oder Ohrenprobleme
  • Erkrankungen des Kiefergelenks oder der Halswirbelsäule

Diese Erkrankungen können den Trigeminusnerv reizen und so die Symptome auslösen.

Beim idiopathischen Headshaking kann keine klare Ursache gefunden werden. In diesen Fällen wird eine allgemeine Funktionsstörung des Nervs angenommen. Warum diese entsteht, ist bislang nicht eindeutig geklärt.

Zusätzlich können äußere Faktoren auch Trigger sein, die das Headshaking auslösen. Dazu gehören Sonnenlicht, Wärme, Wind, Regen oder Insekten. Viele Pferdehalter schildern, dass ihre Tiere vor allem im Frühjahr und Sommer anfangen zu „headshaken“.

Headshaking vom normalen Schütteln unterscheiden

Gelegentliches Kopfschütteln ist bei Pferden normal – etwa, um Insekten zu vertreiben. Beim Headshaking fällt jedoch auf, dass die Bewegungen wiederholt, plötzlich und ohne erkennbaren Auslöser auftreten. Sie wirken oft unkontrolliert und stehen in keinem klaren Zusammenhang mit äußeren Reizen.

Das auffälligste Symptom ist dieses wiederholte, unwillkürliche Kopfschlagen. Die Stärke kann dabei stark variieren – von kaum sichtbar bis so ausgeprägt, dass das Pferd kaum noch kontrollierbar ist. 4

Weitere typische Anzeichen sind:

  • Reiben der Nase
  • vermehrtes Schnauben
  • auffällige Bewegungen von Lippen und Zunge

In schweren Fällen zeigen Pferde deutliche Verhaltensänderungen. Sie bleiben plötzlich stehen, steigen oder laufen rückwärts. Manche Tiere versuchen, den Kopfbereich mit den Vorderbeinen zu erreichen, was zu Verletzungen führen kann.

Die Symptome können in Bewegung auftreten, aber auch in Ruhe. Häufig verstärken sie sich im Verlauf der Zeit oder unter bestimmten Bedingungen. Für Halter ist es wichtig, vermehrt auftretendes Kopfschütteln ernstzunehmen und vor allem die schnellen Verhaltensänderungen dem Tier nicht übelzunehmen.

So stellt der Tierarzt die Diagnose

Für viele Pferdehalter ist die Diagnostik oftmals nervenaufreibend. Zwar ist Headshaking eine ernst zu nehmende Erkrankung, doch trotzdem kann sich die Ursachenforschung trotz aller Mühen in die Länge ziehen. Deshalb ist es wichtig, dass Halter das Headshaking ihrer Pferde dokumentieren. Oft ist es hilfreich, sogar Videomaterial dem Tierarzt vorlegen zu können. Ebenso kann es von Vorteil sein, das Headshaking schriftlich festzuhalten. Hierfür können folgende Fragen Ihnen helfen:

  • Wann tritt das Headshaking auf?
  • Wie lange schon?
  • Ist es abhängig von der Jahreszeit? Etwa vermehrt zu bestimmten Monaten?
  • Gibt es Umweltbedingungen, die einen Einfluss haben könnten? (Wind, Licht, Regen)
  • Gibt es bei verschiedener Ausrüstung eine Veränderung? Etwa bei einem Trensen- oder Gebisswechsel?

Wenn Ihnen das Headshaking beim Pferd vermehrt auffällt, ist es hilfreich, schnell den Tierarzt einzuschalten. Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Befragung zur Vorgeschichte. Dabei wird geklärt, wann und unter welchen Umständen die Symptome auftreten.

Anschließend folgen:

  • eine klinische Untersuchung
  • eine neurologische Untersuchung des Nervensystems
  • Beobachtungen in Ruhe und unter Belastung

Zur weiteren Abklärung können zusätzliche Untersuchungen notwendig sein:

  • Blutuntersuchungen
  • Endoskopien (Spiegelungen) von Atemwegen, Ohren und Maulhöhle
  • Augenuntersuchungen
  • bildgebende Verfahren wie CT, Röntgen oder Ultraschall

Da es keinen direkten Test für die idiopathische Form gibt, erfolgt die Diagnose häufig durch Ausschluss anderer Ursachen.5

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Wird eine Grunderkrankung festgestellt, steht deren Therapie im Vordergrund.

Beim idiopathischen Headshaking stehen verschiedene Ansätze zur Verfügung:

  • Medikamente
  • chirurgische Verfahren
  • Anpassungen im Management, etwa Nasennetze oder Lichtschutzmasken

Ein moderner Ansatz ist die sogenannte PENS-Therapie (perkutane elektrische Nervenstimulation). Dabei wird der betroffene Nerv durch elektrische Impulse stimuliert, um die Reizverarbeitung zu beeinflussen. Die Behandlung erfolgt in mehreren Sitzungen und wird in der Regel gut vertragen. Die Wirkung kann jedoch unterschiedlich sein. Häufig lassen sich die Symptome nur teilweise lindern.

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Kann Headshaking beim Pferd kuriert werden?

Die Prognose hängt stark von der Ursache ab. Wird eine Grunderkrankung erfolgreich behandelt, können die Symptome zurückgehen oder ganz verschwinden.

Beim idiopathischen Headshaking ist die Prognose nicht eindeutig. Die Erkrankung verläuft häufig fortschreitend. In vielen Fällen kommt es zu einer dauerhaften Einschränkung der Nutzbarkeit. Ob und wie gut ein Pferd auf eine Behandlung anspricht, ist entscheidend für den weiteren Verlauf.

Was im Alltag helfen kann

Da die Ursachen oft unklar sind, ist eine gezielte Vorbeugung nur eingeschränkt möglich. Umso wichtiger ist ein angepasstes Management. Dazu gehört:

  • Bekannte Auslöser möglichst reduzieren
  • konsequenter Schutz vor Insekten
  • Einsatz von Nasennetzen oder Lichtschutzmasken
  • individuelle Anpassung von Haltung und Nutzung

Eine frühzeitige tierärztliche Abklärung ist wichtig, um behandelbare Ursachen nicht zu übersehen. Denn hinter dem scheinbar „komischen“ Verhalten steckt oft mehr, als es auf den ersten Blick wirkt. Für das Pferd kann es sehr belastend sein – umso wichtiger ist es, genau hinzusehen und Veränderungen ernst zu nehmen.

Quellen

  1. tiermedizin.thieme.de, „Trigeminus-mediiertes Headshaking“ (aufgerufen am 23.03.2026) ↩︎
  2. vetmed.fu-berlin.de, „PENS Therapie bei Headshaking Patienten“ (aufgerufen am 23.03.2026) ↩︎
  3. tierspital.uzh.ch, „Headshaking“ (aufgerufen am 23.03.2026) ↩︎
  4. pferde-klinik.de, „Headshaking beim Pferd“ (aufgerufen am 23.03.2026) ↩︎
  5. isme.unibe.ch, „Headshaking“ (aufgerufen am 23.03.2026) ↩︎

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