4. November 2025, 15:44 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Ein kurzes Kopfschütteln, während die Katze gemütlich über den Rasen läuft, wirkt meist unauffällig. Doch wenn das Verhalten häufiger auftritt, sollten Katzenhalter aufmerksam werden – denn dahinter können auch ernste Ursachen stecken. Warum ein Blick in die Ohren oft weiterhilft und wann es höchste Zeit für einen Tierarztbesuch ist, wenn die Katze ihren Kopf schüttelt, weiß PETBOOK-Redakteurin und Katzenbesitzerin Louisa Stoeffler aus eigener Erfahrung.
Remo schüttelt den Kopf – doch die Ursache liegt tiefer
Bei meinem Kater Remo begann alles ganz unauffällig: Er schüttelte ab und zu den Kopf – kurz, fast beiläufig, so wie man es von Katzen kennt, wenn ihnen mal etwas ins Ohr gerät. Anfangs habe ich mir dabei nicht viel gedacht. Doch das Verhalten wurde immer häufiger, obwohl ich seine Ohren kontrollierte und vorsichtig reinigte.
Wenn Juckreiz im Ohr zur Belastung wird
Einer der häufigsten Auslöser für Kopfschütteln bei Katzen ist einfacher Juckreiz. Dieser kann durch Schmutz, übermäßiges Ohrenschmalz oder auch Wasser im Ohr entstehen. Ebenso kann ein kleiner Fremdkörper im Gehörgang unangenehm sein. In solchen Fällen genügt oft schon eine professionelle Ohrreinigung durch den Tierarzt, um die Beschwerden zu lindern.
Doch es kann auch ernster sein: Parasiten wie Ohrmilben, Flöhe oder Zecken lösen starken Juckreiz aus, der sich durch Kratzen und Kopfschütteln bemerkbar macht. Ein Blick ins Ohr kann Klarheit verschaffen – Ohrmilben etwa sind meist an einem dunklen Belag erkennbar. Auch Allergien gegen Pollen oder bestimmte Futterbestandteile kommen infrage. Neben Haut- und Ohrproblemen können dabei auch Symptome wie Erbrechen oder Durchfall auftreten.
Wenn Entzündungen oder Verletzungen dahinterstecken
Eine weitere mögliche Ursache sind schmerzhafte Ohrenentzündungen. Diese werden häufig durch Bakterien oder Pilze ausgelöst und äußern sich durch Rötungen, Schwellungen, Berührungsempfindlichkeit und üblen Geruch. Mit einer frühzeitigen Behandlung durch den Tierarzt lassen sich Schmerzen und Komplikationen vermeiden. Neben Entzündungen können auch Insektenstiche oder Verletzungen an den empfindlichen Ohren zu Beschwerden führen.
Ignorieren Katzenhalter das Verhalten über längere Zeit, können weitere Erkrankungen folgen – etwa ein sogenanntes Ohrhämatom. Dabei handelt es sich um einen Bluterguss zwischen Haut und Ohrknorpel, der durch kräftiges Kopfschütteln oder Kratzen verursacht wird. Dabei platzen einzelne Blutgefäße im Ohr der Katze und sorgen für eine sichtbare Schwellung. Diese Form der Verletzung ist schmerzhaft – die Katze hält oft den Kopf schief oder schüttelt ihn ständig. Ein Besuch beim Tierarzt ist in diesem Fall unerlässlich.
Kopfschütteln als Hinweis auf Zahn- oder Kieferschmerzen
Spätestens, als Remo den Kopf sogar beim Fressen schüttelte, war mir klar: Bei ihm steckt noch mehr dahinter. Beim Tierarzt fand sich schließlich die Ursache. Das Kopfschütteln war kein Zeichen von Juckreiz oder Schmutz im Ohr, sondern ein Ausdruck von einem anderen starken Schmerz.
Denn es ist nicht auf den ersten Blick naheliegend, aber ebenso relevant: Auch Zahnerkrankungen oder Kieferprobleme können zu Kopfschütteln führen. Typische Beispiele sind Zahnfleischentzündungen, Parodontitis oder die schmerzhafte Zahnerkrankung FORL.
Begleitsymptome sind dann oft Mundgeruch, Appetitlosigkeit, vermehrter Speichelfluss oder Schmerzen beim Fressen. Aber auch Kieferschmerzen durch tief sitzende Infektionen, Zahnfehlstellungen oder ein Knochentumor (Osteosarkom) können auftreten. Diese Diagnosen kann ein fachkundiger Veterinär mit einer Röntgenaufnahme stellen und behandeln.
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Neurologische Ursachen für Kopfschütteln bei Katzen
Nicht immer steckt eine lokale Ursache im Ohr oder Maul dahinter – auch neurologische Störungen können Kopfschütteln auslösen. Dabei sind meist die Nerven oder das Gleichgewichtsorgan betroffen.
Typisch ist das zum Beispiel bei Erkrankungen des Vestibularsystems, also des Gleichgewichtssinns. Betroffene Katzen zeigen dann neben häufigem Kopfschütteln auch Symptome wie Schiefhalten des Kopfes, unsicheren Gang, Taumeln oder Augenzittern (Nystagmus). Die Ursache kann im Innenohr, im Kleinhirn oder in den Nervenbahnen liegen, die das Gleichgewicht steuern – etwa durch Entzündungen, Infektionen, Verletzungen oder Tumore.
Auch neurologische Entzündungen wie eine Enzephalitis (Gehirnentzündung) oder eine Meningitis (Hirnhautentzündung) kommen infrage. In seltenen Fällen können Epilepsie, Vergiftungen oder traumatische Kopfverletzungen zu unkontrollierten Bewegungen führen, die fälschlicherweise wie Kopfschütteln wirken.
Solche Erkrankungen sind zwar vergleichsweise selten, sollten aber vor allem dann in Betracht gezogen werden, wenn die Katze zusätzlich Orientierungsschwierigkeiten, Schiefhaltung, Krämpfe oder Verhaltensänderungen zeigt. Eine tierärztliche Untersuchung mit neurologischer Abklärung (z. B. Reflexprüfungen, Blutbild, eventuell MRT) ist in solchen Fällen unerlässlich.
Fazit: Beobachten, erkennen, handeln
Grundsätzlich ist gelegentliches Kopfschütteln erstmal kein Anlass zur Sorge. Doch wenn das Verhalten häufiger auftritt oder mit weiteren Symptomen einhergeht, sollten Halter aufmerksam werden. Ein regelmäßiger Blick in Ohren und Maul hilft zusammen mit Beobachtungen zu Verhaltensänderungen, seiner Katze rechtzeitig Hilfe zu besorgen.
Meine Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, auch scheinbar harmloses Kopfschütteln ernst zu nehmen. Denn Katzen sind Meister darin, Beschwerden zu verbergen – und oft steckt hinter kleinen Signalen etwas, das behandelt werden muss. Nach seiner Zahnsanierung hörte Remo binnen einer Woche mit dem Kopfschütteln auf.
