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Nervenschädigung

Wie sich das Horner-Syndrom bei Katzen äußert

Katze zeigt eindeutige Anzeichen des Horner-Syndroms am Auge
Das Horner-Syndrom kann sich bei Katzen vor allem durch verschiedene Symptome an den Augen zeigen Foto: Getty Images / Hibrida13
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

28. August 2025, 17:38 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Ein ungewohntes Erscheinungsbild des Katzenauges kann mehr als nur ein kosmetisches Problem sein – es könnte auf eine ernsthafte Störung des Nervensystems hinweisen. Das sogenannte Horner-Syndrom tritt bei Katzen mit auffälligen Augenveränderungen auf und hat seinen Ursprung häufig in einer Schädigung bestimmter Nervenbahnen. Wie man die Anzeichen erkennt, was hinter der Erkrankung steckt und wie sie behandelt werden kann, erklärt PETBOOK:

Was hinter dem Horner-Syndrom bei Katzen steckt

Beim Horner-Syndrom handelt es sich um einen Symptomenkomplex, der durch eine Schädigung der sympathischen Nervenanteile entsteht. Diese sind Teil des Nervensystems und steuern verschiedene Funktionen.

Das Horner-Syndrom selbst entsteht durch eine Schädigung entlang der sympathischen Nervenbahn, die vom Gehirn über Rückenmark und Hals bis zum Auge führt. Dabei durchlaufen sie unter anderem auch das Mittelohr (Ganglion) und kommen dann schließlich am Auge an. Sind diese Bahnen bei Katzen geschädigt, kann das das Horner-Syndrom auslösen. Das Syndrom selbst gilt als ungefährlich – kritisch können jedoch die Auslöser sein, die hinter der Nervenschädigung stehen.

Grundsätzlich kann jede Katze – unabhängig von Alter oder Herkunft – betroffen sein. Denn die Ursachen für die Nervenschädigung sind vielfältig und nicht auf bestimmte Risikogruppen beschränkt.

Symptome zeigen sich vor allem an den Augen

Typischerweise zeigt sich das Horner-Syndrom durch mehrere Veränderungen am Auge der Katze. Diese können einseitig oder beidseitig auftreten und sind in der Regel deutlich sichtbar:

  • Zurücksinken des Augapfels (Enophthalmus): Durch den Verlust der sympathischen Kontrolle über bestimmte Muskeln zieht sich der Augapfel zurück. Das Auge kann stärker durchblutet und gerötet erscheinen.
  • Verengte Pupille (Miosis): Die betroffene Pupille erscheint deutlich kleiner – besonders auffällig ist das bei Dunkelheit, wenn sich die gesunde Pupille weitet.
  • Herabhängendes Oberlid (Ptosis): Ist der Lidheber-Muskel betroffen, hängt das obere Augenlid teilweise oder vollständig herab.
  • Hervorstehendes drittes Augenlid (Nickhautvorfall): kommt häufig in Verbindung mit einem Zurücksinken des Augapfels vor. Das normalerweise kaum sichtbare dritte Lid ist nun als weißes Band an der Augeninnenseite klar erkennbar.

Das Horner-Syndrom kann sich einseitig, aber auch an beiden Augen der Katze zeigen. Die Symptome selbst verursachen bei Katzen keine Schmerzen. Sollte jedoch zusätzlich eine schmerzhafte Grunderkrankung wie eine Mittelohrentzündung oder ein Trauma vorliegen, kann dies das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen.

Sollte die Katze eines oder mehrere dieser Symptome zeigen, sollte man definitiv einen Tierarzt konsultieren. Denn hinter dem Syndrom können schwerwiegende Erkrankungen stecken, die umgehender Behandlung bedürfen.

Je nach Lokalisation der Nervenschädigung können außerdem weitere Symptome auftreten:

  • Zentrales Horner-Syndrom kann mit Bewusstseinsveränderungen, Gangunsicherheit oder Lähmungserscheinungen einhergehen.
  • Präganglionäres Horner-Syndrom (vor dem Mittelohr) kann Schwäche, Reflexverluste oder Lähmungen an den Vorderbeinen auslösen. Auch der sogenannte Pannikulusreflex – das Zucken der Rückenhaut bei Berührung – kann abgeschwächt sein.
  • Postganglionäres Horner-Syndrom (hinter dem Mittelohr) kann zusätzlich mit Gleichgewichtsstörungen oder Lähmungserscheinungen im Kopfbereich einhergehen. 1

Diese Auslöser können dahinterstecken

Das Horner-Syndrom ist vor allem eine optische Auffälligkeit und kann durch zahlreiche Ursachen entstehen, etwa:

  • Nervenschädigung im Bereich der Vorderbeine (Plexusavulsion)
  • Bandscheibenvorfall im Hals- oder Brustbereich
  • Mittelohrentzündung (Otitis media)
  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Tumore im Brust- oder Kopfbereich
  • Abszesse entlang des Nervenverlaufs
  • Verletzungen an Hals, Kopf oder Brust
  • Idiopathische Form ohne erkennbare Ursache

In manchen Fällen bleibt die Ursache gänzlich unklar – dann spricht man von einer idiopathischen Form, die bei Katzen zwar selten ist, jedoch häufig spontan wieder ausheilt. Ein Zusammenhang mit der FeLV-Infektion wurde dabei ebenfalls beschrieben.

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Wann die Diagnose „Horner-Syndrom“ gestellt wird

Augenheilkundlich erfahrene Tierärzte erkennen das Horner-Syndrom häufig bereits anhand des typischen Erscheinungsbildes. Zur Diagnosesicherung erfolgen jedoch zunächst eine ausführliche Anamnese und eine allgemeine Untersuchung. Zur genaueren Ursachenfindung können unterschiedliche Untersuchungsmethoden notwendig sein:

  • Bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT
  • Liquoruntersuchung (Analyse des Nervenwassers)
  • Otoskopie zur Beurteilung des Mittelohres
  • Anwendung von Phenylephrin-Augentropfen zur Lokalisation der Nervenschädigung

Da das Horner-Syndrom keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom ist, basiert die Therapie auf der Behandlung der zugrunde liegenden Ursache. Bei einer Mittelohrentzündung kommen zum Beispiel entzündungshemmende Mittel und Antibiotika zum Einsatz, bei einem Tumor kann eine Operation oder Strahlentherapie notwendig sein. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion helfen hormonelle Medikamente.

Zur Linderung der Beschwerden können Tierärzte ergänzend spezielle Augentropfen, entzündungshemmende Präparate oder auch bestimmte Vitamine einsetzen, um die Genesung zu unterstützen. 2

Wie gut stehen die Heilungschancen?

Die Prognose hängt stark von der jeweiligen Grunderkrankung ab. Während die idiopathische Form in der Regel gut und schnell ausheilt, ist die Prognose bei zentralen Ursachen, etwa im Gehirn oder oberen Rückenmark, oft ungünstiger.

Bei Infektionen oder Verletzungen stehen die Chancen gut, dass sich das Syndrom zurückbildet. Hat dagegen eine Tumorerkrankung eine dauerhafte Schädigung ausgelöst, ist eine Heilung meist nicht mehr möglich. Eine pauschale Aussage zur Prognose des Horner-Syndroms bei Katzen lässt sich daher nicht treffen.

Da so viele verschiedene Ursachen infrage kommen, ist auch eine gezielte Vorbeugung kaum möglich. Umso wichtiger ist es, auf eine gesunde Haltung und regelmäßige tierärztliche Vorsorge zu achten – so lassen sich mögliche Grunderkrankungen frühzeitig erkennen und behandeln.

Quellen

  1. PetMd.com, „Horner's Syndrome in Cats“ (aufgerufen am 28.8.2025) ↩︎
  2. Vcahospitals.com, „Horner's Syndrome in Cats (aufgerufen am 28.8.2025) ↩︎

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