15. August 2025, 11:09 Uhr | Lesezeit: 10 Minuten
Mit gerade einmal 16 Jahren begegnete Schauspielerin Aysha Joy Samuel im Urlaub dem Hengst, der ihr Leben verändern sollte: Capi. Das Pferd lief ihr direkt von der Weide hinterher – ein Moment, der sofort eine tiefe Verbindung entstehen ließ. Als sie sah, dass er unter harter Behandlung litt, fasste sie einen spontanen Entschluss und kaufte das Tier. Jahre später machte sie Capi zum Filmpferd – bekannt wurde er vor allem durch seine Auftritte in den beliebten „Ostwind“-Filmen.
Als 16-Jährige rettete Aysha Joy Samuel Hengst Capi aus einer schlimmen Haltung
PETBOOK: Wie bist du an Capi gekommen und gibt es eine Geschichte hinter dem Namen?
Aysha Joy Samuel: „Tatsächlich war ich mit 16 in Barcelona im Urlaub, mit ein paar Freunden. Und da habe ich ihn gesehen: Capi – und mich irgendwie sofort in ihn verliebt. Er ist mir direkt von der Weide aus hinterhergelaufen. Ich war da gerade mitten in so einer Tagebuchphase, habe da geschrieben, bin herumspaziert und habe eben mein 16-jähriges Ding gelebt. (lacht) Und es hat mich total fasziniert, dass er mir so nachlief. Dann habe ich gesehen, wie er geritten wurde – und Spanier sind ja oft etwas härter mit Pferden. Es wirkte so, als würde er leiden. Ich habe einfach gefragt, was er kostet. Meine Mutter war verrückt genug, mir das Geld zu schicken – und dann habe ich ihn gekauft.“
Das heißt, du gehst dahin, siehst dieses tolle Pferd, kannst aber noch gar nicht reiten, und kaufst es trotzdem?
„Ja, genau. Ich bin auch nicht sofort geritten. Ich hab’ am Anfang viel Freiarbeit mit ihm gemacht, weil ich noch keine Ahnung vom Reiten hatte – und weil er Satteldruck hatte. Er war zu früh angeritten worden, das war stressig für ihn. Ich musste ihn erstmal wieder ans Gebiss gewöhnen. Deshalb habe ich entschieden, ihn nicht direkt zu reiten, sondern eher mit ihm zu ‚spielen‘, wie man mit einem Hund spielt. Das hat gut funktioniert. Er war sehr menschenbezogen, ist mir nachgelaufen, hat ständig gefragt, was ich als Nächstes will. Und den Namen Capi hatte er schon. Ich habe ihn nicht umbenannt.“
Okay, dann ist Capi nicht nach dem Rapper „Capital Bra“ benannt? (lacht)
„Nee, gar nicht. Er heißt eigentlich ‚Captain Bravio‘, aber ich nenne ihn Capi, weil ich jetzt nicht sagen will: ‚Captain Bravio, komm her!‘ (lacht)“
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„Das wäre etwas lebensmüde gewesen!“
Und du hast dann mit 16 Reiten gelernt, während du schon ein eigenes Pferd hattest – das ist ja eher ungewöhnlich, oder?
„Ja, Reiten habe ich eher mit 17 gelernt. Das erste Jahr habe ich nur mit ihm gespielt. Dann habe ich langsam Reiten gelernt, ihn in Beritt gegeben, unter anderem mit einem Pat, weil das für den Bauch angenehmer ist. Reiten gelernt habe ich zuerst auf anderen Pferden – Capi war damals ein dreieinhalbjähriger Hengst, da wäre es etwas lebensmüde gewesen, als Anfängerin direkt auf ihn zu steigen.“
Du hast vorher schon gesagt, er hatte ein schlimmes Schicksal. Gibt es noch Spätfolgen?
„Er mag es nicht, im Gesicht angefasst zu werden – weil er ins Gesicht geschlagen wurde, wenn etwas nicht funktioniert hat. Er hatte einen Kapzaum mit Zacken nach innen – das machen viele, damit das Pferd besser ‚hört‘ und sich biegt. Und das Gebiss – er knatscht sehr viel, deshalb reite ich ihn mit Halsring oder maximal mit Kapzaum. Alles, was ihn vorne ‚einzäunt‘, stresst ihn.“
Du hast vorhin Freiheitsdressur erwähnt – wie würdest du das jemandem wie mir erklären, der keine Ahnung davon hat?
„Freiheitsdressur ist ein Spiel mit dem Pferd – auf Vertrauensbasis. Ich habe mit Capi sehr viel Vertrauensarbeit gemacht, wegen seiner Vergangenheit. Dabei arbeite ich viel mit Stimme, auch mit einer Gerte, aber als verlängerter Arm – nicht zum Treiben. Ich frage ihn: ‚Kannst du vielleicht zu mir kommen?‘ statt ihn zu pushen.“
„Dass er in so einer Lage bei mir blieb, war für mich der ultimative Vertrauensbeweis“
Also, wäre das stark vereinfacht das Äquivalent von Montessori oder Waldorf in der Kindererziehung?
„Montessori passt gut, ja. Ich war selbst auf einer Montessorischule. Klar, viele belächeln das. Man gilt dann schnell als Hippie oder Freak, weil man nicht jeden Tag ‚klassisch‘ mit dem Pferd arbeitet. Ich höre ihm zu, beobachte, wie es ihm geht, und finde dann mit ihm gemeinsam einen Weg. ‚Pferdeflüsterer‘ trifft es nicht ganz – eher ‚Pferde-Zuhörer‘.“
Das Liegen ist bei Pferden ja ein echter Vertrauensbeweis – gerade vor dem Hintergrund, was ihm passiert ist. Kannst du dich noch an den Moment erinnern, als er das erste Mal wirklich liegen geblieben ist und du zu ihm konntest?
„Ja, total. Das hat sehr lange gedauert – ich habe bestimmt drei Jahre daran gearbeitet, dass er sich überhaupt hinlegt, wenn ich da bin. Als er dann zum ersten Mal entschieden hat: ‚Okay, ich bleibe jetzt wirklich neben dir liegen und lasse dich um mich herumlaufen‘, das war einfach magisch. Für ein Pferd ist Liegen ein Moment völliger Angreifbarkeit – in der Natur könnte es in dieser Position von einem Raubtier, wie ich immer spaßhaft sage, einem ‚Säbelzahntiger‘, attackiert werden. Dass er in so einer Lage bei mir blieb, war für mich der ultimative Vertrauensbeweis.“
Du hattest ja auch einen schweren Unfall mit ihm gehabt und bist sogar im Krankenhaus gelandet. Was ist da genau passiert?
„Wir waren auf dem Feld und sind galoppiert. Da war eine Kuhle, Capi ist ausgerutscht, wir sind beide gestürzt, und er ist auf mich draufgefallen. Danach war ich bewusstlos. Er ist weggelaufen, wusste nicht wohin. Man hat mich nur gefunden, weil mein Hund neben mir saß und seine Ohrenspitzen aus dem Feld herausragten. Danach musste ich für mich selbst daran arbeiten, wieder zu vertrauen und aufs Pferd zu steigen. Es kann eben auch aus Versehen passieren – das war ja nicht seine Schuld.
Nach einem schlimmen Unfall musste Aysha Joy Samuel erst wieder Vertrauen fassen
Ich habe danach noch mehr mit Freiheitsdressur und Entspannungsarbeit gemacht. An dem Tag war ich zum ersten Mal ausgeritten und dachte: ‚Geil, jetzt galoppiere ich mal wie verrückt durch die Gegend‘ – aber so einfach geht das natürlich nicht.“
Wie ist Capi eigentlich in die „Ostwind“-Film Reihe gekommen?
„Ich habe schon immer viel Freiarbeit mit ihm gemacht. Durch sein Aussehen und sein Verhalten wurde ich angefragt – tatsächlich hatte meine Mutter damals ohne mein Wissen ein Video von uns zu den Filmpferden geschickt. Darin hatte sie gefilmt, wie ich mit ihm arbeite. Kurz darauf kam die Anfrage: ‚Wir brauchen genau so ein Pferd – hättest du Interesse?‘ Sie sind dann extra zu mir nach Solingen gefahren, wir haben uns kennengelernt, und eins kam zum anderen.“
Und dann konnte er direkt am Set eingesetzt werden?
„Ja, aber wir hatten insgesamt fünf verschiedene Pferde für den Film. Kein Pferd musste alles drehen – das wäre viel zu viel. Für Laien sehen sie alle ähnlich aus, aber Pferdeleute erkennen die Unterschiede. Ich wollte damals nicht, dass Capi geritten wird, weil er noch relativ frisch bei mir war und wir gerade erst Vertrauen aufgebaut hatten und ich dieses nicht missbrauchen wollte. Also habe ich vorgeschlagen, dass er für Bodenarbeit eingesetzt wird – Dinge wie Hinlegen, Steigen oder durchs Bild rennen. Das habe ich mit ihm trainiert, und es hat sehr gut funktioniert.“
„Capi sucht den Kontakt, möchte immer nah beim Menschen sein“
Wie viele der fünf Pferde waren gleichzeitig im Einsatz?
„Alle fünf. Zwei davon wurden hauptsächlich für Reitszenen genutzt, da die Hauptrolle gewachsen ist und größere Pferde benötigt wurden. Capi war zu klein für diese Szenen, aber perfekt für seine speziellen Aufgaben. Jedes Pferd hatte dabei eigene Tricks und brachte ein individuelles Talent vor die Kamera – so konnten wir für jede Szene genau das passende Pferd einsetzen.“
Und warum, glaubst du, hat gerade er so viel Aufmerksamkeit bekommen?
„Wegen seines Charakters. Er sucht den Kontakt, möchte immer nah beim Menschen sein und gibt unglaublich viel. Gerade wenn ich als Schauspielerin viel unterwegs bin und gestresst bin, gehe ich zu ihm – und er bringt sofort Ruhe in meinen Tag. Er hat so eine Art ‚Zen-Vibe‘, der total ansteckend ist.“
Wie bereitest du Capi auf Drehs vor?
„Es kommt immer ganz auf die Szene an. Für ein Kontra-K-Musikvideo habe ich z. B. mit Feuer trainiert – ich mache selbst Feuerartistik. Wir sind mit Feuer in der Hand umhergelaufen, damit er sich an die Geräusche und Lichter gewöhnt. Irgendwann dachte er nur noch: ‚Egal, du bist da, ich vertraue dir.‘ Das hat dann alles super funktioniert und das Video ist auch schön geworden. “
Ihr dreht ja auch international. Wird Capi dann extra für Drehs eingeflogen?
„Hollywood fragt zwar manchmal an, aber die Produktionen drehen dann hier in Brandenburg, Prag oder Tschechien. Ihn nach L. A. zu fliegen, käme für mich nicht infrage – das wäre für ihn viel zu stressig. Seit ‚Ostwind‘ hat er ohnehin nur noch in Berlin und Umgebung gedreht, da weite Reisen zu stressig für ihn sind.“
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Promis wie Jella Haase und Twenty4Tim haben schon mit Capi trainiert
Apropos Hollywood: Gab es prominente Begegnungen?
„Jella Haase hat schon mit Capi trainiert – organisiert wurde das von meiner Chefin Friederike Wendt, die für viele Filmproduktionen mit namhaften Schauspielern arbeitet. Auch Twenty4Tim hat bereits mit Capi gearbeitet. Es war außerdem einmal im Gespräch, dass Capi für ‚John Wick 4‘ mit Keanu Reeves eingesetzt werden könnte. Am Ende wurde aber ein anderes Pferd genommen, da Capi zu der Zeit noch zu unsicher unterm Sattel war und ein sichereres Pferd benötigt wurde.“
Wie läuft das eigentlich ab beim Film, wenn die Schauspieler, die mit Capi drehen, auf ihn treffen? Gibt es da eine Art Vorbereitung?
„Je nachdem, wie viel Kontakt die Schauspieler mit dem Pferd haben, gibt es ein kurzes Kennenlernen oder mehrere Trainingstage. Galoppieren dürfen Schauspieler aus Sicherheitsgründen nicht – dafür gibt es Stunt-Doubles.“
„Capi ist ein Star – und er weiß es“
Du hast mal in einem Interview gesagt, dass Capi ein richtiges Kameragesicht hat …
„Ja, er ist echt selbstverliebt. (lacht) An Spiegeln bleibt er stehen und bewundert sich. Wenn eine Kamera auf ihn gerichtet ist, dreht er seinen Hals nach links, zeigt seine Schokoladenseite und schaut stolz. Er liebt die Aufmerksamkeit. Capi ist ein Star – und er weiß es. Er ist allgemein vom Wesen sanft, vorsichtig, beschützend. Er würde mich nie anrempeln. Wenn er merkt, dass etwas mir unangenehm ist, zieht er sich sofort zurück.“
Was war deine bisherige Lieblingsszene von Capi?
„Bei ‚Ostwind – Der große Orkan‘ stand er in einer Szene im Busch, während wir ein Gewitter inszeniert haben – mit riesigen Windmaschinen und Blättern, die durch die Luft flogen und ihm teilweise sogar ins Gesicht. Er war anfangs wirklich nervös, aber weil ich ihn aus der Ferne beruhigt habe, hat er mir so sehr vertraut, dass er frei an Ort und Stelle stehen geblieben ist.“
