11. Dezember 2025, 6:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Seit über 50 Jahren verzaubert „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ jedes Jahr zur Weihnachtszeit Millionen von Zuschauerinnen und Zuschauern. Doch neben Prinz, Eule und Ballkleid spielt ein weiterer heimlicher Star eine große Rolle: Nikolaus, der legendäre Schimmel. Was viele nicht wissen – hinter dem berühmten Filmpferd stecken eine bewegte Geschichte und gleich zwei Darsteller.
Ein Winterklassiker, der Generationen berührt
Drei Haselnüsse für Aschenbrödel zu schauen, ist für viele Menschen ein festes weihnachtliches Ritual. Der 1973 produzierte deutsch-tschechoslowakische Märchenfilm wurde schnell zu einem Dauerbrenner im DDR-Fernsehen. Spätestens seit den 1990er-Jahren gilt er als gesamteuropäischer Kultfilm, der heute in mehreren Ländern fest zum Weihnachtsprogramm gehört.
Der Film steckt voller ikonischer Momente: das erste Aufeinandertreffen zwischen dem Prinzen und Aschenbrödel, die unvergessliche Titelmusik, die weise Eule und natürlich der Ball. Doch es gibt noch etwas, das diesen Winterklassiker so besonders macht. Nikolaus, der Schimmel, der mit Aschenbrödel über Stock und Stein zum Schloss galoppiert. Das Pferd ist mittlerweile genauso berühmt, wie seine Reiterin. Doch wer hat ihn eigentlich gespielt und wenn ja, wie viele? 1
Kalif und Ibrahim – die Pferde von Aschenbrödel
Nikolaus wurde von zwei Pferden gespielt: dem tschechischen Schimmel Ibrahim und dem Pferd Kalif. Warum zwei Pferde für den Dreh nötig waren, ist ziemlich einfach erklärt. Das tschechische Pferd Ibrahim musste in Tschechien bleiben und durfte nicht zu den Dreharbeiten zum Schloss Moritzburg transportiert werden. Dafür übernahm er die winterlichen Szenen in den tschechischen Wäldern.
Über Ibrahim ist leider nicht viel bekannt, dafür, über Kalif umso mehr: Kalif war ursprünglich ein talentiertes Filmpferd, das viele Jahre im DDR-Staatszirkus Busch beeindruckte. Dort sprang er durch brennende Feuerreifen und meisterte anspruchsvolle Kunststücke. Seine Herkunft lag vermutlich in Israel – wie er schließlich in die DDR gelangte, verliert sich jedoch in den Wirren der Zeit. Nachdem er an Stuntmänner verkauft worden war, blieb er während der Dreharbeiten zu „Die Söhne der großen Bärin“ zurück. Die DEFA nahm sich der zurückgelassenen Pferde an und brachte Kalif nach Potsdam-Babelsberg.2
Umstrittene Methoden am Filmset
In der Reitsportgemeinschaft der DEFA fand Kalif schließlich ein neues Zuhause. Dort wurde er sowohl als Schul- und Voltigierpferd eingesetzt als auch für verschiedene Filmproduktionen vor die Kamera geholt. Obwohl Kalif ein erfahrenes Filmpferd war, kamen bei Drei Haselnüsse für Aschenbrödel gelegentlich Methoden zum Einsatz, die aus heutiger Sicht kritisch zu betrachten sind. So wurde für ein zustimmendes Nicken ein sanfter Druck oder ein Zwicken in seine Seite genutzt. Für eine andere Szene versteckte sich ein Wärter unter seinem Bauch und lockte ihn mit einer Möhre. So sollte Kalif Aschenbrödel den Kopf zudrehen. Heutzutage würde man das anderweitig Pferden antrainieren.
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Aschenbrödel und Nikolaus hatten nicht nur im Film eine tiefe Bindung
Wenn in Filmen mit Pferden gearbeitet wird, dann sind Stuntdoubles oft nicht weit. Denn bei vielen Filmen ist es keine Voraussetzung, dass sich die Schauspieler in jeder Situation wacker im Sattel halten können. Dementsprechend werden schwierige Reitszenen oft von Profis gespielt. Bei „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ war es anders. Die Schauspielerin von Aschenbrödel Libuše Šafránková kannte sich mit Pferden aus und konnte viele Szenen selbst spielen. Vor allem mit Kalif konnte sie eine gute Bindung aufbauen und Vertrauen schaffen. Trotzdem wurde in manchen Szenen doch eine professionelle Reiterin eingesetzt – hauptsächlich in schnellen Galoppszenen.
Wie Fischmehl die Dreharbeiten rettete
Viele Zuschauer haben das Bild vor Augen: Aschenbrödel galoppiert auf ihrem Nikolas die Anhöhe zum Schloss hinauf. Sie trägt einen rosafarbenen Mantel. Darunter verbirgt sich ihr ikonisches Ballkleid. Die Kulisse ist besonders zauberhaft: Das Märchenschloss liegt tief im Schnee. Und das Beste daran ist, Fans können dieses Schloss sogar besuchen. In der Nähe von Dresden steht Schloss Moritzburg. Jedes Jahr findet dort die Aschenputtel-Ausstellung statt, wie Travelbook in dem Artikel „Die Drehorte aus dem Kult-Weihnachtsfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ verrät. Was allerdings fehlt, ist der traumhafte Schnee aus dem Film. Selbst zu den Dreharbeiten 1972/73 lag unerwartet sehr wenig echter Schnee.
Die Filmcrew benötigte für den winterlichen Charme eine Schnee-Alternative. Diese wurde aus Fischmehl hergestellt. Sie funktionierte für die Kamera, roch aber sehr unangenehm. In den Wäldern und auf den Feldern hatten sie mehr Glück. Dort konnten Szenen in echter Winterlandschaft gedreht werden. Doch etwas weniger märchenhaft, als man vielleicht denkt.3