23. Dezember 2025, 13:16 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Das Bild von Kaiserin Elisabeth ist bis heute von Filmromantik und Hofglanz geprägt. Doch fernab der Wiener Hofburg suchte die Monarchin nach einem Ort jenseits von Pflicht und Protokoll. Eine besondere Rolle spielte dabei etwas, das für sie weit mehr war als höfischer Zeitvertreib – und das ihr einen seltenen Moment von Freiheit versprach.
Zwischen Krone und Sehnsucht: Wer war Kaiserin Elisabeth wirklich?
Langes Haar und unendliche Schönheit – oft wird das mit der Kaiserin Elisabeth von Österreich verbunden. Am 24. Dezember 1837 wurde die künftige Monarchin in München als Tochter von Herzog Max in Bayern und Herzogin Ludovika von Bayern geboren. Im Gegensatz zu anderen Adligen führte Herzog Max ein eher unkonventionelles Leben. Sisi verbrachte ihre Kindheit im Palais ihres Vaters oder in den Sommermonaten im Schloss Possenhofen.
Mit gerade einmal 15 Jahren wurde sie mit ihrem Cousin, dem Thronfolger Franz Joseph I., verlobt. Im Alter von 16 Jahren, am 24. April 1854, heirateten die beiden im pompösen und glamourösen Stil – die Festivitäten gingen eine Woche lang.
Doch wer denkt, dass es eine romantische Hochzeit war, der irrt sich. Anders als in den meisten Filmen dargestellt, wurde Elisabeth (Spitzname Sisi) immer unglücklicher. Sie sehnte sich in die Ferne, weit weg von dem strengen Hofzeremoniell. Fernab von der Wiener Hofburg reiste sie oft unter Decknamen wie „Gräfin von Hohenembs“ durch die Welt. Und wenn sie das nicht tat, suchte sie ihr Glück auf den Rücken der Pferde. 1
Fun Fact: Sisi oder Sissi? Die echte Sisi wird mit einem „s“ geschrieben, nach dem Spitznamen ihrer Eltern. Die Sissi mit dem doppelten „s“ ist aus der berühmten Film-Trilogie mit Romy Schneider.
Wespentaille, Kalbsfleisch im Gesicht und exzessive Spaziergänge
Wenn man Sisi beschreiben müsste, würden viele ihre Wespentaille erwähnen. Auch eher fragwürdige Wellness-Behandlungen wie Kalbfleisch-Masken soll es gegeben haben. Die Kaiserin legte außerdem enorm viel Wert auf ihr ausführliches Sportprogramm. Für ihre Übungen hatte sie sogar im Schloss Schönbrunn einen Raum mit Sportgeräten – vielleicht eines der ersten Heim-Fitnessstudios.
Neben ihren Fitnessübungen an der Sprossenwand spazierte sie schnellen Schrittes durch die weiten Wege der Parkanlage. Einigen Berichten zufolge lief sie so schnell, dass ihre Dienerinnen nicht schnell genug hinterherkamen und regelrecht eingesammelt werden mussten. Allerdings spazierte Sisi nicht einfach nur schnell, sondern auch lange. Bis zu acht Stunden soll sie den Schlossgarten pro Tag durchstreift haben. 2
Schon als Kind im Bann der Pferde
„Sissi! Spring über die Rosen!“ Wer kennt dieses Zitat? Es stammt aus einer der bekanntesten Verfilmungen von Sisis Leben. Romy Schneider in der Hauptrolle springt mit einem Pferd über ein Rosenbeet – und das im Damensattel. Ob die echte Sisi auch über Rosen gesprungen ist, ist fragwürdig. Sicher ist, dass Sisi auf jeden Fall sattelfest war. Seit ihren Kindheitstagen soll sie Pferde gemocht haben.
Ihre Leidenschaft für die Tiere schaffte es sogar bis in ihre Privatgemächer. Neben der klassischen Einrichtung hatte die Kaiserin auf ihrem Schreibtisch einen eher ungewöhnlichen Briefbeschwerer: einen Pferdehuf.3
Seitlich, aber kompromisslos: Reiten im Damensattel
Auch im Damensattel zeigte Kaiserin Elisabeth außergewöhnliches Können. Wie es für Frauen ihrer Zeit üblich war, ritt sie seitlich sitzend, doch das hielt sie nicht von anspruchsvollen Ritten ab. Bereits als Jugendliche wurde sie im Damensattel porträtiert, später meisterte sie damit schnelle Galopps, schwierige Pferde und sogar Sprünge. Für Elisabeth war der Damensattel kein Hindernis, sondern eine weitere Herausforderung. Ihr sicherer Sitz, ihre Körperkontrolle und ihr Mut machten sie auch in dieser Reitweise zu einer herausragenden Reiterin.4
Mit 30 Jahren zur Leistungssportlerin
Um ihr 30. Lebensjahr herum wurde das Reiten für Kaiserin Elisabeth mehr als nur ein Zeitvertreib. In einer Phase, in der sie sich vom höfischen Leben zunehmend eingeengt fühlte, fand sie im Sattel Halt und Freiheit. Sie ritt täglich mehrere Stunden, trainierte intensiv und stellte hohe Ansprüche an sich selbst. Schwierige Pferde, hohe Sprünge und schnelle Ritte gehörten zu ihrem Alltag. Elisabeth wollte ihre körperlichen Grenzen ausloten und ihren Mut beweisen. Dabei ging es ihr nicht um Auftritte oder Bewunderung, sondern um Leistung und Selbstkontrolle. Das konsequente Training und ihr Ehrgeiz machten sie zu einer außergewöhnlichen Reiterin, die schon zu Lebzeiten als eine der besten Europas galt.
Parforce-Jagd, der Reitsport des Adels
Die Parforce-Jagd, an der Kaiserin Elisabeth zeitweise teilnahm, gilt als eine der spektakulärsten, aber auch umstrittensten Jagdformen der europäischen Adelsgeschichte. Ursprünglich aus Frankreich stammend, war sie dem Hochadel vorbehalten und folgte einem klaren Prinzip par force – „mit Gewalt“. Dabei wurde lebendes Wild über viele Kilometer von großen Hundemeuten gehetzt, bis es völlig erschöpft zusammenbrach. Der enorme Aufwand machte diese Jagdform zu einem Statussymbol des Adels.
Hunderte Jagdpferde und teils bis zu 400 Hunde waren nötig, was nur wenige Höfe finanzieren konnten. Im 19. Jahrhundert geriet die Parforce-Jagd zunehmend in die Kritik. In Deutschland ist sie seit 1934 verboten. Heute wird diese Form der Jagd vor allem aus tierschutzrechtlicher Sicht kritisch bewertet. 5
Auch die Kaiserin fiel mal vom Pferd
Kaiserin Elisabeth jedoch zeigte großes Interesse an allen Facetten des Reitsports: Neben Parforce-Jagden ließ sie sich sogar im Zirkusreiten ausbilden. Rund 30 Pferde gehörten zu ihrem persönlichen Stallbestand, ihre Leidenschaft nahm beinahe kultische Züge an – in einer eigens eingerichteten Reitkapelle sammelte sie Porträts ihrer Lieblingspferde.
Trotz ihres außergewöhnlichen Könnens blieb auch sie nicht von Unfällen verschont: Nach einem schweren Sturz bei einem Ausritt in der Normandie erlitt sie eine Gehirnerschütterung, zeigte sich davon jedoch unbeeindruckt und betonte in einem Brief an Kaiser Franz Joseph, sie habe „wegen eines solchen Rumplers nicht das Herz verloren“.
Mit Ende 30 hörte Sisi auf zu reiten. Grund hierfür waren einerseits gesundheitliche Probleme, aber auch mentale. Ihre Liebe für die Tiere blieb bis zu ihrem tragischen Tod aber erhalten.