5. Mai 2026, 11:01 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Zur Fußball-WM bringt Adidas Trikots für Hunde auf den Markt und sorgt damit für Diskussionen. Für viele wirken die Outfits harmlos, schließlich handelt es sich nicht um Kostüme, sondern um klassische Hundekleidung. PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider sieht den Trend jedoch kritisch: Gerade im Sommer und ohne funktionalen Nutzen können Trikots für Vierbeiner problematisch werden. Warum sie Hunde im Trikot für ein No-Go hält, welche Risiken vor allem bei dichtem Fell bestehen und was die Kampagne grundsätzlich über unser Verhältnis zu Haustieren aussagt, ist ihre klare Meinung.
Warum überhaupt?
Zunächst ein kurzer Disclaimer: Nein, ein Trikot ist kein Kostüm. Es geht mir hier nicht um Flügel, Hüte oder andere Accessoires, die Hunde massiv in ihrer Bewegung einschränken. Rein objektiv handelt es sich erst einmal um klassische Hundekleidung – vergleichbar mit Mänteln oder Jacken, die viele Tiere im Alltag tragen. Und: Auf den Werbebildern ist auch nicht erkennbar, dass die Hunde in ihrer Bewegung beeinträchtigt sind.
Trotzdem bleibt für mich die zentrale Frage: warum überhaupt?
Kleidung nur, wenn sie dem Hund nützt
Hundekleidung kann sinnvoll sein – keine Frage. Kurzhaarige oder kranke Tiere profitieren von Schutz vor Kälte, Regen oder intensiver Sonne. In solchen Fällen ist es gerechtfertigt, den Hund behutsam an Kleidung zu gewöhnen, auch wenn er sie vielleicht nicht von Anfang an toll findet.
Ein Fußballtrikot erfüllt jedoch keinen funktionalen Zweck. Es ist reine Mode. Und genau hier beginnt das Problem: Es verleitet dazu, Hunde aus rein ästhetischen Gründen anzuziehen – unabhängig davon, ob sie sich damit wohlfühlen.
Selbst wenn ein Hund Kleidung toleriert oder daran gewöhnt ist, bleibt der Kontext entscheidend. Die WM findet im Sommer statt, also zu einer Zeit, in der Hitze ohnehin ein Thema ist. Zusätzliche Kleidung kann dann schnell zur Belastung werden.
Besonders riskant für Hunde mit langem Fell
Was viele nicht wissen: Gerade langhaarige Hunde sind besonders empfindlich gegenüber zusätzlicher Kleidung. Viele von ihnen besitzen ein sogenanntes Doppelfell – bestehend aus Deckhaar und dichter Unterwolle. Dieses Fell hat eine wichtige Funktion: Es isoliert nicht nur gegen Kälte, sondern auch gegen Hitze.
Damit dieser natürliche „Klimaschutz“ funktioniert, braucht es Luftzirkulation. Wird das Fell durch enganliegende Kleidung wie ein Trikot zusammengedrückt, kann dieser Effekt gestört werden. Die Folge: Hitze staut sich.
Besonders kritisch: Ein Doppelfell haben nicht nur offensichtlich langhaarige Rassen. Auch bei Hunden, bei denen man es nicht sofort vermutet, ist diese Fellstruktur verbreitet. Das Risiko wird also oft unterschätzt.
Mehr als nur ein Hitzethema
Hitzestau ist das drastischste Szenario – aber nicht das einzige Problem. Viele Hunde fühlen sich in Kleidung schlicht unwohl. Sie bewegen sich anders, kommunizieren anders oder wirken unsicher, weil ihnen das Tragen fremd ist.
Warum sollte man ein solches Risiko eingehen? Für ein reines Modeaccessoire?
Auch Zwergspitze gelten mittlerweile als Qualzucht
Fairerweise muss man sagen: Die Hunde in der Adidas-Kampagne zeigen keine offensichtlichen Stresssignale. Das überrascht nicht – wahrscheinlich handelt es sich um Tiere, die an Shootings gewöhnt sind und mit Kleidung kein Problem haben.
Positiv hervorzuheben ist auch, dass Adidas auf klassische Qualzuchten wie Möpse oder Französische Bulldoggen verzichtet hat, die sonst häufig in Werbung auftauchen.
Allerdings ist unter den Hunden auch ein Zwergspitz zu sehen, der sehr klein wirkt. Diese Rasse wird ebenfalls zunehmend kritisch gesehen. Hauptgrund ist die sogenannten „Chiari-ähnliche Malformation (CLM)“. Hierbei handelt es sich um eine angeborene Schädelfehlbildung, bei der Teile des Kleinhirns in Richtung Rückenmark gedrückt werden. Dies kann zu Schmerzen und Taubheit führen. Studien zufolge sind mittlerweile über die Hälfte aller Zwergspitze davon betroffen.1
Hunde sind keine Fanartikel
Was mich an der Kampagne am meisten stört, ist die Botschaft dahinter. Denn machen wir uns nichts vor: Diese Produkte sind nicht für Hunde gemacht. Sie sind für Menschen gemacht.
Ein Hund hat keinen Mehrwert davon, ein Trikot zu tragen. Für uns Menschen dagegen wird er damit zum Teil einer Inszenierung – zum Fanartikel.
Genau das halte ich für schwierig. Hunde sind Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, keine Accessoires, die man passend zum Fußballabend stylt. Gerade ein großer Konzern sollte sich fragen, welches Bild von Tierhaltung er vermitteln möchte.
Warum redet keiner über die Tierquälerei von Kate Beckinsale?
„Haustiere in Kostüme zu stecken sollte verboten werden!“
Warum nicht Fanartikel, die auch Hunden zugutekommen?
Dabei gäbe es genug sinnvolle Alternativen. Warum nicht Fanartikel entwickeln, die auch dem Hund zugutekommen? Hochwertige Halsbänder, gut durchdachtes Spielzeug, robuste Bälle oder gemütliche Decken im Vereinslook – all das wäre möglich.
So könnten Halter ihre Begeisterung zeigen, ohne das Tier in eine unnatürliche Rolle zu drängen.
Fazit: Hunde brauchen keine Trikots
WM-Trikots für Hunde mögen auf den ersten Blick harmlos erscheinen. Doch sie fördern eine Entwicklung, die man kritisch sehen sollte: die zunehmende Vermenschlichung von Haustieren und ihre Inszenierung als Accessoire.
Gerade im Sommer, bei hohen Temperaturen, ist zusätzliche Kleidung für Hunde schlicht unnötig und im Zweifel sogar gefährlich.
Oder anders gesagt: Wer seinem Hund wirklich etwas Gutes tun will, lässt das Trikot lieber im Schrank.