20. April 2026, 10:42 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die Nosferatu-Spinne, die eigentlich im Mittelmeerraum zu Hause ist, breitet sich in Deutschland immer weiter aus. Seit mittlerweile 20 Jahren finden sich Exemplare im Süden der Republik, doch mittlerweile wurde sie auch in Norddeutschland gesichtet. Doch wie giftig ist das Spinnentier wirklich? Muss ich mich und meine Haustiere vor Bissen schützen? PETBOOK hat bei Experten nachgefragt.
Was hat es mit der Spinne auf sich?
Die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) – oder auch Kräuseljagdspinne – breitet sich immer weiter aus. 2005 wurde sie erstmals im südlichen Raum Deutschlands nachgewiesen. Mittlerweile gibt es auch Sichtungen in nördlicher gelegenen Bundesländern, wie Berlin oder Niedersachsen.
Die Art habe sich entlang des Rheins, der Nebenflüsse und in den vergangenen Jahren auch über andere Verkehrswege in Deutschland verbreitet, sagte Hubert Höfer, stellvertretender Vorstand der Arachnologischen Gesellschaft, die sich unter anderem mit Spinnentieren in Mitteleuropa befasst, gegenüber der dpa. 1
Die ursprünglich nicht in Deutschland beheimatete Spinnenart hat neben der lateinischen Bezeichnung tatsächlich noch keinen offiziellen Namen. Sie wurde nach dem 1922 erschienenen Stummfilm „Nosferatu“ benannt, den man mit viel Fantasie in der Rückenzeichnung des Tieres erkennen soll. Der Stummfilm und auch die 2024 erschienene moderne Fassung beruhen lose auf dem Vampir-Roman „Dracula“ von Bram Stoker. Somit ist der Grusel durch die Nosferatu-Spinne bereits vorprogrammiert.
Wie man die Nosferatu-Spinne erkennt
Doch ist die Spinne mit dem Gruselfaktor wirklich gefährlich für Mensch und Tier? Rein körperlich ist das Tier nicht größer als die hiesige Hauswinkelspinne, nur der Körper ist etwas massiger und etwa zwei Zentimeter lang. Die Beinspannweite wird mit bis zu fünf Zentimetern angegeben.
Die Nosferatu-Spinne gehört zu den Webspinnen. Statt jedoch im gesponnenen Netz ruhig auf ihre Opfer zu warten, geht sie lieber selbst auf die Jagd. Gerade in der Nacht ist die Spinne sehr aktiv. „Sie lauert auf Beute und zieht vorbeikommende Insekten mit den Vorderbeinen blitzschnell zu den Giftzähnen“, erklärt Sönke Hofmann, Geschäftsführer des NABU Bremen.
Kokons webt die Nosferatu-Spinne jedoch auch. Dies tut sie mit Vorliebe, um ihren Nachwuchs darin aufzuziehen. Spannend: Aufgrund ihrer Hafthaare kann die Nosferatu-Spinne auch an senkrechten Glasscheiben laufen und gelangt so in Häuser und Wohnungen. 2 Wie man sie dort schonend vertreiben kann, haben unsere Kollegen von myHOMEBOOK für Sie zusammengestellt.
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Ist die Spinne giftig für den Menschen?
Julian Heiermann, Teamleiter für Naturschutz- und Umweltinformationen beim NABU, gibt PETBOOK auf die Frage, wie gefährlich die Nosferatu-Spinne wirklich ist, eine eindeutige Antwort. „Nach unserem aktuellen Kenntnisstand ist der Biss nicht gefährlicher als der Stich einer Honigbiene oder Wespe. Zwar ist die Spinne kräftig genug, um unsere Haut an dünneren Stellen mit ihrem Beißwerkzeug zu durchdringen, doch das Spinnengift ist ähnlich und nicht schmerzhafter als ein Bienen- oder Wespenstich. Möglich wären in diesem Zusammenhang jedoch allergische Reaktionen. Die Spinne greift den Menschen auch nicht aktiv an, sondern kann sich mit Bissen wehren, wenn diese in die Hand genommen wird oder man zum Beispiel in das Tier unbeabsichtigt hineingreift.“
Auf die Frage, wie sich die Spinne in Deutschland verbreiten konnte, sagte Heiermann PETBOOK Folgendes: „Die Nosferatu-Spinne wurde offensichtlich durch reisende Menschen oder den globalen Warentransport nach Deutschland eingeschleppt. Es handelt sich um eine wärmeliebende Spinnenart, die in ihrer Verbreitung von der fortschreitenden Klimaerwärmung profitieren dürfte. Ähnlich, wie die bei uns heimische Hauswinkelspinne, scheint sich die Nosferatu-Spinne in unseren warmen Wohnräumen sehr wohlzufühlen.“
Kann die Nosferatu-Spinne für mein Haustier gefährlich werden?
Der NABU geht davon aus, dass sich der Biss einer Nosferatu-Spinne bei Tieren ähnlich auswirkt wie beim Menschen. Man solle nicht in Panik verfallen. Auf die Frage, ob die Nosferatu-Spinne auch heimische Arten bedrohen, also als invasiv eingeschätzt werden kann, erklärt der NABU, dass derzeit keine Erkenntnisse darüber vorlägen. Die Tierschützer fordern jedoch dazu auf, über ihre Plattform Naturgucker.de alle Sichtungen der Spinnenart zu melden.