21. Mai 2026, 14:04 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Viele Hundehalter kennen diesen Blick: Der Hund sitzt vor ihnen und schaut sie minutenlang an. Mal wirkt das liebevoll, mal fordernd und manchmal sogar unangenehm intensiv. Doch was steckt wirklich dahinter? Geht es um Zuneigung, Aufmerksamkeit oder eine Warnung? Hundetrainerin Katharina Marioth erklärt im Gespräch mit PETBOOK, warum Hunde Menschen anstarren, wann Halter genauer hinschauen sollten und weshalb der Blick allein oft noch nicht die ganze Geschichte erzählt.
Grundsätzlich ist Starren erst einmal Kommunikation
Wenn Hunde ihre Menschen intensiv anschauen, fragen sich viele Halter: Was steckt dahinter? Geht es um Liebe, Aufmerksamkeit oder vielleicht sogar um eine Warnung? Hundetrainerin Katharina Marioth erklärt, warum Hunde starren und warum dabei nicht nur der Blick selbst entscheidend ist, sondern immer der gesamte Körper.
Grundsätzlich sei Starren erst einmal Kommunikation, erklärt Marioth. Hunde würden ihre Menschen anschauen, weil sie etwas möchten oder etwas mitteilen wollen. Das könne ganz banal sein: Wer ein Brötchen in der Hand hält und von seinem Hund fixiert wird, erlebt vermutlich schlicht Bettelverhalten. Oft gehe es aber um andere Bedürfnisse. Der Hund wolle vielleicht raus, auf die Couch, spielen oder Aufmerksamkeit bekommen.
Kontext ist entscheidend
Entscheidend sei deshalb immer der Gesamteindruck des Hundes. Viele Halter kennen laut Marioth diesen typischen „Welpenblick“ mit großen, runden Augen. Der Hund wirke dabei insgesamt weich und freundlich – häufig ein Zeichen dafür, dass er freundlich um etwas bittet. Ganz anders sehe es aus, wenn ein Hund steif werde und jemanden fixiere. Dann könne die Botschaft eher lauten: „Komm bitte nicht näher.“
Für Marioth ist deshalb klar: Starren ist fast immer Kommunikation – positiv oder negativ. Eine Ausnahme sieht sie allerdings bei älteren Hunden. Wenn Hunde plötzlich ins Leere oder gegen die Wand starren und dabei scheinbar „durch Menschen hindurchsehen“, könne das auch auf Demenz hindeuten. Das sollte tierärztlich abgeklärt werden.
Sollte man zurückstarren?
Viele Hundehalter fragen sich dann, wie sie auf das Starren reagieren sollen. Zurückstarren hält Marioth allerdings für keine gute Idee. Das komme noch aus alten Dominanztheorien und helfe in der Praxis nicht weiter. Bewache ein Hund beispielsweise sein Spielzeug und fixiere dabei seinen Menschen, löse man das Problem nicht, indem man den Hund ebenfalls anstarre. Stattdessen sollte man sich professionelle Unterstützung holen und an der Ursache arbeiten.
Anders sei es bei freundlichen Aufforderungen. Gerade bei Welpen oder Junghunden sei es wichtig, auf bestimmte Signale einzugehen. Wenn ein Hund etwa Blickkontakt sucht, weil er dringend raus muss, sei das schließlich genau die Kommunikation, die man sich im Alltag wünsche. Schwieriger werde es bei Aufforderungen wie „Spiel mit mir“ oder „Lass mich aufs Sofa“. Hier müsse man abwägen. Reagiere man immer sofort, könne daraus schnell ein Hund entstehen, der ständig Aufmerksamkeit einfordert und kaum noch zur Ruhe kommt.
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Wenn Hunde Besuch fixieren, sollte man aufpassen
Deshalb empfiehlt Marioth, den eigenen Hund genau zu beobachten. Ihr eigener Hund sehe beispielsweise ganz anders aus, wenn er dringend hinaus müsse. Dann sei deutlich mehr Körperspannung zu erkennen, manchmal verbunden mit einem kleinen Tippeln oder einem Blick Richtung Wohnungstür. Wirke der Hund dagegen einfach nur gelangweilt und bringe zusätzlich vielleicht noch Spielzeug an, ignoriere sie das eher. Gerade im Büro oder Homeoffice sei es wichtig, dass Hunde lernen, auch Ruhe auszuhalten.
Besonders aufmerksam sollten Halter werden, wenn Hunde Besuch intensiv fixieren. Marioth erinnert sich an einen Bullmastiff, der Besucher permanent im Blick behalten habe. Der Hund lag zwar scheinbar ruhig im Körbchen, beobachtete jedoch jede Bewegung. Das wirke zunächst harmlos, könne aber schnell kippen. Wenn Hunde anfangen, Besuch zu kontrollieren oder zu bewachen, müsse man das ernst nehmen. Der Hund solle lernen, dass es nicht seine Aufgabe sei, Gäste zu überwachen.
Starren lohnt sich für manche Hunde
Handele es sich dagegen nur um Betteln am Kaffeetisch, sollten Besucher das Verhalten keinesfalls verstärken, betont die Trainerin. Bekomme der Hund doch immer wieder etwas zugesteckt, lerne er schnell, dass sich hartnäckiges Anstarren lohnt. Hilfreich seien dann ein gutes Deckentraining und ein fester Ruheplatz.
Wirke das Fixieren dagegen bedrohlich, empfiehlt Marioth vor allem gutes Management. Sie arbeitet in solchen Fällen gerne mit einer Hausleine, damit der Hund gesichert werden könne, ohne dass Menschen körperlich nach ihm greifen müssten. Zusätzlich könne es helfen, dem Hund einen geschützten Bereich zu geben – etwa hinter einem Babygitter. Dort könne er weiterhin alles beobachten, bleibe aber auf Abstand.
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Wichtig sei außerdem, Besuchssituationen besser zu strukturieren. Häufig passiere es, dass die Tür geöffnet werde und der Hund sofort nach vorne stürme, um sich zwischen Besucher und Halter zu stellen. Genau dort müsse man früh eingreifen und dem Hund ruhig zeigen, dass er auf seinen Platz gehen soll.
Je nach Hund könne es außerdem sinnvoll sein, Besuch positiv zu verknüpfen. Manche Hunde profitieren laut Marioth davon, dass Gäste etwas besonders Angenehmes ankündigen – etwa einen speziellen Kauknochen oder eine besondere Belohnung auf dem Ruheplatz. Nervöse Hunde müssten dagegen oft vor allem lernen, dass Besuch zum Alltag dazugehört und keine Bedrohung darstellt.
Starren oder „Liebesblicke“?
Und dann gibt es natürlich noch die Momente, die viele Hundehalter als „Liebesblicke“ bezeichnen würden. Wenn sich ein Hund eng an seinen Menschen schmiegt und entspannt nach oben schaut, sei das durchaus Ausdruck von Bindung, sagt Marioth. Dabei wirke nicht nur der Blick weich, sondern der gesamte Gesichtsausdruck des Hundes entspannt.
Ähnlich wie beim Menschen könne intensiver Blickkontakt auch beim Hund Bindung stärken. Tatsächlich werde dabei sogar Oxytocin ausgeschüttet – also jenes Hormon, das soziale Nähe und Verbundenheit fördert. Solche Momente sollten Halter deshalb ruhig erwidern und genießen.
Das ganze Interview mit Katharina Marioth sehen Sie im Video.
Zur Expertin
Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.