22. April 2026, 16:37 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer die Bindung zu seinem Hund stärken will, denkt zuerst an Training. Sitz, Platz und ein sicherer Rückruf gelten als besonders wichtig. Doch eine aktuelle Studie legt nahe, dass für die Beziehung etwas ganz anderes weitaus entscheidender sein könnte. Dabei lässt sich das ganz einfach in den Alltag integrieren und braucht nur wenige Minuten Zeit.
Bindung zum Hund stärken – geht das wirklich so einfach?
Viele Hundehalter investieren viel Zeit in die Erziehung und Beschäftigung ihres Vierbeiners. Aber hilft das auch wirklich dabei, die Bindung zum Hund zu stärken? Genau dieser Frage ist ein Forschungsteam aus Schweden nachgegangen. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, ob gemeinsames Spielen mit dem Hund die Beziehung besonders stark verbessert – vielleicht sogar stärker als Training.1
Was genau wurde in der Studie untersucht?
Die Untersuchung bestand aus zwei Teilen. Im ersten Teil wurden knapp 3000 Hundebesitzer online befragt. Erfasst wurde unter anderem, wie oft sie mit ihrem Hund spielen oder trainieren und wie sie ihre Beziehung zum Tier einschätzen.
Der zweite Teil zielte auf die Ursachen und die Wirkung ab. Denn nur weil Menschen mit enger Bindung häufiger mit ihrem Hund spielen, heißt das noch nicht automatisch, dass das Spielen diese Bindung auch verbessert. Vielleicht spielen sie einfach mehr, weil die Beziehung ohnehin schon gut ist. Deswegen testeten die Forscher in einem vierwöchigen Experiment, ob zusätzliches Spielen oder Training die Bindung zum Hund stärken kann.
So lief der Praxistest mit den Hunden ab
Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt:
- Spielgruppe: mindestens fünf Minuten zusätzliches tägliches Spielen am Tag
- Trainingsgruppe: zusätzliche Übungen mit Belohnung über Futter, aber ohne spielerische Elemente
- Kontrollgruppe: keine Veränderung im Alltag
Die Spielgruppe bekam Anregungen für verschiedene Spielarten, etwa Zerrspiele, Fangspiele oder Verstecken. In der Trainingsgruppe ging es um klassische Übungen mit positiver Verstärkung. Dabei sollten bewusst keine Spielzeuge oder Spiele als Belohnung eingesetzt werden, damit Training und Spielen möglichst klar voneinander getrennt bleiben.
Vor und nach den vier Wochen beantworteten alle Teilnehmer einen wissenschaftlich etablierten Fragebogen zur Mensch-Hund-Beziehung.
Durch Spielen die emotionale Bindung zum Hund stärken
Die große Befragung zeigte zunächst ein recht klares Bild. Wer häufiger mit seinem Hund spielt oder trainiert, berichtet im Schnitt auch von einer besseren Beziehung. Die Halter fühlten sich ihrem Hund emotional näher. Auffällig war aber schon hier, dass Halter, die mehr mit ihrem Hund spielten, im Alltag enger mit ihm zu tun hatten. Dieser Effekt war stärker als beim Training.
Im zweiten Teil zeigte sich nach vier Wochen nur in einer Gruppe eine echte messbare Veränderung. Nur die Spielgruppe verbesserte sich statistisch signifikant bei der emotionalen Nähe zum Hund. In der Trainingsgruppe gab es diesen Effekt nicht. Das lässt darauf schließen, dass gemeinsames Spielen offenbar mehr die Bindung stärkt als Training allein.
Warum Training nicht automatisch die Bindung zum Hund stärkt
Warum aber wirkt Spielen offenbar stärker auf die Beziehung als Training? Die Forschenden nennen dafür mehrere mögliche Gründe. Spielen ist meist freiwillig, locker und emotional positiv. Es geht nicht in erster Linie um Leistung oder um ein Ziel, sondern um gemeinsame gute Momente. Genau das könnte die emotionale Bindung zum Hund stärken.
Training ist zwar sinnvoll und wichtig, kann aber stärker auf Erfolg, Korrektheit und Wiederholung ausgerichtet sein. Das kann den Alltag bereichern, muss aber nicht automatisch dieselbe emotionale Qualität haben wie ausgelassenes gemeinsames Spiel.
Emotionale Bindung zwischen Mensch und Hund erstmals gemessen
Pandemie-Haustiere machten ihre Halter nicht lange glücklich
Schon wenige Minuten täglich können einen Unterschied machen
Die Studie zeigt, dass die Bindung zum Hund nicht nur durch Erziehung, sondern vor allem durch gemeinsame Freude gestärkt wird. Dabei reichen schon kurze Einheiten aus.
Fünf Minuten zusätzliches Spielen pro Tag reichten aus, um innerhalb von vier Wochen eine messbare Veränderung zwischen Hund und Halter zu erzielen. Das ist überraschend. Immerhin gehen viele davon aus, dass mehr Training automatisch für eine bessere Beziehung sorgt.
Was die Studie nicht zeigt
So spannend die Ergebnisse sind, ein paar Einschränkungen gibt es natürlich auch. Viele Angaben beruhen auf den subjektiven Einschätzungen der Halter selbst. Zweitens war der Beobachtungszeitraum mit vier Wochen recht kurz. Ob der Effekt langfristig anhält, ist noch offen. Zu guter Letzt war die gemessene Wirkung eher klein. Der Effekt ist zwar real, aber kein Wunderhebel, der jede Beziehung sofort komplett verändert.