5. März 2026, 11:32 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Warum schauen Hunde uns eigentlich so intensiv an, wenn sie ihr kleines oder großes Geschäft verrichten? Viele Halter kennen diesen Moment: Der Hund hockt oder hebt das Bein – und der Blick geht direkt zum Menschen. Dahinter steckt meist weniger Drama, als manche vermuten. Was Körpersprache damit zu tun hat – und weshalb Zurückstarren keine gute Idee ist, erklärt Hundetrainerin Katharina Marioth.
Entscheidend ist die Körpersprache
„Erst mal muss man sagen: Wenn Halter das beobachten – Kompliment“, sagt Hundetrainerin Katharina Marioth. Denn wer solche Details wahrnimmt, beobachte seinen Hund aufmerksam. Und genau das sei wichtig, denn der Blick könne Unterschiedliches bedeuten. Vor allem beim Markieren müsse man genauer hinschauen.
Entscheidend sei die Körpersprache: Starre der Hund, schiebe den Hals nach vorne und wirke insgesamt steif, könne das durchaus eine territoriale Geste sein. Dann gehe es weniger um den Menschen als um eine klare Botschaft an andere Hunde.
Blick soll Kommunikation aufrecht erhalten
Häufiger diene der Blick jedoch schlicht der Kommunikation. Viele Halter gingen beim Spaziergang weiter oder entfernten sich ein Stück, während der Hund sich löse. „Der Hund versucht dann sozusagen, die Kommunikation aufrechtzuerhalten – nach dem Motto: Warte kurz, ich bin gleich fertig“, erklärt Marioth.
Auch der „Typ Hund“ spiele eine Rolle. Territorial veranlagte Tiere markieren bevorzugt auf erhöhten Ebenen, an Steinen, Wänden oder markanten Wegkreuzungen. Das gelte für Rüden wie für Hündinnen. „Je höher markiert wird, desto wichtiger ist die Mitteilung“, so die Trainerin.
Auch interessant: Warum sich Hunde im Kreis drehen, bevor sie koten
Sollte ich zurückstarren?
Und wie sollte man reagieren, wenn der Hund einen dabei fixiert? Zurückstarren sei keine gute Idee. Das verunsichere viele Hunde eher und habe „keine Status-Bedeutung“, betont Marioth. Internet-Mythen, man müsse den Blick besonders kraftvoll erwidern, könne man getrost vergessen. Besser sei es, sich freundlich seitlich zum Hund zu drehen und ruhig abzuwarten.
Spätestens beim Einsammeln des Kots habe man ohnehin einen Blick auf das Ergebnis – was durchaus sinnvoll sei, denn die Beschaffenheit sage viel über den Gesundheitszustand aus. Den Hund müsse man dabei aber nicht „zu Tode beobachten“.
Ausnahme bei Welpen
Eine Ausnahme sieht Marioth bei Welpen. Sie lernen erst, dass sie sich draußen lösen sollen – und nicht in der Wohnung. In solchen Momenten könne der Blick tatsächlich eine Art Rückversicherung sein: „Guck mal, ich mache das hier draußen – bekomme ich jetzt meine Belohnung?“
Der Unterschied zeige sich deutlich im Ausdruck. Während territoriales Verhalten mit starrem, steifem Fixieren einhergehe, sei der Blick beim Welpen eher freundlich und erwartungsvoll.
Sucht der Hund Schutz, wenn er mich anschaut?
Hartnäckig hält sich zudem die Theorie, Hunde fühlten sich beim Kot- oder Urinabsatz besonders verletzlich und suchten deshalb Blickkontakt, nach dem Motto: „Bist du da? Passt du auf?“ Laut Marioth könne das in Einzelfällen zutreffen – etwa bei sehr unsicheren Hunden. Diese zögen sich tatsächlich häufiger ins Gebüsch zurück oder suchten geschützte Orte.
Dennoch sollte man diese Annahme nicht überbewerten. Ein Hund sei jederzeit in der Lage, sein Geschäft zu unterbrechen, wenn er sich bedroht fühle. Hektisches Umschauen oder demonstratives „Aufpassen“ durch den Halter verstärkten die Unsicherheit eher. Stattdessen empfiehlt die Trainerin ruhigere Gassiwege, damit sensible Hunde generell lernen, dass ihnen nichts droht. Insgesamt ordnet sie die Verletzlichkeits-Theorie jedoch eher im Bereich „Mythos“ ein.
Trödeln Hunde extra, wenn wir es eilig haben?
Dominanz oder Vertrauen? Was es bedeutet, wenn der Hund auf Ihrem Fuß sitzt
Darf ich weitergehen, während der Hund sein Geschäft macht?
Bleibt die Frage nach der richtigen Distanz: Muss man direkt daneben stehenbleiben? Das komme darauf an, was man unter Nähe verstehe, sagt Marioth. An einer Zwei- oder Drei-Meter-Leine könne der Hund den Radius ruhig ausnutzen. Beim Urinieren dürfe man auch weitergehen, das sei meist schnell erledigt.
Beim Kotabsetzen sehe sie es anders – nicht zuletzt aus Rücksicht auf andere Spaziergänger. „Das gehört eingesammelt, und dann bleibe ich auch in der Nähe“, so die Hundetrainerin. Grundsätzlich sei sie kein Freund davon, den Hund komplett aus der Kommunikation zu lassen: „Wir sind gemeinsam unterwegs.“
Fazit: Der Blick beim Geschäft ist kein Hilferuf
Unterm Strich gilt also: Wenn Hunde uns beim Geschäft anschauen, geht es meist um Kommunikation – nicht um einen Hilferuf. Entscheidend ist die Körpersprache. Wer ruhig bleibt, nicht starrt und seinem Hund Sicherheit durch Gelassenheit vermittelt, macht in der Regel alles richtig.
Das gesamte Interview mit Hundetrainerin Katharina Marioth sehen Sie im Video.
Zur Expertin
Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.