11. September 2026, 18:22 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Kaum ein Thema wird unter Hundefreunden so kontrovers diskutiert wie der Auslandstierschutz. Während Deutschlands Tierheime vielerorts am Limit sind, finden spanische Jagdhunde wie Galgos und Podencos weiterhin den Weg in deutsche Familien. Doch warum brauchen so viele dieser Tiere überhaupt ein neues Zuhause? Autorin Nadine Buch klärt genau das für PETBOOK auf. Denn hinter der Antwort steckt eine Geschichte, die viele Menschen nicht kennen.
Mehr als nur schnelle Läufer
Wer einem Galgo oder Podenco zum ersten Mal begegnet, ist oft überrascht. Trotz ihres sportlichen Körperbaus gelten viele dieser Hunde als ausgesprochen sensibel, intelligent und menschenbezogen. Galgos wirken häufig zunächst zurückhaltend oder scheu, insbesondere wenn sie schlechte Erfahrungen gemacht haben. Haben sie jedoch Vertrauen gefasst, zeigen sie sich oft als verschmuste Begleiter, die die Nähe ihrer Menschen genießen und sich gerne auf dem Sofa oder im Bett einkuscheln.
Podencos teilen viele dieser Eigenschaften, gelten allerdings als eigenständiger. Viele Halter beschreiben sie als kleine Clowns mit einem ausgeprägten Dickkopf. Sie sind neugierig, kreativ und hinterfragen Kommandos gerne, anstatt sie blind zu befolgen. Während Galgos oft stark auf ihre Bezugsperson fokussiert sind, bewahren Podencos häufig etwas mehr Distanz und Unabhängigkeit.
Gemeinsam haben beide Rassen ihren ausgeprägten Jagdtrieb. Galgos jagen vor allem auf Sicht und reagieren blitzschnell auf jede Bewegung. Podencos nutzen neben ihren Augen auch Nase und Gehör. Ein sicher eingezäunter Auslauf ist deshalb für beide Rassen besonders wichtig.1
Warum so viele Galgos und Podencos im Auslandstierschutz landen
Galgos und Podencos wurden über Generationen hinweg gezielt für die Jagd gezüchtet. Während Galgos vor allem bei der Hasenjagd und bei Windhundrennen eingesetzt werden, arbeiten Podencos häufig als vielseitige Jagdhunde. Viele Tiere werden in Spanien nicht als Familienhunde gehalten, sondern als Arbeits- beziehungsweise Nutztiere betrachtet.
Auch Tierschützer von Organisationen wie VETO, der Vereinigung europäischer Tierschutzorganisationen, berichten seit Jahren von problematischen Haltungsbedingungen. Manche Hunde verbringen ihr Leben in kleinen Zwingern oder Verschlägen und erhalten nur die nötigste Versorgung. Können sie die Erwartungen ihrer Besitzer nicht erfüllen, werden sie oft aussortiert. Besonders nach dem Ende der Jagdsaison landen viele Tiere auf der Straße oder in Tierheimen.2
Die genaue Zahl der betroffenen Hunde ist schwer zu ermitteln. Tierschutzorganisationen gehen jedoch davon aus, dass jedes Jahr zehntausende Galgos und andere Jagdhunde ausgesetzt oder getötet werden. Gleichzeitig engagieren sich zahlreiche spanische und internationale Organisationen dafür, diese Tiere zu retten und in verantwortungsvolle Hände zu vermitteln.
Verbessert sich die Situation für spanische Jagdhunde?
In den vergangenen Jahren hat sich die Situation der spanischen Jagdhunde mancherorts verbessert. Verschärfte Gesetze gegen Tierquälerei sowie die Arbeit vieler Tierschutzorganisationen haben dazu beigetragen, Missstände sichtbarer zu machen. Gleichzeitig wächst insbesondere in größeren Städten die Akzeptanz von Galgos als Familienhunde.
Tierschützer betonen jedoch, dass nachhaltige Veränderungen Zeit benötigen. Neben gesetzlichen Anpassungen sehen viele Experten vor allem Aufklärungsarbeit als entscheidenden Schlüssel. Durch Bildungsprojekte, Kampagnen und Gespräche mit Jägern soll langfristig ein Umdenken stattfinden. Für die Hunde, die heute in Auffangstationen oder auf der Straße leben, kommt dieser Wandel allerdings oft zu spät.
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Neues Transportgesetz erschwert Vermittlung von Galgos und Podencos
Die Verschärfung des Transportgesetzes macht es nun den zu vermittelnden Hunden noch schwerer, ein neues Zuhause zu finden. Strengere Lenk- und Ruhezeiten stehen den Tieren bevor und somit mehr Stress. Zudem steigen die Vermittlungsgebühren, was dazu führt, dass der Auslandstierschutz noch mehr in Verruf gerät. Tierschützer fordern daher das Europäische Parlament dazu auf, Hunde von dieser Regelung auszunehmen.
Vom Jagdhund zum Familienhund: Das zweite Leben vieler Galgos
Wer Galgos und Podencos heute auf deutschen Hundewiesen erlebt, kann kaum glauben, welche Vergangenheit viele der Tiere hinter sich haben. Die sensiblen Hunde, die sich eng an ihre Menschen schmiegen oder ausgelassen über die Wiese flitzen, wurden einst allein für die Jagd gezüchtet. Dass sie heute auf dem Sofa statt im Zwinger liegen, verdanken viele ihrem zweiten Leben im Tierschutz.
Dieses Schicksal beschäftigt auch die Tierpsychologin und Autorin Nadine Buch, die mit ihrer Novelle „Tränenstaub“ die Geschichte eines Galgos stellvertretend für viele spanische Jagdhunde erzählt.
Nadine Buch ist studierte Tierpsychologin und Buchautorin. Nach vielen Jahren in einer Kleintierpraxis widmet sie sich heute vor allem der Aufklärung über das Schicksal spanischer Jagdhunde.
In ihrer Novelle „Tränenstaub“ erzählt sie die Geschichte eines Galgos, die stellvertretend für das Leid vieler spanischer Jagdhunde steht. Das Buch gibt einen eindringlichen Einblick in deren Alltag und die Herausforderungen, mit denen viele der Tiere konfrontiert sind.
Mit „Das Sofa kann weg!“ hat Buch zudem ein humorvolles Werk über das Leben mit Windhunden veröffentlicht. Darin schildert sie persönliche Erlebnisse und zeigt, warum Galgos und andere Windhunde für viele Halter als ganz besondere Hunde gelten.