26. August 2025, 17:14 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten
Kaninchen sind neugierig, intelligent und brauchen Abwechslung. Deshalb benötigen sie in der Heimtierhaltung an erster Stelle ein ausreichend großes Gehege und zusätzlichen Auslauf, damit sie sich artgerecht bewegen können. Doch nicht jeder Halter hat die Möglichkeit, seinen Tieren Freilauf im eigenen Garten zu bieten. Wie man die Wohnung kaninchensicher machen kann, sodass man sie gefahrlos frei hoppeln lassen kann, weiß PETBOOK.
Übersicht
Welche Ansprüche Kaninchen an Wohnungshaltung haben
Wer Kaninchen als Haustiere halten möchte, sollte bei der Anschaffung niemals beim Gehege sparen. Egal, ob es sich um eine kleine oder große Rasse handelt, benötigen Kaninchen vor allem Platz. Laut einem Merkblatt der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) benötigen zwei Kaninchen mindestens sechs Quadratmeter Grundfläche für die Dauerhaltung – und zwar als durchgehende, zugängliche Fläche, nicht nur als Auslauf „auf Zeit“. Noch besser wären mindestens zehn Quadratmeter – und da ist man schnell bei einem kompletten „Kaninchenzimmer“ oder einer kaninchensicheren Wohnung angelangt.
Für jedes weitere Tier müssen etwa 20 Prozent mehr Platz hinzukommen. Diese Fläche kann auch über mehrere Ebenen verteilt sein. Damit die Tiere ihrem Bewegungsdrang nachkommen, sollten sie mindestens drei Hoppelsprünge von je rund 80 Zentimetern machen können. Wichtig: Kaninchen sind keine Käfigtiere – Gehege mit Gittertür sind allenfalls als Rückzugsort geeignet, müssen aber immer geöffnet sein.
Wer dies nicht berücksichtigt, kann damit rechnen, dass es zu aggressivem Verhalten und anderen Verhaltensstörungen und dadurch zu Verletzungen und Unverträglichkeiten kommt. Darum sollte man sich bereits vor der Anschaffung überlegen, ob und wie man die Wohnung gestalten kann, damit ein harmonisches und artgerechtes Leben der Tiere so artgerecht wie möglich ist. 1
Wie die Wohnung kaninchensicher wird
Es gibt viele Gefahrenquellen, die wir als Menschen zunächst nicht als solche wahrnehmen, die Kaninchen aber zum Verhängnis werden können. Egal, ob Sie Ihre Tiere komplett frei in der Wohnung oder in einem abgetrennten Kaninchenzimmer halten möchten, sollten Sie daher folgende Punkte nicht unbeachtet lassen:
Steckdosen und Kabel
In freier Natur wird beim Buddeln jedes Hindernis, wie Baum- oder Strauchwurzeln, beiseitegeräumt. Und so wird selbstverständlich in der Wohnung jedes Kabel, das im Weg liegt, angenagt oder -gekratzt. Im schlimmsten Fall kann das Kaninchen dabei einen tödlichen elektrischen Schlag bekommen.
Daher sollten herumliegende Kabel mit Klemmen an der Wand befestigt werden und am besten in einem Kabelkanal verschwinden. Unbenutzte Steckdosen sollten mit einer Kindersicherung verschlossen werden.
Haushaltsgeräte
Kaninchen sind von Natur aus sehr neugierig und stecken überall gern die Nase hinein. Schließen Sie deshalb alle Geräte wie Waschmaschine, Wäschetrockner, oder Spülmaschine nach der Benutzung, und prüfen Sie vor jeder Benutzung, ob sich nicht doch ein Tier dort versteckt hat.
Im Bad
Auch wenn Kaninchen im Notfall ziemlich gut schwimmen können, ist eine volle Badewanne doch ein Risiko für die Tiere. Die Wände sind rutschig, sodass sie aus eigener Kraft oft nicht wieder selbst hinausgelangen können. So saugt sich das weiche Fell voll, das Tier kühlt aus und verliert viel Energie. Im schlimmsten Fall überlebt ein Kaninchen einen Ausflug in die Badewanne nicht. Was man generell beachten sollte, wenn Kaninchen einmal gesäubert werden müssen, erfahren Sie in diesem Artikel: Sollte man sein Kaninchen baden?
Fenster
Auch wenn manche Kaninchen es schätzen, auch mal am Fenster zu liegen, sollte man hierbei einige Punkte beachten. Ein flauschiger Aussichtsplatz kann ihnen, besonders im Sommer, schnell zu warm werden. Bereits ab Temperaturen von 25 Grad können Kaninchen ihre eigene Körpertemperatur nicht mehr gut regulieren und es droht eine Überhitzung.
Auch ein offenes oder gekipptes Fenster birgt Risiken. Die Tiere könnten eingeklemmt werden oder herausfallen. Deswegen sollte man das Fenster am besten mit drahtverstärktem Katzennetz oder Kaninchendraht sichern.
Türen
Besonders wenn die Tiere in der gesamten Wohnung Freilauf erhalten, ist es nicht kaninchensicher, wenn ihnen Türen im Weg sind. Ein Windstoß kann dafür sorgen, dass die Tür zuknallt und Kaninchen im Zweifelsfall schwer verletzt. Denn die Tiere bleiben bei einer Gefahr zunächst ruhig sitzen und weichen ihr nicht aus. Es empfiehlt sich daher, die meisten Türen komplett auszuhängen und für Bad und Küche einen Türstopper zu verwenden.
Zimmerpflanzen
Auch dass viele Zimmerpflanzen für Kaninchen giftig sind, wird leider noch immer unterschätzt. Eine Liste von Gewächsen, die Sie besser vermeiden sollten, finden Sie in diesem Artikel: Diese Zimmerpflanzen sind für Kaninchen giftig. Diese Pflanzen sollten nur außerhalb der „Knabberweite“ von Kaninchen aufgestellt werden.
Kaninchenzimmer vs. freie Haltung
Ob man sich nun für ein Kaninchenzimmer oder den kompletten Freilauf entscheidet, bleibt eine persönliche Frage, die sich jeder Halter selbst stellen muss. Die freie Haltung ist zu begrüßen, muss aber im Vorfeld durchdacht und geplant werden. Zudem erfordert sie immer auch Einschränkungen und ein ständiges Aufpassen für den Halter, der sich in der kaninchensicheren Wohnung ja auch wohlfühlen soll.
Zudem sollte man die eigenen Tiere gut kennen. Neigt ein Kaninchen zum Beispiel dazu, auch Türrahmen und Fußboden anzuknabbern, oder wird einfach nicht stubenrein, kann es sinnvoller sein, ein Kaninchenzimmer einzurichten. Da man mindestens zwei Tiere halten sollte, darf dies auch nicht zu klein sein.
Man sollte aber auch hier nicht denken, dass man einfach die Tür hinter sich schließen und die Tiere sich dort selbst überlassen kann. Kaninchen sind soziale Tiere und wollen auch am Leben von uns Menschen teilhaben. Man kann deshalb z. B. die Zimmertür aushängen und ein kindersicheres Gitter anbringen, damit sie uns beobachten können, wenn sie nicht aus dem Zimmer kommen sollen. Oder man baut seinen Home-Office-Schreibplatz im Kaninchenzimmer auf, so hat man die Tiere (und sie uns) gut im Blick.
Am besten eignen sich Fliesen für den Bodenbelag im Kaninchenzimmer. PVC oder Linoleum sind auch leicht abwaschbar, müssen aber gut verlegt sein und sollten nur genutzt werden, wenn die Kaninchen keinen Hang zum Knabbern oder Buddeln am Bodenbelag zeigen. Von Teichfolien als Untergrund ist abzuraten, da sie manchmal für Kaninchen giftige Inhaltsstoffe haben. Sind die Kaninchen absolut stubenrein und gehen brav auf den Toilettenplatz, kann man auch Teppichboden oder andere weiche Böden verlegen, denn Kaninchenpfoten mögen dauerhaft keine harten Untergründe, da sie keine Ballen besitzen und schnell wunde Läufe (Pododermatitis) bekommen. 2
Auch interessant: Kaninchen brauchen zu bestimmten Zeiten Freilauf, um sich wohlzufühlen
Kann man Kaninchen stubenrein bekommen?
Meerschweinchen-Freilauf in der Wohnung einrichten
Welche Schutzmaßnahmen sind für die Einrichtung sinnvoll?
Entscheidet man sich aber doch dafür, die Kaninchen auch einmal frei laufen zu lassen, möchte man natürlich auch die eigene Einrichtung schützen. Um Sessel, Stuhlbeine, Teppich oder Sofa zu sichern, kann man einige Maßnahmen ergreifen.
Stuhlbeine und andere Einrichtungsgegenstände
Kaninchen knabbern für ihr Leben gern. Man kann versuchen, sie mit frischen Zweigen und anderen Dingen zum Knabbern zu beschäftigen. Besonders gefährdete Stellen können mit Fernhaltespray besprüht oder mit Kaninchendraht umwickelt werden. Dezenter wäre ein transparentes Klebeband. Man kann auch einfach einen Socken über das Stuhlbein ziehen. Zugegeben kein Hingucker, deshalb könnte man bereits beim Kauf von Möbeln zu Füßen aus Metall tendieren.
Vor dem Sofa kann man ein Brett oder eine Weidenbrücke hochkant stellen und es mit einem wasserfesten Überwurf schützen, denn besonders, wenn die Kaninchen (noch) nicht stubenrein sind, kann dort auch das ein oder andere Tröpfchen oder Köttelchen landen.
Fernhaltesprays selbst machen
Sie können Gegenstände, die gern von Kaninchen angeknabbert werden, wiederholt einsprühen oder einreiben, z. B. mit Zitronen- oder Zwiebelsaft, den sie vorher mit Wasser verdünnen. Füllen Sie die Flüssigkeit am besten in eine einfache Sprühflasche, die eine Nebelfunktion am Sprühkopf hat, dann weicht die Tapete nicht gleich völlig durch, wenn Sie sie besprühen. Reagiert das Kaninchen nicht wie erhofft darauf, können Sie einen anderen Duft ausprobieren (ätherische Öle) oder ein spezielles Fernhaltespray im Handel kaufen.
Tapeten, Wände und Ecken schützen
Tapeten werden bei Langeweile gern angenagt und manchmal landen auch Urinspritzer auf den Wänden und Ecken. Hier hilft eine Wandschutzfolie, die man über die ganze Fläche und auch in Ecken gut befestigen kann und die optisch nicht groß stört. Aufwendiger und teurer wird es mit einer Plexiglasplatte oder einer Holzvertäfelung.
Teppiche
Wer auf Teppich nicht verzichten möchte, sollte hier auf biologische Materialien wie Baumwolle oder Hanf setzen. Diese können leichter abgebaut oder ausgetauscht werden. Neigt ein Kaninchen jedoch dazu, Teppiche anzunagen und verschluckt sogar Flusen, kann dies zu Verstopfung führen.
Urinflecken richtig entfernen
Ist doch mal ein Malheur passiert, sollte man natürlich auf keinen Fall mit dem Tier schimpfen. Flecken sollten am besten mit einem Neutral-, Essig-, oder Enzymreiniger besprüht werden, damit das Sofa nicht zur neuen Toilettenecke wird. Diese sollte sich am besten im Kaninchenzimmer befinden. Man kann auch einiges tun, um gegen Stallgeruch in der Wohnung vorzugehen.
Fazit: Aufwendig, aber artgerecht
Man kann also feststellen, dass es durchaus aufwendig ist, die Wohnung kaninchensicher zu machen. Wer überlegt, Kaninchen in der Wohnung völlig frei zu halten, bietet seinen Tieren wahrscheinlich das beste Leben, das in einer Innenhaltung möglich ist. Für den Zweibeiner kann dies aber auch eine gewisse Einschränkung bedeuten, sodass auch ein Kaninchenzimmer ausreichend sein kann.

