Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Kaninchen Alle Themen
Wie im Horrorfilm

Mysteriöse Krankheit lässt Kaninchen Hörner im Gesicht wachsen

Florida-Waldkaninchen (Sylvilagus floridanus) infiziert mit dem Shope-Papilloma-Virus
Was wirkt wie aus einem Horrorfilm, ist traurige Realität: Ein Papillomavirus lässt an Kaninchenköpfen unheimliche Auswüchse entstehen. Foto: Getty Images
Artikel teilen
Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

14. August 2025, 15:08 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

In Fort Collins, Colorado, sorgt derzeit ein rätselhaftes und unheimliches Phänomen für Aufsehen: Wildkaninchen mit schwarzen, hornartigen Auswüchsen am Kopf und im Gesicht. Die krank wirkenden Tiere erinnern an Fabelwesen wie den legendären „Jackalope“ – ein Kaninchen mit Antilopenhörnern. Tatsächlich steckt jedoch keine Mutation, sondern eine Krankheit dahinter: ein Papillomavirus, das vor allem Kaninchen befällt.

Die Krankheit tritt vermehrt im Sommer und Herbst auf, wenn Mücken und Zecken, die wichtigsten Überträger, besonders aktiv sind. Aktuell gibt es einen Ausbruch in Fort Collins, der größten Stadt im US-Bundesstaat Colorado, wie die britische Boulevardzeitung „Daily Mail“ berichtete. Dort ist von „Frankenstein-Kaninchen“ die Rede. Denn die Bilder, die sich dort präsentieren, wirken tatsächlich wie aus einem Horrorfilm.

So entstehen die „Hörner“ am Kopf

Die Infektion beginnt mit kleinen roten, leicht erhabenen Hautstellen, die sich zu warzenartigen Tumoren entwickeln. Diese Wucherungen bestehen aus verhornendem Gewebe (Keratin), ähnlich Fingernägeln oder Tierklauen. Im fortgeschrittenen Stadium wachsen sie zu langen, spitzen Gebilden, die wie Hörner oder Tentakel aus dem Kopf ragen.

Das Virus befällt vor allem Hautzellen an Ohren, Augenlidern, Nase und Maulregion. Während manche Wucherungen von allein abheilen, können andere entarten: Etwa 25 % entwickeln sich zu bösartigen Plattenepithelkarzinomen, die metastasieren und den Tod des Tieres verursachen können. Große Auswüchse behindern zudem die Nahrungsaufnahme – viele Tiere verhungern schlicht. 1

Instagram Platzhalter
An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Ist das Virus ansteckend für Hunde oder Hauskaninchen?

Für Hunde, Katzen und andere Haustiere besteht zum Glück keine Gefahr – sie sind nicht empfänglich für das Virus. Hauskaninchen können sich jedoch theoretisch infizieren. Dies geschieht aber nicht durch direkten Kontakt zu anderen Hauskaninchen, denn eine Übertragung erfolgt fast ausschließlich über blutsaugende Insekten, wie Mücken oder Zecken. Daher ist das Risiko für Hauskaninchen, die im Freien leben, höher. Halter in betroffenen Regionen können ihre Tiere also schützen, indem sie Insekten- oder Zeckenstiche verhindern. Sollte es doch zu einer Infektion kommen, ist das jedoch kein Todesurteil. Tierärzte können die Tumoren chirurgisch entfernen, bevor sie bösartig werden. 2

Auch interessant: Neue Fälle von Kaninchenpest in Deutschland! Auch Haustiere in Gefahr

Können sich auch Menschen infizieren?

Das Shope-Papillomavirus ist nur für Kaninchen gefährlich. Menschen können sich nicht infizieren. Zumindest gibt es dafür bisher keine Hinweise. Auch ein Mückenstich von einem infizierten Tier überträgt den Erreger nicht auf den Menschen. Trotzdem sollte man Wildkaninchen mit auffälligen Wucherungen niemals anfassen – auch um andere Krankheiten zu vermeiden und den Tieren keinen zusätzlichen Stress zu bereiten.

In diesen Ländern grassiert das Virus

Das Shope-Papillomavirus kommt vor allem in den USA vor, insbesondere im Mittleren Westen von Minnesota bis Texas. Auch an der Westküste – etwa in Kalifornien – wurden Fälle bei Hauskaninchen dokumentiert. Einzelne Ausbrüche gab es auf Inseln vor Washington State. Natürliche Wirte sind vor allem Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus floridanus), aber auch Schneeschuhhasen und Schwarzwedelhasen können erkranken.

Premium InsekKerbl Freilaufgehege 8-eckigtenhotel

8 Elemente mit je 57×56 cm | für Kleintiere

Mehr zum Thema

Papillomaviren gibt es nicht nur bei Kaninchen

Papillomviren sind keine reine „Kaninchenkrankheit“: Auch andere Tiere können infiziert werden. So wurde 2024 im Kruger-Nationalpark (Südafrika) eine Giraffe mit hunderten warzigen Hautläsionen gesichtet – vermutlich verursacht durch das Bovine Papillomavirus (BPV), das normalerweise Rinder befällt, aber gelegentlich auf Giraffen, Antilopen oder Zebras überspringt. Solche Fälle sind selten und oft schlecht dokumentiert, doch sie zeigen, dass Papillomviren eine erstaunliche Artenvielfalt befallen können – vom Wildkaninchen bis zur Giraffe. 3

Instagram Platzhalter
An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Auch bei Menschen finden sich verschiedene Papillomaviren. Sie befallen die Haut- und Schleimhäute. Bekannt sind vor allem die Virentypen, die sexuell übertragbar sind. Sie können Genitalwarzen sowie verschiedene Krebsarten, einschließlich Gebärmutterhalskrebs, Peniskrebs und Mund-Rachen-Krebs, verursachen. Mehr zum dem Thema erfahren Sie bei den Kollegen von FITBOOK: Was bedeutet ein positiver Test auf HP-Viren?

Fazit

Das Shope-Papillomavirus ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Viren das Erscheinungsbild eines Tieres drastisch verändern können. Die bizarren „Hörner“ sind in Wahrheit Tumore – und in manchen Fällen Vorboten von Krebs. Für Menschen und Haustiere ist der Erreger ungefährlich, doch betroffene Wildtiere sollten in Ruhe gelassen werden. Der aktuelle Ausbruch in den USA erinnert daran, dass selbst altbekannte Viren immer wieder überraschend ins Blickfeld geraten – und gelegentlich den Stoff für Mythen und Legenden liefern.

Quellen

  1. sciencedirect.com, „Cottontail Rabbit Papillomavirus“ (aufgerufen am 14.08.2025) ↩︎
  2. petmd.com, „Head Tumors and Cancer in Rabbits“ (aufgerufen am 14.08.2025) ↩︎
  3. livescience.com, „See heartbreaking photos of 'bumpy' giraffe in South Africa with viral disease rarely seen in these tall animals“ (aufgerufen am 14.08.2025) ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.