9. Oktober 2025, 17:41 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Meerschweinchen sind beliebte Haustiere – unkompliziert im Umgang, aber empfindlich bei der Ernährung. Wer ihnen etwas Gutes tun will, sollte ihren Speiseplan genau kennen. Denn schon kleine Fehler können gravierende Folgen haben – und in manchen Fällen kann es sogar tödlich enden, wenn Meerschweinchen das Falsche fressen, wie PETBOOK-Redakteurin Louisa Stoeffler weiß.
Warum die Ernährung so wichtig ist
Eins meiner Meerschweinchen hatte einmal schwere Verdauungsprobleme: Es mochte nicht mehr fressen und baute innerhalb weniger Tagen ab. Um ihm wieder etwas „in den Magen“ zu bekommen, wurde es fälschlicherweise mit Brot gefüttert. Als ich nach Hause kam, war es bereits verstorben.
Diese Geschichte ist viele Jahre her, allerdings hat mich das Schicksal von meinem kleinen „Lucky“ (sogar sein Name hat heute für mich einen bitteren Beigeschmack) nie losgelassen. Seitdem habe ich viel über die richtige Ernährung der possierlichen Nager gelernt und es ist mir ein großes Anliegen, dass solche Trugschlüsse nicht mehr vorfallen.
Denn als reine Pflanzenfresser sind Meerschweinchen auf eine faserreiche Kost angewiesen. Ihr Verdauungssystem funktioniert nur dann optimal, wenn sie dauerhaft Zugang zu Heu, frischem Grün und geeignetem Gemüse haben. Dies sollte dabei den größten Anteil der täglichen Nahrung ausmachen und immer verfügbar sein. 1
Was Meerschweinchen keinesfalls fressen dürfen
Viele Nahrungsmittel, die für den Menschen harmlos oder sogar gesund erscheinen, können bei Meerschweinchen schwere gesundheitliche Schäden verursachen. Besonders folgende Produkte haben im Napf nichts zu suchen:
Süßigkeiten, Gebäck und Brot
Zucker- und fettreiche Lebensmittel wie Bonbons, Kekse oder Schokolade sind natürlich absolut ungeeignet. Sie können die Verdauung blockieren, Bauchschmerzen, Blähungen und langfristige Organschäden auslösen. Auch Brot gehört nicht auf den Speiseplan, auch wenn sich immer noch hartnäckig das Gerücht hält, dass die Nager es zum Zahnabrieb benötigen. Das stimmt nicht und rohfaserhaltiges Grünfutter ist dafür auch wesentlich besser geeignet als altbackenes Brot.
Hülsenfrüchte
Bohnen, Erbsen, Linsen und Kichererbsen enthalten schwer verdauliche Substanzen, die Blähungen verursachen. Meerschweinchen haben eine sehr empfindliche Verdauung, die bei kleinsten Störungen bereits aus dem Gleichgewicht geraten kann. In größeren Mengen können Hülsenfrüchte sogar giftig sein.
Zwiebelgewächse
Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Schnittlauch oder Bärlauch sind gefährlich, da sie Stoffe enthalten, die die roten Blutkörperchen der Meerschweinchen schädigen können. Dies kann zu Blutarmut und weiteren Gesundheitsproblemen führen.
Avocado
Die beliebte Frucht enthält Persin – ein Toxin, das für Meerschweinchen hochgefährlich ist. Bereits geringe Mengen können ernste Folgen haben.
Rhabarber
Auch Rhabarber gehört auf die Verbotsliste: Er enthält Oxalsäure, die bei Meerschweinchen zu Nierenproblemen und anderen gesundheitlichen Beschwerden führen kann. Entsprechend sollten auch die Blätter der Pflanze für Meerschweinchen in Außenhaltung nicht erreichbar sein.
Kartoffeln
Weder rohe noch gekochte Kartoffeln sind geeignet, denn sie enthalten Solanin, einen Stoff, der bei Meerschweinchen zu Vergiftungen führen kann. Gekochte Kartoffeln sind ebenfalls nicht empfehlenswert, da das Gemüse sehr viel Stärke enthält, die wiederum die Verdauung von Meerschweinchen stark belasten kann.
Steinobst
Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche und andere Steinfrüchte sind wegen ihrer Cyanid-Verbindungen tabu – sie sind für Meerschweinchen giftig.
Exotische Früchte
Früchte wie Mango, Litchi, Papaya oder Granatapfel enthalten viel Zucker und Säure. Diese belasten ebenfalls das empfindliche Verdauungssystem der Tiere.
Nudeln und Reis
Auch gekochte Nudeln und Reis sind problematisch. Sie enthalten Stärke, die schwer verdaulich ist. Folgen können Blähungen, Durchfall oder Übergewicht sein. Noch gefährlicher sind rohe Varianten: Sie sind hart, unverdaulich und können die Verdauung blockieren oder die Zähne schädigen.
Milchprodukte und tierische Nahrung
Produkte wie Milch, Käse oder Joghurt sowie Fleisch und Wurst sind absolut ungeeignet für Meerschweinchen. Ihr Verdauungssystem ist darauf nicht ausgelegt und reagiert mit schweren Durchfällen. Entsprechend gilt dies auch für Joghurtdrops oder ähnliche Leckerli, die immer noch im Fachhandel erhältlich sind.
Knabberstäbchen
Häufig bestehen sie aus Getreide, Honig, Zucker oder Bindemitteln, die die Zähne schädigen und das Verdauungssystem belasten. Die enthaltenen Kohlenhydrate „verkleben“ den Verdauungstrakt und fördern Übergewicht sowie Zahnerkrankungen.
Nüsse
Nüsse sind extrem fettreich, enthalten viele Kalorien und keinerlei Nährwert für Meerschweinchen. Ich kann es nur immer wieder betonen: Das Verdauungssystem der Tiere ist auf rohfaserreiche Pflanzenkost ausgerichtet – fettreiche Lebensmittel wie Walnüsse, Haselnüsse oder Mandeln können zu massiven Verdauungsbeschwerden, Leberproblemen und Übergewicht führen. Zudem bergen sie ein Erstickungsrisiko. Daher: keine Nüsse füttern!
8 verbreitete Ernährungsmythen über Meerschweinchen im Check
Welches Obst und Gemüse Meerschweinchen fressen dürfen
Vorsicht auch bei vermeintlich gesundem Gemüse und Obst
Auch bei Gemüse gilt: Nicht alles ist geeignet – und manches nur in Maßen. So sollte man etwa bei Kohlarten wie Brokkoli, Chinakohl oder Grünkohl aufpassen, da sie zu Blähungen führen können. Gemüse mit hohem Oxalsäuregehalt wie Mangold, Rote Bete oder Blattspinat darf ebenfalls nur in kleinen Mengen gegeben werden, wenn überhaupt. Tomaten sind nur ohne grünen Stielansatz erlaubt, da dieser giftig ist.
Zwar lieben Meerschweinchen süßes Obst, doch auch hier ist nicht alles geeignet. Bananen, Birnen oder Trauben dürfen nur in kleinen Mengen gefüttert werden, da sie viel Zucker enthalten und Verdauungsstörungen auslösen können. Erdbeeren oder Heidelbeeren hingegen sind geeigneter – hier sollten jedoch Stiele und Blätter entfernt oder geprüft werden. Mehr dazu – inklusive einer Zubereitungsliste für verschiedene Sorten – finden Sie in diesem Artikel: Welches Obst und Gemüse Meerschweinchen fressen dürfen.
Im Gegensatz dazu kann man den Speiseplan von Meerschweinchen aber auch mit Blättern, Ästen oder Kräutern anreichern. Viele frische oder getrocknete Kräuter wie Dill, Basilikum oder Petersilie sind für Meerschweinchen besonders gesund und regen die Verdauung an. Auch frische Äste von Apfel- oder Birnbäumen eignen sich gut zum Nagen und fördern den natürlichen Zahnabrieb. 2
Fazit
Die richtige Ernährung ist für Meerschweinchen überlebenswichtig. Wer unsicher ist, sollte sich vor der Fütterung genau informieren – und im Zweifel lieber auf Nummer sicher gehen. Denn manche Fehler lassen sich nicht mehr rückgängig machen. 3
Zur Autorin
Sich um Tiere zu kümmern, gehört für Louisa Stoeffler einfach zum Leben dazu. Seit frühester Kindheit begleiteten sie Meerschweinchen, Kaninchen, Katzen, Kanarienvögel und Wellensittiche auf ihrem Lebensweg. Seit 2022 schreibt sie darüber auch als Fachredakteurin bei PETBOOK. Besonders am Herzen liegen ihr dabei jene Tiere und Themen, die oft im Schatten der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen – wie die richtige Versorgung und Pflege von Kleintieren. Ihr Ziel: komplexe Zusammenhänge verständlich aufbereiten, Tierschutz stärken und Leserinnen und Leser für die Vielfalt der Tierwelt sensibilisieren.