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Außengehege

Dürfen Kaninchen auch im Winter draußen sein?

Großes braunes Kaninchen im Außengehege
Auch wenn man es anders vermuten würde, frieren kurzhaarige Kaninchen im Winter tatsächlich weniger als langhaarige und können die kalte Jahreszeit auch im Außengehege verbringen Foto: Getty Images
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5. Januar 2026, 9:17 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Neugierig, aktiv und ständig auf Entdeckungstour – Kaninchen lieben es, draußen unterwegs zu sein. Auch in der kalten Jahreszeit können sie im Freien leben, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Doch worauf müssen Halter achten, damit ihre Tiere den Winter gesund überstehen? Der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) geben wichtige Hinweise, wie Kaninchen auch bei Schnee und Frost artgerecht draußen gehalten werden können.

Außenhaltung ist die artgerechteste Haltungsform für Kaninchen – auch im Winter

Viele Kaninchenhalter sind sich nicht sicher, ob sie ihre Tiere im Winter ins Haus holen sollten, oder ob eine ganzjährige Außenstallhaltung machbar ist. Die meisten Kaninchenrassen vertragen Kälte jedoch tatsächlich besser als Hitze. Ihr kuscheliges Fell schützt sie vor eisigen Temperaturen, und das sogar bis zu minus 20 Grad Celsius.

Welche Anforderungen muss das Außengehege erfüllen?

Das Gehege muss in erster Linie ausreichend Platz bieten. Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) sind das mindestens sechs Quadratmeter für zwei Tiere. Für jedes weitere Kaninchen rechnet man mit zusätzlichen 20 Prozent mehr. Um sechs Kaninchen im Winter draußen zu halten, benötigt man also rund 10,8 qm.

Das Gehege sollte einen geschützten und überdachten Bereich und einen eingezäunten Freilauf haben, wo die Kaninchen auch im Schnee herumtollen können und so auch im Winter fit bleiben. Im Gehege wird von Naturböden wie Erde abgeraten, da diese vor allem bei Minusgraden, wenn die Köttel einfrieren und sich mit der Erde zu einer steinharten Pampe vermischen, schwer zu reinigen sind. Besser sind Sandböden oder Rindenmulch, der jedoch zum Schimmeln neigt.

Im überdachten Bereich kann man Stroh, Heu oder Kleintierstreu verteilen. Gerade bei Frost sollte man sehr viel Heu und Stroh einstreuen, damit es die Tiere kuschelig warm haben. Der Boden darunter muss unbedingt dicht sein! Man kann dafür Steinplatten oder PVC verwenden. Von Teichfolie zum Auskleiden sollte man jedoch eher absehen, da diese manchmal giftige Substanzen abgibt, die für Kaninchen problematisch werden können.

Welche Kaninchen nicht im Winter im Außengehege leben sollten

Dennoch gibt es auch Vertreter, die schneller frieren. Dazu zählen etwa ältere Tiere und auch Kaninchen, die nicht zu 100 Prozent gesund und fit sind. Für diese Kaninchen ist eine Überwinterung draußen im Garten über den Winter nicht zu empfehlen. Für gesunde und auch Jungtiere ist die Überwinterung im Garten kein Problem, wenn man auf die Anforderungen eines winterfesten Geheges achtet.  

Welche Kaninchenrassen sind wetterempfindlich?

Auch wenn man es nicht unbedingt vermuten würde: Langhaarrassen sind kälteempfindlicher als Kaninchen mit kurzen Haaren. Ihnen fehlt zumeist die dichte Deckhaarschicht, die Wasser und Schnee abperlen lässt. Ihr Fell absorbiert Nässe nicht besonders gut, sondern saugt sich regelrecht voll. Dementsprechend können sie Körperwärme nicht so gut speichern. Daher frieren langhaarige Kaninchen im Winter draußen schneller. Zu den Kaninchenrassen, die empfindlicher gegen die Witterung sind, gehören:

  • Löwenkopfkaninchen
  • Französisches Angorakaninchen
  • Englisches Angorakaninchen
  • Satin-Angorakaninchen
  • Genter Bartkaninchen
  • Riesenkaninchen
  • Amerikanisches Fuzzy-Lop-Kaninchen
  • Jersey Wooly Kaninchen
  • Fuchskaninchen
  • Jamora harlekinfarbig

Aber auch die kurzhaarigen Rex-Kaninchen sind nicht ganz unempfindlich gegen Kälte und Niederschläge. 1

Kaninchen mit Vorerkrankungen sollten im Winter reingeholt werden

Manche Kaninchen sind aber auch aufgrund von gesundheitlichen Anfälligkeiten für die kalte Jahreszeit im Außengehege weniger geeignet. Dazu zählen ältere Tiere ab etwa fünf Jahren, sehr junge oder trächtige Kaninchen sowie Tiere mit einem geschwächten Immunsystem. Wichtig ist außerdem ein lückenloser Impfschutz gegen Myxomatose und RHD (Rabbit Haemorrhagic Disease), da draußen Kontakt mit Wildkaninchen möglich ist.

Richtiger Zeitpunkt für den Umzug ins Freie

Kaninchen, die bislang ausschließlich in Innenhaltung gelebt haben, sollten nicht abrupt im Winter ins Außengehege umziehen. „Sie sind anpassungsfähig, brauchen aber Zeit, um ihr Immunsystem auf die veränderten Temperaturen einzustellen“, erklärt ZZF-Vorstandsmitglied Leon Schlosser.

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Ebenso müsse sich das Fell nach und nach an das kühlere Klima gewöhnen: „Auch ihr Fell muss sich nach und nach an die kältere Umgebung anpassen, um ausreichend Schutz zu bieten.“ Ideal sei eine Umgewöhnung, solange die Temperaturen tagsüber noch bei über 15 Grad liegen. Ein ständiger Wechsel zwischen warmem Wohnraum und Garten ist dabei zu vermeiden.

Schlosser empfiehlt, die Kaninchen nach draußen zu setzen, wenn die Temperaturen tagsüber noch bei über 15 Grad liegen. Sind die Kaninchen dann im Außengehege, sollte ihr Quartier nicht mehr zwischen beheizter Wohnung und Garten hin- und herwechseln.

Auch interessant: Tipps für eine artgerechte Kaninchenhaltung

Wie das Außengehege für Kaninchen im Winter aussehen sollte

Im Außengehege brauchen Kaninchen nicht nur Auslauf, sondern vor allem einen geschützten Unterschlupf. „Eine gut isolierte, zugluftfreie Schutzhütte als Rückzugsort ist unverzichtbar. Sie sollte Platz für alle Tiere haben, damit sie sich gegenseitig wärmen können“, betont Schlosser. Um die Atemwege zu schonen, empfiehlt es sich, die Eingänge bei eisigem Wetter vorübergehend mit Tüchern abzudecken.

Die Hütte muss nicht groß sein. Im Gegenteil: In einer kleineren Hütte können sich die Tiere in engen Räumen besser aneinanderkuscheln und gegenseitig wärmen. Hat man eine sehr große Gruppe von Kaninchen, kann man mehrere Schutzhütten aufstellen, denn Platz zum Liegen, Fressen und Trinken brauchen die Tiere auf jeden Fall.

Im Handel gibt es auch Katzenhäuschen, die sich genauso gut für Kaninchen eignen. Fertige Kaninchenställe sind dagegen oft nicht gut verarbeitet und man muss nachrüsten. Die Gittertüren der Ställe kann man mit einer Wolldecke schützen, so bekommen die Kaninchen auch weniger Zugluft ab. Von einer Isolierung z. B. mit Styropor ist jedoch eher abzuraten, da dieser die Luftzirkulation verhindert. Das Schutzhäuschen sollte so aufgestellt werden, dass der Eingang nicht in Richtung der Wetterseite liegt.

Saubere Einstreu und sicheres Trinkwasser

Gerade im Winter ist trockene Einstreu wichtig. Sie sollte großzügig verteilt, saugfähig und regelmäßig erneuert werden. „Bitte darauf achten, dass die Einstreu stets trocken ist, damit die Tiere nicht krank werden“, mahnt Schlosser. Zusätzlich schützt eine Schicht Rindenmulch vor Feuchtigkeit und trägt zur Isolierung bei. Bei Kälte ist es sinnvoll, die Einstreumenge zu erhöhen.

Auch regelmäßiges Ausmisten ist Pflicht, damit sich keine Krankheitserreger breitmachen können. Kaninchen lieben Frischfutter und benötigen im Winter eine Extra-Portion Vitamine. Kohl und Zuckerrüben sowie Obst kann man in kleinen Mengen, dafür aber öfter anbieten. Frischfutter kann bei Minustemperaturen einfrieren, deshalb sollte man auch immer Trockenfutter in Form von Heu, Saaten und getrockneten Kräutern geben.

Wasser muss bei Frost mehrmals täglich kontrolliert und ggf. ausgetauscht werden. Von Nippeltränken ist abzuraten, da bei Minustemperaturen die Gefahr besteht, dass die Zunge am Metall festfriert. Am besten hantiert man mit mehreren Näpfen, so besteht die Möglichkeit, den eingefrorenen Napf im Haus schnell wieder aufzutauen. Je größer der Napf ist, umso langsamer gefriert der Inhalt.

Am besten stellt man den Napf einfach auf eine isolierende Unterlage aus Holz oder Kunststoff. Auch zwei unterschiedlich große, ineinandergestellte Näpfe frieren weniger schnell ein. Es gibt aber auch beheizbare Hundenäpfe und elektronische Tränkenwärmer für Hühner im Handel. Diese kann man problemlos für ein Kaninchengehege verwenden, man sollte jedoch sichergehen, dass die Kabel nicht angenagt werden können.  2

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Energiebedarf steigt bei Kälte

Draußen lebende Kaninchen benötigen im Winter mehr Energie. Bereits im Herbst sollte die Ernährung angepasst werden. Hochwertiges, energiereiches Gras unterstützt dabei den Wärmehaushalt und den Stoffwechsel. Zusätzlich können vitamin- und proteinreiche Futterkomponenten die Abwehrkräfte stärken. Tierhalter erhalten Beratung zu geeignetem Winterfutter im Fachhandel.

Anderes Frischfutter sollte jedoch eher in geringen Mengen zugefüttert werden, wie Schlosser betont: „Wichtig ist auch, frisches Obst und Gemüse nur in kleinen Mengen anzubieten, die sofort gefressen werden. Denn gefrorenes oder zu kaltes Futter kann Probleme mit Magen und Darm zur Folge haben.“

Was tun, wenn ein Kaninchen im Außengehege krank wird?

Trotz aller Vorsicht können auch gesunde Tiere im Winter erkranken. Besonders empfindlich sind Atem- und Harnwege. Eine tägliche Kontrolle ist deshalb Pflicht: Verhalten sich die Tiere normal? Fressen und trinken sie ausreichend? Ist das Fell sauber und trocken? Alarmzeichen wie Durchfall oder Nasenausfluss sollten ernst genommen und tierärztlich abgeklärt werden.

Da man im Außengehege weniger Kontakt zu den Tieren hat, sollte man sich also regelmäßig die Zeit nehmen, um sich die Kaninchen genauer anzusehen. Wirkt ein Tier kränklich, sollte man es allerdings auf keinen Fall in den beheizten Wohnraum holen, denn der plötzliche Temperaturunterschied würde seinen Organismus zusätzlich belasten.

Besser ist der Keller, die Waschküche oder ein anderer unbeheizter Raum, um es zu beobachten. Da es für ein Kaninchen Stress bedeutet, ohne seine Artgenossen zu leben, ist es besser, wenn die Gruppe gleich mit in das frostfreie Quartier zieht – vorausgesetzt, das kranke Tier hat keine ansteckende Krankheit.

Quellen

  1. lieblingstier.info, „Fünf Fakten zum Überwintern von Kaninchen“ (aufgerufen am 5.1.2026) ↩︎
  2. kaninchenwiese.de, „Fit und glücklich durch den Winter“ (aufgerufen am 5.1.2026) ↩︎

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