5. Oktober 2025, 0:05 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wenn die Temperaturen fallen, stellen sich viele Tierhalter die Frage: Dürfen Meerschweinchen und Kaninchen im Außengehege bleiben oder ist das Risiko zu groß? Die Antwort: Mit der richtigen Vorbereitung ist eine Überwinterung draußen durchaus möglich – aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Wer Fehler macht, riskiert das Leben seiner Tiere.
Schutz vor Kälte und Nässe ist überlebenswichtig
Meerschweinchen und Kaninchen sind artfremd und verstehen sich untereinander nicht besonders gut. Hält man beide Arten in einem Gehege, sollte dies groß genug sein, dass sie sich auch einmal aus dem Weg gehen können. Außerdem ersetzen sie einander nicht die Kommunikation unter Artgenossen. Meerschweinchen sowie Kaninchen sollten daher immer in innerartlicher Gruppenhaltung leben dürfen – mindestens zu zweit, besser noch in einer größeren Gruppe.
Bei entsprechender Gewöhnung und Gesundheit können Meerschweinchen und Kaninchen aber problemlos ganzjährig im Außengehege gehalten werden – sogar bei Minusgraden. Wichtig ist allerdings eine wetterfeste und isolierte Unterkunft. „Die Tiere brauchen ein großes Gehege, das sowohl im Sommer bei Hitze als auch im Winter bei Kälte Schutz bietet“, sagt Hester Pommerening vom Deutschen Tierschutzbund.
Damit die Tiere nicht frieren, ist ein geschützter, trockener Schlafplatz unerlässlich. „Das Schlafhaus besteht am besten aus einer Doppelwand aus Holz, die dazwischen eine Dämmschicht enthält, zum Beispiel aus Styropor oder Korkplatten“, erklärt Pommerening. Um Kälte von unten fernzuhalten, empfiehlt sie außerdem, das Häuschen auf Paletten zu stellen und mit reichlich Stroh auszupolstern.
Rückzugsorte für jedes Tier
„Gerade in Gruppenhaltung sind mehrere Häuschen wichtig, damit rangniedere Tiere nicht verdrängt werden und jederzeit einen warmen Rückzugsort haben“, betont Pommerening.
Zusätzlich muss das Gehege an einem geschützten Ort stehen, etwa an einer Hauswand oder Hecke, um Wind abzuhalten. Lüftungsschlitze oder kleine Gitteröffnungen sorgen dafür, dass verbrauchte Luft entweicht, ohne dass Zugluft entsteht. Vollständig dicht sollte es aber nicht sein, sonst droht die Gefahr, dass sich Feuchtigkeit staut und Schimmel bildet. „Auch feuchtes Stroh oder Heu muss umgehend entfernt und durch trockenes Material ersetzt werden.“
Was tun bei Dauerfrost?
Sinken die Temperaturen über längere Zeit deutlich unter null Grad Celsius, braucht es zusätzliche Maßnahmen. „In solchen Phasen muss man den Tieren zusätzliche Wärmequellen in Form von dicker Einstreu und guter Isolation anbieten“, sagt Hester Pommerening. Auch Wärmekissen können dann sinnvoll sein.
Wichtig ist, dass die Tiere ihr Winterfell rechtzeitig entwickeln können. Dafür sollten sie bereits ab dem Sommer durchgehend draußen leben. Denn eine plötzliche Umstellung von Meerschweinchen und Kaninchen auf eine Haltung im herbstlichen Außengehege ist für den Organismus zu belastend.
Ställe selbst bauen hat Vorteile
Viele Halter entscheiden sich dafür, die wintertaugliche Unterkunft selbst zu bauen. Das hat mehrere Vorteile: Größe und Ausstattung lassen sich individuell anpassen, und mit etwas Erfahrung entstehen stabile und gut isolierte Behausungen. „Mit etwas handwerklichen Geschick entstehen aus Holz, Dämmmaterial und wetterfesten Platten robuste, wintertaugliche Behausungen“, sagt Pommerening.
Fertige Modelle aus dem Handel erfüllen die Anforderungen hingegen oft nicht. „Oft sind sie zu klein oder nur für milde Temperaturen ausgelegt, sodass für den Winter nachgebessert werden muss.“
Dürfen Kaninchen auch im Winter draußen sein?
Das sollte man bei der Außenhaltung von Meerschweinchen beachten
Energiebedarf steigt im Winter
Heimtier-Expertin Sabrina Karl von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten weist auf eine weitere Herausforderung hin: Wenn es kalt ist, friert das Trinkwasser schnell ein, das die Tiere ständig brauchen. „Beheizbare Trinknäpfe, die über Strom und Solarmodule betrieben werden, verhindern, dass das Wasser einfriert“, sagt sie.
Die Kälte kostet zudem Kraft und Energie, weshalb Kaninchen und Meerschweinchen im Winter mehr Nahrung brauchen. „Sie müssen energiereiches Futter aufnehmen“, sagt Karl. Zur Winterfütterung von Kaninchen eignen sich Bittersalate wie Chicorée und Endivie, Küchenkräuter wie Petersilie und blättriger Kohl.
Auch Meerschweinchen brauchen im Winter viel Frischfutter. „Dazu gehört unter anderem Gemüse wie Gurken und Karotten, Salate und diverse Kräuter.“ Damit das Frischfutter nicht einfriert, empfiehlt es sich, mehrmals pro Tag kleine Portionen zu füttern.
Nicht jedes Tier ist für den Winter draußen geeignet
Nicht alle Tiere sollten im Winter draußen bleiben. „Grundsätzlich wird empfohlen, dass nur gesunde Tiere draußen gehalten werden sollen“, sagt Sabrina Karl. Alte, kranke oder geschwächte Tiere sind im Haus oft besser aufgehoben. „Bei Kälte und Nässe können abwehrgeschwächte Tiere schneller krank werden.“ Ein Tierarzt kann helfen, einzuschätzen, ob ein Tier fit genug ist für die Außenhaltung im Winter.
Besonders heikel ist es, wenn in der kalten Jahreszeit ein Tier stirbt und das zurückgebliebene einen neuen Partner braucht. „Das Tier in der Außenhaltung darf nicht spontan in die Wohnung geholt werden und das andere muss nach und nach an die Außentemperatur gewöhnt werden“, sagt Karl. Ein neues Tier sollte deshalb in der kalten Jahreszeit unbedingt bereits an die Außenhaltung gewöhnt sein.
Mit Material der dpa
