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Studie zeigt

Unsere Stimmung beeinflusst, wie wir Katzen und ihre Emotionen wahrnehmen

Orangene Katze liegt auf brauner Decke
Wie würden Sie die Emotion dieser Katze bewerten? Eine neue Studie zeigt, dass Tiere dies stark vom Kontext abhängt – zum Beispiel, ob die Katze drinnen oder draußen gezeigt wird. Foto: Getty Images
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

4. Dezember 2025, 13:56 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Katzen gelten als mysteriöse Haustiere: unabhängig, schwer zu lesen, manchmal sogar unnahbar. Doch eine neue wissenschaftliche Studie zeigt nun, dass nicht unbedingt Katzen schwer zu verstehen sind – sondern wir Menschen. Denn unsere Einschätzung, wie sich eine Katze gerade fühlt, hängt offenbar viel stärker von Kontext, Umgebung und unserer eigenen Stimmung ab, als bislang angenommen.

Selbst erfahrene Katzenfreunde schätzen Katzen oft falsch ein

Wie wir unsere Katzen im Alltag wahrnehmen, beeinflusst ganz direkt unseren Umgang mit den Tieren. Es ist etwa entscheidend dafür, ob wir Stress- oder Krankheitsanzeichen erkennen, Verhalten korrekt interpretieren oder missdeuten, aber auch, ob wir unserer Katze Freigang gewähren.

Frühere Untersuchungen zeigten bereits, dass Katzenhalter oft Schwierigkeiten haben, die Emotionen ihrer Tiere zuverlässig zu lesen. So konnte erst kürzlich eine Studie aus Australien nachweisen, dass selbst erfahrene Katzenfreunde oft frühe Warnsignale von Stress oder Unwohlsein, vor allem beim Spielen (PETBOOK berichtete), übersehen. Die neue Studie aus den USA liefert nun erstmals experimentelle Belege dafür, wie stark äußere Faktoren diese Wahrnehmung verzerren können.

Gleiche Katzen – anderer Hintergrund

Die Studie wurde im Dezember 2025 im wissenschaftlichen Fachmagazin „Anthrozoös“ veröffentlicht. Im Zentrum steht eine einfache, aber verblüffende Frage: Kann sich unsere Bewertung der Katzenstimmung ändern, obwohl wir exakt die gleiche Katze sehen – nur in einer anderen Umgebung?

Um das herauszufinden, zeigte das Forschungsteam 665 Teilnehmern Bilder von zwölf Katzen, die sie alle mehrfach präsentierten – jedoch mit KI-generierten Hintergründen von einem Innen- oder Außenbereich.

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Die Teilnehmer sollten sowohl das vermutete emotionale Befinden der Katze als auch ihre eigene Stimmung beim Betrachten einschätzen. Schon diese Herangehensweise machte die Untersuchung besonders spannend: Sie kontrollierte zum ersten Mal experimentell, wie sehr Kontext unsere Interpretation tierischer Emotionen beeinflusst.

Die zentrale Erkenntnis: Menschen bewerteten Katzen durchweg positiver, wenn sie die Tiere in einem Innenraum sahen – selbst wenn sie eigentlich der Meinung waren, Katzen sollten draußen frei herumlaufen dürfen.1

Drinnen vs. Draußen

Für die Datenerhebung erfassten die Forscher folgende Parameter:

  1. 24 Bilder pro Person, jeweils die gleichen Katzen in unterschiedlichen Kontexten.
  2. Drinnen vs. Draußen per KI-Hintergrund.
  3. Emotionale Selbsteinschätzung der Teilnehmenden wurde separat abgefragt.
  4. Zusätzliche Faktoren wie Katzenbesitz, persönliche Erfahrungen und Überzeugungen zur Freiganghaltung wurden statistisch berücksichtigt.

Daraus ergaben sich insgesamt 665 vollständig ausgewertete Befragungen, die in die Ergebnisse einflossen.

Katzen in Innenräumen oder mit schwarzem Fell wirken „glücklicher“

Die Resultate sind in ihrer Deutlichkeit überraschend:

  1. Innenräume führen zu positiveren Bewertungen: Menschen bewerteten Katzen deutlich positiver, wenn sie in Innenräumen gezeigt wurden. Selbst Personen, die überzeugt sind, dass Katzen auf jeden Fall Freigang erhalten sollten, gaben Tieren in Innenräumen bessere „emotionale Noten“.
  2. Außenbilder wurden mit größerer Erregung („Arousal“) verbunden: Katzen im Freien wurden häufiger als wacher, angespannter oder energetischer beschrieben.
  3. Der eigene Gemütszustand wirkt direkt auf die Katzeneinschätzung: Wer sich beim Betrachten eines Bildes selbst gut fühlte, stufte dieselbe Katze später ebenfalls als positiver gestimmt ein. Das ist ein starker Hinweis auf emotionale Projektion.
  4. Katzenbesitzer bewerteten Tiere häufiger mit „Positiv“
  5. Fellfarbe beeinflusst die Wahrnehmung – und bricht Klischees: Teilnehmende hielten schwarze Katzen für emotional positiver gestimmt als orangefarbene oder getigerte Tiere. Das widerspricht klassischem Aberglauben und zeigt, wie wandelbar stereotype Wahrnehmungen sein können.

Subtile Umweltsignale beeinflussen, wie Menschen Katzenemotionen interpretieren

„Unsere Forschung zeigt, dass selbst subtile Umweltsignale beeinflussen können, wie Menschen Katzenemotionen interpretieren“, ordnet Monique Udell, Professorin an der Oregon State University und Hauptautorin der Studie, die Ergebnisse in einer Pressemitteilung der Universität ein. „Das Verständnis dieser Wahrnehmungen ist wichtig für die Mensch-Katzen-Interaktion und das Wohlergehen von Katzen.“

Da die Bilder KI-generierte Hintergründe verwendeten, bleibt offen, ob andere, realistische Kontexte dieselben Effekte erzeugen würden. Zudem analysierten die Forscher nur die Wahrnehmung der Betrachter – nicht die tatsächliche Emotion der Tiere.

Gleichzeitig bietet die große Stichprobe und das kontrollierte Studiendesign eine hervorragende Grundlage, um die Rolle von Kontext in der tierischen Emotionswahrnehmung weiter zu erforschen. Damit stellt diese Untersuchung einen wichtigen Schritt hin zu einem besseren, sensibleren Verständnis von Katzen dar.

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Bedeutung für Alltag und Tierschutz

„Am Ende des Tages beeinflussen unsere Wahrnehmungen, wie wir bewerten, was Katzen uns kommunizieren, wie wir uns um sie kümmern“, schlussfolgert Udell. Herausforderungen bei der Interpretation und dem Umgang mit dem Katzenverhalten in Haushalten können zu Frustration oder übersehenen Gesundheitsproblemen führen und seien eine der Hauptursachen dafür, dass Katzen in Tierheimen landen, so die Wissenschaftlerin. Folglich sei die Wahrnehmung der Bedürfnisse, des Verhaltens und des emotionalen Zustands von Menschen entscheidend für das Wohlergehen der Katzen und die Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Die Ergebnisse könnten künftig genutzt werden, um:

  • Tierhalter besser zu schulen,
  • Tierheimfotos zu optimieren (Indoor-Hintergründe steigern Adoptionserfolg),
  • visuelle Kommunikation über Tiere zu verbessern,
  • Emotionserkennung in der Katzenforschung neu zu denken.

Fazit: Katzenkommunikation beginnt bei uns selbst

Die Studie zeigt klar: Wir interpretieren Katzemotionen nicht nur aus dem, was die Tiere zeigen – sondern aus dem, was wir selbst fühlen und aus dem Umfeld, das wir sehen. Ob Indoor-Hintergrund, Fellfarbe, Freigang-Überzeugungen oder die eigene Gefühlslage:
All diese Faktoren prägen, wie wir die Stimmung einer Katze einschätzen.

Für Katzenhalter bedeutet das: Wer seine Katze wirklich verstehen möchte, sollte nicht nur auf die Mimik und Körpersprache achten, sondern auch auf sich selbst. Denn manchmal liegt die größte Verzerrung im eigenen Blick.

Quellen

  1. Puitiza, A., Molinaro, H. G., Barrios, F., Vitale, K. R., Darling, S., Frank, D. H., & Udell, M. A. R. (2025). „Contextual Cues Influence Human Perception of Cat Emotion“. Anthrozoös, 38(6), 955–970. https://doi.org/10.1080/08927936.2025.2578074 ↩︎

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