6. März 2026, 17:51 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Warum leiden Hauskatzen so häufig an chronischer Nierenerkrankung – und das oft schon lange, bevor sie alt sind? Eine Studie liefert nun einen überraschenden Hinweis. Forscher der University of Nottingham haben eine bislang wenig beachtete Besonderheit im Stoffwechsel von Katzen entdeckt, die langfristig durch ein bestimmtes Fett zur Schädigung der Nieren beitragen könnte.
Seltene Fettstrukturen in Katzen-Nieren entdeckt
Fett in der Niere gilt beim Menschen meist als Warnsignal für Stoffwechsel- oder chronische Erkrankungen. Bei Katzen hingegen wurden Fetttröpfchen in den Nierenzellen jahrzehntelang als „Zufallsbefund“ abgetan – ohne krankhafte Bedeutung. Die Studie zeigt nun: Diese Fettdepots sind nicht nur besonders häufig, sondern bestehen aus ungewöhnlichen, teils seltenen Lipiden. Könnte dieses spezielle Fettprofil also eine Erklärung dafür liefern, warum Katzen so oft an chronischer Nierenerkrankung leiden?
Das Forschungsteam um Rebecca A. Brociek und David S. Gardner von der University of Nottingham hat sich die Lipidzusammensetzung in Katzen-Nieren umfassend angeschaut. Frühere Arbeiten zeigten, dass bis zu 79 Prozent älterer Katzen Fettansammlungen in der Niere aufweisen; sogar 25 Prozent der 1- bis 5-jährigen Tiere waren betroffen. Dennoch fehlte bislang eine detaillierte chemische Charakterisierung dieser Fette. Die Arbeit erschien im Februar 2026 im Fachmagazin „Frontiers in Veterinary Science“.
Verglichen wurden Hauskatzen, Haushunde sowie Schottische Wildkatzen. Ziel war es, erstmals präzise zu klären, welche Fette sich in den Nierenzellen – genauer: in den Epithelzellen der proximalen Nierentubuli – ansammeln und ob sich diese Zusammensetzung zwischen Arten und im Zusammenhang mit chronischer Nierenerkrankung unterscheidet.
Ether-Bindungen als mögliche Ursache
Das Forschungsteam hat auffällige biologische Eigenheiten bei Hauskatzen identifiziert. Katzen – sowohl Haus- als auch Wildkatzen – wiesen deutlich höhere Fettanteile im Nierenkortex auf als Hunde. In der detaillierten Lipidanalyse zeigte sich: Bei Katzen machten seltene modifizierte Triglyceride, auch Speicherfette genannt, etwa 71,6 Prozent (Hauskatzen) beziehungsweise 71,8 Prozent (Wildkatzen) der Gesamtlipide aus, bei Hunden dagegen nur 39,4 Prozent.
Besonders auffällig war bei nahezu allen erwachsenen Hauskatzen (23 von 24 Tieren) ein zusätzliches, zuvor nicht eindeutig identifiziertes Lipidband. Dies war bei Hunden nicht nachweisbar und bei Wildkatzen nur gelegentlich schwach ausgeprägt.
Anders als Hunde und die meisten anderen Säugetiere lagern Katzen die ungewöhnlichen Fette in den Zellen ihrer Nieren ein – teilweise bereits sehr früh. Bei diesen speziellen Fetten handelt es sich um die häufigste Fettform im Körper, die der Speicherung überschüssiger Energie aus der Nahrung dient.
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Hoffnung auf Prävention durch angepasste Ernährung
Dr. Brociek erklärte in einer Mitteilung: „Warum sich diese ungewöhnlichen Fette bereits in jungen Jahren in den Nieren von Hauskatzen ansammeln, könnte einen wichtigen Hinweis darauf geben, warum Hauskatzen besonders anfällig für chronische Nierenerkrankungen sind, eine der häufigsten und schwerwiegendsten Erkrankungen älterer Katzen.“
In der Humanmedizin gilt die Einlagerung von Fett in Nicht-Fettgewebe – sogenanntes „ektopes Fett“ – als problematisch. Solche Fettablagerungen können Zellen schädigen („Lipotoxizität“) und sind mit Erkrankungen wie der chronischen Nierenerkrankung (CKD) verknüpft. Häufig auch mit Zellstress, Entzündung und Fibrose (narbiger Umbau von Gewebe).
Bei Katzen hingegen werden Fetttröpfchen in den Nierenzellen und Fett im Urin (Lipurie) traditionell als harmlos angesehen. Hauskatzen haben allerdings im Alter eine hohe CKD-Rate. Besonders die chronische interstitielle Nephritis (CIN) – eine entzündlich-fibrotische Veränderung des Nierenzwischengewebes – gilt als typisches Merkmal. Somit scheint die ektopische Anlagerung von Fett eine wahrscheinliche Ursache für Nierenleiden bei Millionen von Katzen zu sein.
Zusammenhänge müssen weiter untersucht werden
Die Studie überzeugt durch den Einsatz mehrerer komplementärer Hochtechnologie-Verfahren, die eine detaillierte Lipiduntersuchung erlauben. Allerdings handelt es sich um eine Querschnittsuntersuchung von Gewebeproben. Ein kausaler Zusammenhang zwischen den speziellen Lipiden und der Entstehung von CKD wurde nicht experimentell bewiesen, sondern zunächst als Hypothese formuliert. Zudem variierte die Anzahl der untersuchten Tiere je nach Methode.
Die Ergebnisse legen allerdings nahe, dass die bei Katzen als „harmlos“ geltende Lipidansammlung möglicherweise ein früher Schritt in Richtung chronischer Nierenerkrankung sein könnte. Die Arbeit eröffnet somit eine neue Perspektive auf ein lange unterschätztes Phänomen. 1
Professor Gardner sagte zu den möglichen Folgen der Entdeckung: „Wir sind zuversichtlich, dass wir bald verstehen werden, warum sich diese ungewöhnlichen Fette bei Hauskatzen ansammeln – wir müssen nur noch die Beweise dafür sammeln. Wenn sich dies bestätigt, könnten wir unserer Meinung nach ein Ergänzungsmittel oder eine modifizierte Ernährung entwickeln, um die Ansammlung dieser ungewöhnlichen Lipidstrukturen zu verhindern, was letztlich der langfristigen Gesundheit unserer Haustiere zugutekommen würde.“