28. September 2025, 8:54 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Der Grüne Star – in der Fachsprache Glaukom genannt – ist eine ernsthafte Augenerkrankung, die auch Katzen betreffen kann. Dabei steigt der Druck im Inneren des Auges an und schädigt den Sehnerv. Wird die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann sie zu irreversibler Blindheit führen. Weil Katzen Schmerzen oft gut verbergen, bleibt ein Glaukom bei ihnen leider häufig lange unentdeckt.
Wie entsteht der Augendruck und ab wann ist er erhöht?
Das Auge enthält eine klare Flüssigkeit, das sogenannte Kammerwasser. Es wird im Inneren des Auges gebildet, versorgt wichtige Strukturen mit Nährstoffen und fließt normalerweise über feine Kanäle wieder ab. Gerät dieses Gleichgewicht aus Produktion und Abfluss durcheinander, steigt der Innendruck des Auges. 1
Bei gesunden Katzen liegt der normale Augeninnendruck im Bereich von etwa 10 bis 25 mmHg. Werte über 30 mmHg gelten als krankhaft erhöht und können bereits zu Schäden am Sehnerv führen.2
Wie zeigt sich ein Grüner Star bei Katzen?
Die Symptome sind oft unscheinbar und entwickeln sich schleichend. Typische Anzeichen können sein:
- erweiterte, träge Pupillen (Mydriasis)
- eine Trübung oder bläuliche Färbung der Hornhaut
- ein auffallend großes oder hervortretendes Auge (Buphthalmus)
- unterschiedliche Pupillengrößen
- Rötung der Bindehaut
- plötzlich auftretende Blindheit
Auch Verhaltensänderungen wie Rückzug, verminderte Aktivität oder Aggression können ein Hinweis auf Schmerzen sein.3
Die zwei Typen des Grünen Stars
Beim Grünen Star von Katzen unterscheidet man zwischen einem primären und einem sekundären Glaukom. 4
- Das primäre Glaukom ist bei Katzen selten, kann aber aufgrund angeborener Veränderungen im Auge auftreten, die den Abfluss des Kammerwassers behindern. Bestimmte Rassen wie Siamkatzen, Burmesen oder Perser scheinen hierfür anfälliger zu sein.
- In den allermeisten Fällen handelt es sich jedoch um ein sekundäres Glaukom. Dieses entsteht als Folge anderer Erkrankungen oder Verletzungen am Auge – etwa durch chronische Entzündungen, Tumoren, eine verrutschte Linse oder nach traumatischen Ereignissen.
Ursachen
Die Ursachen für ein Glaukom bei Katzen sind vielfältig, wobei sekundäre Formen deutlich häufiger vorkommen als primäre. Am häufigsten ist eine chronische Uveitis, also eine anhaltende Augenentzündung, die unter anderem durch Infektionskrankheiten wie FIV, FeLV oder FIP ausgelöst werden kann. Auch Tumoren im Auge, zum Beispiel Iris-Melanome oder Lymphome, können den Abfluss des Kammerwassers behindern und so den Augendruck erhöhen.
Weitere mögliche Auslöser sind Verletzungen mit Blutungen im Auge oder eine sogenannte Linsenluxation, bei der sich die Linse verschiebt und den Abflussweg blockiert. Seltener führen angeborene Fehlbildungen oder das sogenannte Aqueous Humor Misdirection Syndrome, bei dem das Kammerwasser in den Glaskörper fehlgeleitet wird, zur Entwicklung eines Glaukoms. 5
Haben Katzen mit einem Glaukom Schmerzen?
Ja – auch wenn man es ihnen oft nicht ansieht. Viele Katzen mit Grünem Star wirken nur ruhiger, ziehen sich zurück oder vermeiden Berührungen am Kopf. Menschen mit Glaukom beschreiben den Druckschmerz als dauerhaften Kopfschmerz oder Migränegefühl – man kann also davon ausgehen, dass auch Katzen erhebliche Beschwerden haben.6
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose stellt die Tierärztin oder der Tierarzt durch eine gründliche Augenuntersuchung, insbesondere mit Tonometern, die den Augeninnendruck messen. Weitere Methoden wie Ophthalmoskopie oder Ultraschall helfen, die Ursache zu klären.
Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium und der Ursache:7
- Medikamente: vor allem Augentropfen mit Carboanhydrasehemmern (z. B. Dorzolamid), die die Flüssigkeitsproduktion im Auge reduzieren. Häufig in Kombination mit Betablockern (z. B. Timolol).
- Entzündungshemmende Mittel: Cortison oder NSAIDs bei gleichzeitiger Uveitis.
- Notfalltherapie: In akuten Fällen kann ein Infusionstropf mit Mannitol den Druck schnell senken.
- Operationen: Wenn Medikamente nicht mehr wirken, kann eine Enukleation (Entfernung des Auges) notwendig sein. Das klingt drastisch, ist aber für die Katze eine effektive Möglichkeit, schmerzfrei weiterzuleben. In seltenen Fällen kommen auch Drainage-Implantate oder Laserbehandlungen infrage.
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Verlauf der Krankheit und Heilungsprognose
Die Prognose hängt stark von der Ursache und dem Zeitpunkt der Diagnose ab: Wird der Grüne Star bei Katzen frühzeitig erkannt, kann das Sehvermögen manchmal teilweise erhalten bleiben. In den meisten Fällen ist das Sehvermögen aber bereits stark eingeschränkt, wenn die Krankheit entdeckt wird. Blindheit lässt sich dann nicht mehr rückgängig machen. Doch auch wenn die Katze erblindet, kann sie mit der richtigen Betreuung ein gutes Leben führen – wichtig ist vor allem die Schmerzfreiheit.8
Fazit
Der Grüne Star ist bei Katzen eine ernste, schleichende Augenerkrankung, die häufig erst spät bemerkt wird. Da sie oft sekundär durch andere Krankheiten entsteht, ist eine gründliche Abklärung durch die Tierärztin oder den Tierarzt entscheidend. Zwar lässt sich verlorenes Sehvermögen nicht zurückholen, aber mit der richtigen Therapie können Schmerzen gelindert und die Lebensqualität für die Tiere deutlich verbessert werden. Für Halter gilt: Schon kleine Veränderungen am Auge sollten ernst genommen und sofort tierärztlich untersucht werden.