28. April 2026, 17:10 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Katzen haben ganz unterschiedliche Weisen, ihre Menschen zu begrüßen, wenn diese nach Hause kommen. Bisher gab es zu diesem Verhalten aber kaum Untersuchungen. Eine neue Studie hat daher genau hingeschaut, und das in der gewohnten Umgebung der Tiere: dem eigenen Zuhause. Besonders spannend: Nicht nur zeigen Katzen unterschiedliche Verhaltensmuster beim Wiedersehen – sie miauen auch häufiger, wenn ein Mann zur Tür hereinkommt. Was steckt hinter dieser besonderen Dynamik zwischen Mensch und Tier?
Bisher kaum erforscht, wie Katzen Menschen begrüßen
Begrüßungsverhalten erfüllt bei Tieren wichtige soziale Funktionen: Es signalisiert friedliche Absichten, reduziert Spannungen und stärkt soziale Bindungen. Katzen galten ursprünglich als Einzelgänger. Heute wissen wir, dass sie stabile soziale Beziehungen zu Artgenossen – und ebenso zu Menschen – aufbauen können. Studien zeigen, dass Katzen nicht nur auf Blickkontakt oder Körperhaltung reagieren, sondern auch auf Sprache, Stimme und Tonlage ihrer Menschen.
Dennoch sind die Forschungsergebnisse zum Begrüßungsverhalten bislang lückenhaft. Oft beruhen sie auf Umfragen, deren Aussagekraft durch subjektive Wahrnehmung begrenzt ist. Diese Studie will das ändern: Sie basiert auf systematischen Videoanalysen von echten Begegnungen zwischen Katze und Halter nach einer Trennung – beispielsweise nach der Rückkehr von der Arbeit.
Forscher untersuchten echte Alltagssituationen
Ein türkisches Forschungsteam um Yasemin S. Duman von der Boğaziçi Üniversitesi in Istanbul wollte diese Lücken schließen und hat untersucht, wie Hauskatzen ihre Besitzerinnen und Besitzer begrüßen. Dabei wollten sie herausfinden, welche Faktoren dieses Verhalten beeinflussen.
Die Studie wurde von 2022 bis 2024 durchgeführt und im November 2025 im Fachmagazin „Ethology“ veröffentlicht. Im Fokus stand das natürliche Verhalten von 31 Hauskatzen, aufgezeichnet in echten Alltagssituationen – also ohne künstliche Tests oder Fragebögen. Das Ziel der Forscher war es, besser zu verstehen, wie komplex und vielschichtig die soziale Kommunikation zwischen Katze und Mensch tatsächlich ist.1
Analyse umfasste 22 klar definierte Verhaltensweisen
Die Studie analysierte das Begrüßungsverhalten von 31 Hauskatzen in ihrer gewohnten Umgebung. Dazu wurden insgesamt fünfminütige Videos aufgenommen – unmittelbar, nachdem der Halter oder die Halterin nach Hause gekommen war. Bewertet wurden jedoch immer nur die ersten 100 Sekunden pro Video.
Die Analyse umfasste 22 klar definierte Verhaltensweisen – von Körperhaltungen (wie „Schwanz aufrecht“) über Lautäußerungen bis hin zu Annäherung oder Zurückweichen. Sowohl Häufigkeit als auch Dauer der einzelnen Verhaltensweisen wurden erfasst. Ziel war es, Zusammenhänge zwischen bestimmten Verhaltensmustern aufzudecken und diese mit demografischen Faktoren wie Geschlecht des Halters oder Alter der Katze abzugleichen.
In Haushalten mit mehreren Katzen wurde nur das Verhalten des zuerst begrüßten Tieres analysiert. Die Auswertung erfolgte mithilfe der Software BORIS durch eine erfahrene Verhaltensforscherin. Für die Teilnahme war eine Mindestbeziehung von sechs Monaten zwischen Mensch und Katze Voraussetzung, und es lag eine ethische Genehmigung der Universität vor.
Katzen miauten signifikant häufiger, wenn ein Mann zur Tür hereinkam
Die Analyse ergab zwei auffällige Verhaltenscluster:
- Soziale Annäherung (z. B. Schwanz aufrecht, Annähern, Reiben am Menschen) trat häufig gemeinsam auf – ein Hinweis auf ein kohärentes, freundliches Begrüßungsverhalten.
- Daneben zeigten sich sogenannte „Übersprungshandlungen“, also Verhaltensweisen wie Gähnen, Körper-Schütteln oder Selbstlecken, die meist in Situationen mit innerem Konflikt oder Anspannung auftreten.
Diese beiden Cluster – freundlich-sozial versus selbstberuhigend – waren deutlich voneinander getrennt. Futterbezogene Aktivitäten wie das Aufsuchen des Napfs zeigten keine Verbindung zu den anderen Mustern.
Überraschend: Der einzige demografische Faktor mit Einfluss war das Geschlecht des Menschen. Katzen miauten signifikant häufiger, wenn ein Mann zur Tür hereinkam – und das unabhängig vom Geschlecht oder Alter der Katze, ihrer Rasse oder der Anzahl an Katzen im Haushalt. Alle anderen untersuchten Faktoren – wie Alter oder Stammbaumstatus der Katze – hatten keinen messbaren Einfluss auf das Begrüßungsverhalten.
Fordern Katzen bei Männern durch Miauen Aufmerksamkeit ein?
Diese Ergebnisse bestätigen, dass das Begrüßungsverhalten von Katzen nicht eindimensional ist, sondern aus unterschiedlichen Verhaltenskomponenten besteht. Die Kombination aus Annäherung, Reiben und aufrechter Schwanzhaltung spiegelt ein vertrautes, soziales Verhalten wider – vermutlich Ausdruck einer positiven Mensch-Tier-Beziehung.
Dagegen deuten die selbstgerichteten Verhaltensweisen auf eine mögliche innere Anspannung hin, die jedoch nicht unbedingt negativ sein muss: Sie könnten der Selbstregulation dienen oder ein Mittel sein, um die Aufmerksamkeit des Menschen subtil zu lenken. Die Tatsache, dass Futterverhalten keine Verbindung zu Begrüßungssignalen zeigt, spricht dafür, dass es beim Wiedersehen tatsächlich um soziale Interaktion geht – nicht um Nahrungsbeschaffung.
Dass Katzen gegenüber männlichen Bezugspersonen stärker vokalisieren, könnte auf Unterschiede in der Mensch-Tier-Kommunikation hindeuten. Männer interagieren möglicherweise weniger sprachlich mit Katzen – was dazu führt, dass die Tiere aktiver nach Aufmerksamkeit rufen. Auch kulturelle Aspekte könnten eine Rolle spielen, da alle Teilnehmer der Studie aus der Türkei stammten.
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Kleine Stichprobe und Einfluss kultureller Eigenheiten
Die Studie liefert wertvolle Einblicke, ist aber in ihrer Aussagekraft begrenzt. Die Stichprobengröße (31 Katzen) ist relativ klein, was die Verallgemeinerbarkeit einschränkt. Auch wurden bestimmte Faktoren – etwa die Dauer der Abwesenheit des Menschen oder der Futterzustand der Katze – nicht standardisiert erfasst. Zudem stammten alle Teilnehmer aus einem einzigen Land, wodurch kulturelle Eigenheiten das Verhalten beeinflusst haben könnten. Die Tatsache, dass fast alle Katzen adoptiert und nicht gekauft wurden, schränkt ebenfalls die Übertragbarkeit ein.
Positiv hervorzuheben sind jedoch die natürliche Umgebung der Beobachtung – das Zuhause der Tiere – sowie die objektive Verhaltensanalyse anhand etablierter Kriterien. Die Methodik verzichtet auf subjektive Einschätzungen der Halter und erhöht damit die Aussagekraft im Hinblick auf das tatsächliche Verhalten der Tiere. Künftige Studien mit größeren und kulturell vielfältigeren Stichproben könnten dazu beitragen, die Rolle von Geschlecht, Kultur und Mensch-Tier-Interaktion noch genauer zu verstehen.
Fazit: Begrüßung ist bei Katzen sozial motiviert
Katzen zeigen beim Wiedersehen mit ihren Menschen komplexe, fein abgestimmte Verhaltensmuster – von freundlicher Annäherung bis zu möglichen Stresssignalen. Die Studie bestätigt, dass es sich um sozial motiviertes Verhalten handelt, das nicht allein durch Futtererwartung erklärt werden kann.
Besonders bemerkenswert: Katzen miauen häufiger, wenn Männer nach Hause kommen. Dies könnte auf geschlechtsspezifische Unterschiede in der Mensch-Tier-Kommunikation hinweisen. Für Tierhalter bedeutet das: Aufmerksamkeit für feine Signale lohnt sich – sie helfen, das Verhalten der eigenen Katze besser zu verstehen. Die Ergebnisse liefern eine solide Grundlage für weitere Forschung und zeigen, wie wichtig direkte Beobachtung im natürlichen Umfeld ist.
