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Beutegreifer vs. Fluchttier

Kann man Katzen und Kaninchen zusammen halten? Redakteurin gibt Tipps

Eine Katze beschnüffelt ein Kaninchen
Katzen und Kaninchen dürfen in der Natur eher in einem Räuber-Beute-Verhältnis leben. Hält man beide als Haustier, sollte man daher einiges beachten. Foto: picture alliance / blickwinkel / N. Eckelt
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

22. September 2025, 16:55 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Kaninchen und Katzen gehören unterschiedlichen Tierarten an – und doch teilen sie sich in vielen Haushalten das Revier. Doch wie gelingt es, diese beiden Tiere aneinander zu gewöhnen? Eins vorweg: Eine echte Freundschaft lässt sich nicht erzwingen. Dennoch gibt es Strategien, mit denen sich zumindest ein friedliches Miteinander erreichen lässt, wie PETBOOK-Redakteurin Louisa Stoeffler, die lange Zeit Kaninchen und Katze zusammen hielt, weiß.

Erste Begegnungen – Vorsicht und Rückzug

Ein Kaninchen und eine Katze, friedlich nebeneinander auf dem Sofa – eine niedliche Vorstellung, die viele Haustierfreunde begeistert. Doch wie realistisch ist dieses Bild? Wer darüber nachdenkt, eine Katze mit kleineren Tieren wie Meerschweinchen, Hamstern, Vögeln oder eben Kaninchen zusammenleben zu lassen, muss vor allem eines beachten: den natürlichen Jagdinstinkt der Katze. Mit der richtigen Vorbereitung und realistischen Erwartungen ist ein friedliches Zusammenleben dennoch möglich.

Ich habe viele Jahre Kleintiere gehalten, vor allem Meerschweinchen und Kaninchen. Später kam zu meiner tierischen Menagerie auch noch eine weiße Kätzin namens Minka. Zu diesem Zeitpunkt gab es aber bereits die Zwergkaninchendamen Nina und Lola. Wie also Beutegreifer und Fluchttiere zusammenbringen? Denn zwei wuselige Langohren, die gern nachmittags durch die Wohnung hoppelten und eine neugierige, traumatisierte Tierschutz-Katze klingt primär nach einem Chaos. Und am Anfang war es das auch ein bisschen.

Die ersten Treffen zwischen den verschiedenen Parteien waren ziemlich vorsichtig. Minka, die auf der Straße gelernt hatte, Beute zu schlagen, musterte die beiden genau. Lola und Nina dagegen hielten lieber Sicherheitsabstand – oder verschwanden gleich in ihrem Häuschen. Genau das war auch der Schlüssel: Dass die Kaninchen jederzeit einen Rückzugsort hatten, an dem sie sich sicher fühlten und den die Katze respektierte. Und dass keine Bewegung ohne Aufsicht verlief, sodass man notfalls eingreifen konnte, falls die Katze etwas anderes als ein freundliches Kennenlernen initiieren wollte.

Vorsicht ist die Mutter der Buddelkiste

Deshalb kann ich vor allem empfehlen, Katzen dazuzuholen, wenn die Kaninchen schon an ihre Lebenssituation gewöhnt sind. Denn besonders am Anfang schrecken die Tiere vor jeder Berührung zurück, die jedoch nötig sein kann, wenn man mit ihnen beispielsweise zum Tierarzt muss. Tipps, wie man dies trainiert, erhalten Sie in diesem Artikel: Wie man Kaninchen und Meerschweinchen an Menschen gewöhnt.

Ein großzügiger Käfig oder ein gut strukturiertes Gehege mit ausreichend Platz sind essenziell für eine tiergerechte Kaninchenhaltung – insbesondere, wenn auch eine Katze im Haus lebt. Wichtig ist – ich betone es nochmals –, dass die Kaninchen jederzeit einen sicheren Rückzugsort haben. Die Kaninchen benötigen einen entsprechenden Lebensraum, in welchem sie sich auch wohlfühlen können, wenn die Vergesellschaftung nicht ideal läuft.

Entsprechend gilt hier nicht: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“, sondern vielmehr der Buddelkiste. Katzen und Kaninchen können sich zwar aneinander gewöhnen, doch einen geeigneten Sozialpartner ersetzt das artfremde Tier ihnen nicht. Das Kaninchen ist für die Katze kein Partnerersatz, und umgekehrt kann auch die Katze dem Kaninchen nicht den Artgenossen ersetzen!

Auch wenn im Haushalt eine Katze lebt, müssen Kaninchen daher weiterhin mindestens zu zweit gehalten werden – und auch Wohnungskatzen, die keinen Freigang haben, benötigen einen tierischen Gefährten der eigenen Art, es sei denn, sie werden als Einzeltier vermittelt. Beide Tierarten sind sehr sozial und auf Artgenossen angewiesen.

Schritt-für-Schritt zur erfolgreichen Zusammenführung

Eine erfolgreiche Vergesellschaftung sollte in mehreren Phasen durchgeführt werden. Zuerst sollten sich die Tiere über Gerüche miteinander vertraut machen. Wichtig ist dabei, die Bedürfnisse aller Tiere zu respektieren. Es mag vielleicht einladend sein, das Kaninchen hochzunehmen und der Katze zu präsentieren, damit beide den Geruch des anderen Tiers aufnehmen können. Das ist allerdings falsch! Kaninchen können leicht in Panik verfallen, wenn sie den Boden unter den Füßen verlieren und dann noch einen Beutegreifer wittern. Im schlimmsten Fall signalisiert dies dem Tier: „Mein letztes Stündlein hat geschlagen.“

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Ein sicherer Geruchsaustausch kann durch das Präsentieren von Decken oder Tüchern geschehen. Diese reibt man vorsichtig zuerst sanft über die Tierart und präsentiert sie dann der anderen. Anschließend sollten sie sich mit einer sicheren Barriere – etwa einem Käfig – begegnen. Am besten, wenn die Katze gerade eine leckere Mahlzeit zu sich benommen hat und sehr entspannt ist. Man sollte stets beobachten, wie die Tiere reagieren. Sobald Anzeichen von Aggression oder Jagdverhalten erkennbar sind, sollte der direkte Kontakt unterbrochen werden.

Erweist sich das erste Kennenlernen als ruhig und interessiert, kann ein vorsichtiger direkter Kontakt folgen: Wenn die Katze am Käfig freundliches Interesse zeigt und man sich zu einem ersten Kontakt im Freien entschließt, ist es empfehlenswert, die Kaninchen laufen zu lassen, während die Katze festgehalten wird.

Dabei gilt höchste Vorsicht. Die Tiere müssen genau beobachtet werden und insbesondere die Kaninchen benötigen stets eine Rückzugsmöglichkeit. Sobald Anzeichen von Aggression oder Jagdverhalten erkennbar sind, sollte der direkte Kontakt unterbrochen werden. Bleiben beide Parteien ruhig, kann man mit Leckerli arbeiten. Kaninchen werden durch Mümmeln beruhigt, Katzen verknüpfen damit: „Wenn ich die Kaninchen in Ruhe lasse, bekomme ich etwas Gutes.“ So habe ich Minka immer wieder gezeigt: „Die beiden gehören dazu. Sie sind Familie – keine Beute.“

Beste Chancen bei jungen Katzen und ausgewachsenen Kaninchen

Mit der Zeit entwickelte sich so ein erstaunlich entspannter Alltag. Minka verzichtete auf Jagdspielchen, wurde bei mir aber auch ruhiger, da sie merkte, dass sie nicht mehr auf der Straße für sich allein einstehen musste und wurde eine der entspanntesten Katzen, die ich je kennengelernt habe. Sie ertrug auch „Streicheleinheiten“ meiner jüngeren Brüder, ohne je ihre Pfote zu erheben, wenn es ihr mit den Kleinkindern zu viel wurde.

Auch die Kaninchen merkten: Diese Katze meint es ernst mit der Gelassenheit. Bald hockten alle drei in meinem Zimmer – nebeneinander, ohne Drama. Begannen sich die Kaninchen zusammen zu putzen, beleckte die Katze sie ebenfalls. Sie schliefen sogar irgendwann alle nebeneinander.

Idealerweise beginnt die Vergesellschaftung im jungen Alter. Wenn eine Katze von klein auf mit Kaninchen aufwächst, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie diese später als gleichwertige Mitbewohner akzeptiert. Bekommt man die Katze gar im Alter von 12 Wochen, kann es sein, dass die Kaninchen bereits größer als sie sind, was zusätzlich für Respekt sorgt.

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Nicht jede Katze eignet sich zur Vergesellschaftung mit Kaninchen

Ob sich eine harmonische Beziehung entwickelt, hängt jedoch stark vom Charakter der Tiere ab. Eine ruhige Katze wie Minka, die auch noch einen geringen Jagdtrieb hat, ist oft deutlich besser geeignet als ein Freigänger, der regelmäßig mit Mäusen heimkehrt. Auch die Körpergröße kann eine Rolle spielen: Ein sehr großer Kater wird kleine und zierliche Kaninchen nur selten als Spielgefährte oder Partner akzeptieren.

Je älter die Katze ist, desto schwieriger kann es sein, ihre Beutegreifer-Instinkte mit Leckerli umzuleiten und sie mit Kaninchen zusammen zu halten. Auch Kaninchen reagieren toleranter, wenn sie Katzen frühzeitig kennenlernen – und sie wehren sich mitunter sogar selbstbewusst gegen unwillkommene Annäherungen mit einem Kick der Hinterbeine oder einem entschiedenen Weghoppeln.

Eine spätere Zusammenführung ist durchaus möglich, erfordert jedoch viel Geduld und Fingerspitzengefühl. Besonders in der Innenhaltung, wenn Kaninchen und Katzen dieselben Ressourcen nutzen, muss man manchmal kreativ werden. Minka zum Beispiel hatte ihren Rückzugsort auf dem Kratzbaum, wo die Kaninchen sie nicht behelligten. Die Kaninchen wiederum wussten: „Bin ich im Häuschen, hab ich meine Ruhe“, was Konfliktpotenzial reduzierte.

Übersichtliche Tipps, die bei mir geholfen haben

  • Rückzugsorte: Kaninchen brauchen ihr Reich, wo die Katze nicht hin darf. Das sorgt für Sicherheit.
  • Langsam anfangen: Erst nur beobachten lassen, dann vorsichtig beschnuppern – immer unter Aufsicht.
  • Gerüche nutzen: Tiere anfangs über Gerüche aneinander gewöhnen, durch Tüchertausch
  • Charakter einschätzen: Ist die Katze sehr jagdmotiviert, ist eine Zusammenführung mit Kaninchen eher keine gute Idee
  • Akzeptanz statt Freundschaft: Ziel muss nicht sein, dass alle auf Kuschelkurs gehen, sondern dass sie friedlich nebeneinander leben können.

Katze und Kaninchen zusammen zu halten ist möglich – vorausgesetzt, man geht geduldig, behutsam und aufmerksam vor. Ob daraus eine Freundschaft entsteht, hängt letztlich vom individuellen Wesen der Tiere ab. Eine erzwungene Nähe führt selten zum Erfolg, doch mit dem richtigen Umfeld und klugem Verhalten des Halters kann ein harmonisches Zusammenleben gelingen.

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