25. August 2025, 13:44 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Katzen sind bekannt dafür, sich die kuriosesten Plätze für ein Nickerchen auszusuchen. Das Waschbecken überrascht aber viele besonders, denn eigentlich gelten die Tiere als wasserscheu. Doch aus Sicht der Katze hat ein Waschbecken als Liegeplatz durchaus einige Vorteile, wie PETBOOK-Redakteurin und Katzenverhaltensexpertin Saskia Schneider erklärt.
Waschbecken als kühler Liegeplatz
Eigentlich suchen sich Katzen vor allem kuschelige Liegeplätze aus. Denn die sind nicht nur angenehm warm, sie speichern auch Gerüche gut. Für Katzen ist das enorm wichtig, um sich in ihrer Umgebung wohl und sicher zu fühlen. Ein Waschbecken erfüllt diese Anforderungen so gar nicht, hat aber einen anderen Vorteil: Der glatte Keramikuntergrund ist schön kühl – ähnlich wie bei den Fliesen im Bad. Daher entdecken Katzen vor allem im Sommer den ungewöhnlichen Liegeplatz für sich.
Hier habe ich alles im Blick
Katzen lieben es, ihre Umgebung im Blick zu behalten, und das Waschbecken ist hierfür ideal geeignet, denn es ist oft hoch gelegen. Von hier kann man nicht nur das Treiben der Zweibeiner beobachten, man hat auch andere Artgenossen im Blick und nicht selten den Flur oder andere Zimmer, die man vom Bad oder der Küche aus sehen kann.
Fast wie ein Karton
Warum Katzen so gern in Kartons liegen, haben wir in diesem Artikel bereits ausführlich beantwortet. Schließlich lieben Katzen enge Verstecke. Wissenschaftler vermuten zudem, dass der enge Körperkontakt zu den Innenwänden des Kartons zu einem Ausschütten von Endorphinen führt. Das Liegen im Waschbecken könnte einen ähnlichen Effekt auf Katzen ausüben.
Spiel, Spaß und Bequemlichkeit
Meist entdecken die Katzen das Waschbecken erst im Nachhinein als Liegeort. In erster Linie führt die Neugier die Tiere dorthin. Vor allem Kätzchen finden tropfende Wasserhähne interessant und entdecken das Waschbecken als Spielort. Auch Dinge, die man mit der Pfote ins Waschbecken stupst, kullern lustig herum, sofern es sich um ein rundes Becken handelt. All das verknüpfen Katzen schnell und lernen: Im Waschbecken gibt es spannende und lustige Dinge zu tun. Nach dem Spiel folgen Putzen und dann Ruhen. Viele Tiere legen sich dann einfach direkt an Ort und Stelle.
Menschen verstärken das Verhalten
Viele finden es witzig, wenn sie ihre Katze auf einmal im Waschbecken vorfinden. Oft beginnen wir dann, das Tier zu streicheln, nett mit ihm zu sprechen oder ein Spiel zu initiieren. Diese Aufmerksamkeit ist wie eine Bestärkung für die Katze, sodass sich das Verhalten im Laufe der Zeit festigt und zu einem Ritual werden kann. Nicht selten suchen Katzen dann das Waschbecken auf, wenn ihr Mensch gerade das Bad oder die Küche betritt, denn oft bedeutet das: Jetzt gibt es eine Spieleinheit. Entweder weil der Mensch den Hahn aufdreht oder mit der Katze interagiert, bevor er sich dem weiteren Tagesablauf zuwendet.
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Vorsicht bei diesem Verhalten
Solange die Katze im Waschbecken liegt, spielt oder auch trinkt, muss man sich keine Sorgen machen. Manche Tiere beginnen aber, darin zu urinieren. Das kann ein Warnzeichen sein. Vor allem Katzen, die ausschließlich Trockenfutter erhalten oder schon über zehn Jahre alt sind, sollte man dann aufmerksam beobachten – es könnten Nieren- oder Blasenkristalle dahinterstecken. Diese sorgen für Schmerzen beim Urinieren. Manche Katzen verknüpfen dieses Unwohlsein dann mit ihrer Toilette und suchen sich andere Orte, an denen sie sich sicher fühlen, um ihr Geschäft zu verrichten.
Sollten Sie beobachten, dass Ihre Katze öfter ins Waschbecken macht, oder das Verhalten plötzlich von einem auf den anderen Tag auftreten, ist ein Tierarztbesuch angesagt. Sollte gesundheitlich aber alles in Ordnung sein, ist aus Sicht der Verhaltensanalyse nichts gegen das Urinieren im Waschbecken einzuwenden. Allerdings sind meist nicht alle Haushaltsmitglieder begeistert, wenn der Katzenurin im Handwaschbecken oder der Küchenspüle landet.
Fazit
Katzen schätzen das Waschbecken nicht nur als kühlen Liegeort. Von hier hat man alles gut im Blick, und es gibt spannende Dinge wie tropfende Wasserhähne zu entdecken. All das verknüpfen Katzen positiv mit dem Waschbecken. Das führt dazu, dass die Tiere den Ort immer wieder gern aufsuchen und als Liegeplatz wählen. Wir Menschen bestätigen sie – oft unbewusst – in diesem Verhalten, indem wir unseren Tieren viel Aufmerksamkeit schenken. Sei es, weil wir das Verhalten niedlich finden oder die Katze zum Spielen animieren.
Zur Autorin
Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin. In ihrem Studium an der Freien Universität Berlin widmete sie sich vor allem der Zoologie und dem Verhalten von Tieren. Neben der Ausbildung zur Redakteurin absolvierte sie eine Ausbildung zur Verhaltensberaterin mit Schwerpunkt Katze.
