8. August 2025, 9:11 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Manche Katzen wirken schlank und athletisch – und tragen trotzdem zwischen ihren Hinterläufen einen sichtbaren Hängebauch. Was zunächst ungewöhnlich erscheint, ist in vielen Fällen ein ganz normales Phänomen. Doch es gibt auch Situationen, in denen man wachsam sein sollte. PETBOOK-Redakteurin Louisa Stoeffler wirft einen genauen Blick auf das auch Urwampe genannte Phänomen, und verrät mehr über die möglichen Ursachen – von evolutionär nützlich bis medizinisch relevant.
Übersicht
Warum ein Hängebauch bei Katzen (meist) kein Zeichen von Übergewicht ist
Ein typischer Hängebauch bei Katzen zeigt sich als lose, leicht hängende Hautfalte zwischen den Hinterläufen. Anders als ein runder, prall gefüllter Bauch bei übergewichtigen Tieren wirkt die sogenannte Urwampe weich und schlaff. Ist die Katze ansonsten beweglich und normalgewichtig, ist der Anblick dieser Hautfalte in der Regel kein Grund zur Sorge. Besonders, wenn die Katze schlank und agil ist. Er dient vielmehr nützlichen Zwecken oder entsteht durch verschiedene Ursachen im Laufe eines Katzenlebens.
Welche Anzeichen für Übergewicht jeder Katzenhalter kennen sollte, lesen Sie in diesem Artikel: Wie erkenne ich, ob meine Katze zu dick ist?
Harmlose Gründe für einen Hängebauch bei Katzen
Schutz empfindlicher Organe
Der Hängebauch bei Katzen ist in seiner ursprünglichen Form tatsächlich durch die Evolution entstanden. Die kleine Urwampe am Unterbauch dient in erster Regel dem Schutz der darunterliegenden wichtigen Organe des Tieres, insbesondere des Darms und der Fortpflanzungsorgane.
Diese sind besonders bei Revierkämpfen, bei denen Katzen ihre Hinterbeine gezielt gegen den weichen Bauchbereich des Rivalen einsetzen, gefährdet. Die zusätzliche Schutzschicht kann bei Bissen und Tritten innere Verletzungen verhindern. Während der Entwicklungsgeschichte unserer Hauskatze war der Schutz der Organe, die sich nicht im Brustkorb befinden, eine der wichtigsten Funktionen des zusätzlichen Hautlappens. Und auch heute dient sie speziell, wenn es zu Auseinandersetzungen zwischen Freigängern kommt, diesem Zweck.
Mehr Flexibilität
Nicht nur als Schutzschicht, auch für die Beweglichkeit ist der Hängebauch tatsächlich ein Vorteil. Setzen Katzen plötzlich zum Sprung an, kann das bisschen zusätzliche Haut unter dem Bauch die Wucht des Vorwärtsdrucks abfedern. Ebenfalls sind die Bewegungen der Vierbeiner durch die dehnbare Falte am Bauch flexibler. Auch beim Klettern ist die dehnbare Haut daher recht nützlich.
Großkatzen wie Tiger und Löwen verfügen ebenfalls über diese anatomische Besonderheit. Bestimmte Hauskatzenrassen wie die Bengalkatze, Maine Coon oder Ägyptische Mau neigen außerdem vermehrt zur Ausprägung eines Hängebauchs.
Energiespeicher in schlechten Zeiten
Auch dieser unbedenkliche Grund für einen Hängebauch bei Katzen hat evolutionäre Gründe. Wenn es einmal wenig Beute zu fangen gab, hatten die Tiere in ihrem lockeren Bauchfett immer eine Reserve, auf die sie in Phasen, in denen Mäuse und andere Beutetiere rar waren, zurückgreifen konnten. Auch wenn Kätzinnen gerade ihre Kitten aufziehen und säugen, können sie auf das kleine Extrapolster zurückgreifen. Insbesondere Freigänger neigen ebenfalls dazu, sich im Spätsommer und Herbst ein kleines Depot für winterliche Streifgänge anzufressen. Im Frühjahr sollte sich diese Energiereserve jedoch wieder normalisiert haben.
Kastration kann Urwampe vergrößern
Der einzige „menschengemachte“ Grund, aus dem Katzen einen Hängebauch entwickeln können, ist eine Kastration. Nach einem Sterilisations- oder Kastrationseingriff haben besonders weibliche Tiere manchmal einen deutlicheren Hängebauch als zuvor. Dies liegt daran, dass die Bauchdecke während des Eingriffs durchtrennt wird. Das Bindegewebe wird hierbei also geschädigt. Viele Tierärzte nähen daher den Bauch des Tieres mit selbst auflösenden Fäden oder Netzen von innen und mit haltbaren Fäden von außen.
In vielen Fällen ist ein Hängebauch nach der Kastration auch wegen hormoneller Umstellungen der Kätzin ausgeprägter als vorher. Denn Hormonmangel kann ebenfalls das Bindegewebe schwächen. Dies ist nicht bedenklich, solange die Katze nach wie vor alle Bewegungsabläufe ausführen kann, ohne dass sie durch die Reibung der Haut wunde oder nässende Stellen bekommt.
Meine Katzen tragen Urwampe
„Die kleine Urwampe bei Katzen heißt im Englischen ‚primordial pouch‘, was sich etwa mit ‚Urbeutel‘ übersetzen lässt. Diesen Begriff finde ich um einiges schöner als Wampe oder sogar Schwabbelbauch dazu zu sagen.
Doch egal, wie man es bezeichnet: Meine Katzen haben ihn. Bei Minka zeigte er sich allerdings erst nach ihrer Kastration und wurde dann im Laufe der Zeit sogar noch etwas größer – gerade als sie älter wurde und ihr Bindegewebe nachließ. Allerdings hat er sie nie groß gestört, sondern es sah eher süß aus, wenn sie mit ihrem wackelnden Hautlappen zu Sprüngen ansetzte.
Bei Remo dagegen, der sein erstes Lebensjahr als Straßenkater verbracht hat, war es gut, dass er schon als junges Tier relativ viel Bäuchlein hatte. Denn er galt im Tierheim als kleiner Rowdy, der sich mit jedem Kater dort gern angelegt hat. Umso besser, dass sein Hängebauch seine inneren Organe bei Kämpfen vor Verletzungen geschützt hat.“
Wann der Hängebauch bedenklich wird
Fettleibigkeit
Ein Hängebauch bei Katzen ist ein Grund zur Besorgnis, wenn das Tier im Allgemeinen zu dick ist. Dies kann man leicht daran ablesen, wenn auch Rücken und Beine des Tieres stämmig und breit sind. Wenn man die Rippen des Tieres beim lockeren Tasten mit den Händen nicht fühlen kann und die Katze von oben betrachtet keine Taille, sondern einen breiten, geraden Rücken zeigt, ist sie übergewichtig.
Kommt dann noch ein zu dicker Bauch dazu, kann dies gravierende gesundheitliche Schäden für das Tier mit sich bringen. Ob die Katze wirklich zu dick ist, sollte man mit seinem Tierarzt abklären und sich dort ebenfalls Ratschläge zu einer Ernährungsumstellung geben lassen. Denn auf keinen Fall sollte eine übergewichtige Katze zu schnell Gewicht verlieren, da dies ebenfalls ernsthafte gesundheitliche Folgen haben könnte.
FIP und andere Krankheiten
Ein Hängebauch bei Katzen entsteht jedoch auch durch die verbreitete Krankheit FIP (Feline Infektiöse Peritonitis). Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung mit einem speziellen Coronavirus, das Katzen befällt. Infolge einer Erkrankung kann es unter anderem zu vermehrten Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum der Katze kommen. Mehr dazu, wie man FIP erkennt und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, lesen Sie in diesem Artikel.
Weitere mögliche medizinische Ursachen sind:
- Organprobleme wie Leber- oder Nierenerkrankungen mit Wasseransammlungen im Bauch
- Parasitenbefall und Wurmerkrankungen
- Tumore im Bauchraum
- Verdauungsprobleme, etwa chronische Verstopfung oder entzündlicher Durchfall
- Unverträglichkeiten oder Vergiftungen
Insbesondere, wenn eins oder mehrere dieser Symptome plötzlich auftreten und das Tier zusätzlich abgeschlagen wirkt oder nicht mehr frisst, sollte man am besten direkt zum Tierarzt gehen und die Ursachen für das geänderte Verhalten abklären.