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Im PETBOOK-Interview

Lehrerin über Schulhunde: „Ein Hund ist kein pädagogisches Wundermittel“

Schülerinnen mit einem Hund im Klassenraum.
Lehrerin Sandra Hertrampf erklärt, wie sich ein Schulhund auf die Kinder auswirken kann Foto: Getty Images / Nina Ponath
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28. Mai 2026, 13:29 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Der Einsatz von Schulhunden gewinnt in der tiergestützten Pädagogik zunehmend an Bedeutung, weil Hunde beruhigend wirken, Stress reduzieren und das Lernklima verbessern können. Damit sie den Unterricht begleiten dürfen, müssen Hund und Bezugsperson speziell ausgebildet werden. Wie das in der Praxis aussieht, erzählt Berufsschullehrerin Sandra Hertrampf, die ihre Schulhündin Rosi aktuell ausbilden lässt. Denn sobald die knapp 30 Zentimeter große Hündin das Klassenzimmer betritt, hellen sich bei vielen Schülern sofort die Gesichter auf.

Was Schulhunde im Klassenzimmer bewirken können

Was so ein Schulhund macht? Er beeinflusst vor allem das soziale und emotionale Lernumfeld positiv. In der tiergestützten Pädagogik gewinnen Hunde seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung, weil sie nachweislich beruhigend wirken, Stress reduzieren und die Lernatmosphäre verbessern können. Damit sie den Unterricht begleiten dürfen, müssen ihre Bezugspersonen vorab eine Ausbildung mit ihnen machen.

Genau das macht die Niebüllerin Sandra Hertrampf aktuell. Die Oberstudienrätin unterrichtet seit 2001 Englisch an einer beruflichen Schule des Kreises Nordfriesland. Zusätzlich ist sie zertifizierte Yogalehrerin mit einem eigenen Yogastudio. Themen wie Achtsamkeit, Konzentration und ein bewusster Umgang mit Stress beschäftigen sie deshalb in mehreren Lebensgebieten.

„Ein Hund bringt Ruhe in den Raum“

PETBOOK: Wie sind Sie darauf gekommen, eine Schulhundausbildung zu machen? 
Sandra Hertrampf: „Ich suche immer wieder nach neuen Herausforderungen und habe mich gefragt, was ich Menschen mit meinem Job noch über das Lehrfach hinaus mitgeben kann. Dabei ist mir aufgefallen, dass viele junge Menschen heute wenig Kontakt zu Tieren haben. Das ist so schade, weil wir von Tieren so viel lernen können: Empathie, Vertrauen, einen achtsamen Umgang. Überhaupt ist Tierliebe etwas so Schönes! Gleichzeitig fällt es jungen Menschen oft schwer, sich länger zu konzentrieren – vielleicht ist das auch eine Folge der letzten Jahre aus Lockdown und Corona. Ein Hund kann da unglaublich viel bewirken. Er bringt Ruhe in den Raum, ohne dass man aktiv etwas dafür tun muss.“ 

Der Einsatz von Hunden im Unterricht nimmt ja generell zu – warum funktioniert das Ihrer Meinung nach so gut? 
„Hunde reagieren sehr sensibel auf menschliche Stimmungen und Körpersprache. Wenn Unruhe im Raum ist, nehmen sie das sofort wahr. Gleichzeitig können sie durch ihre ruhige, unvoreingenommene Art beruhigend wirken. Viele Schüler entspannen sich automatisch, sobald ein Hund da ist. Das wirkt sich positiv auf das gesamte Klassenklima aus. Es wird ruhiger, konzentrierter und oft auch freundlicher im Umgang miteinander.“ 

Was Schulhündin Rosi im Klassenzimmer bewirken kann

Erzählen Sie uns mehr zu Ihrer Hündin Rosi. 
„Meine Hündin Rosi ist ein Havapoo, also ein Mischling aus Havaneser und Pudel. Beide Rassen gelten als besonders menschenbezogen, lernfreudig und sozialverträglich. Das sind Eigenschaften, die in der tiergestützten Arbeit entscheidend sind. Rosi wurde am 1. März 2022 geboren und wird seit Juni 2022 regelmäßig in der Hundeschule trainiert. Ihr gefällt es da gut. Sie ist sehr kontaktfreudig, verspielt und gelegentlich ein bisschen frech – genau diese Mischung macht sie im Klassenzimmer so wertvoll. Sie wird so von den Schülern nicht als ‚perfekt funktionierendes Tier‘ wahrgenommen, sondern als echtes Lebewesen mit Persönlichkeit.“ 

Was muss ein Hund grundsätzlich mitbringen, damit er Schulhund werden kann? 
„Der erste Schritt ist immer eine Einschätzung durch einen erfahrenen Trainer. Der Hund sollte keine Angst vor Menschen haben und sich gut regulieren können. Aber er muss nicht perfekt sein – und das finde ich ganz wichtig. Ich mache die Ausbildung aktuell bei Heike Biebrach von ‚Hund und Munter‘ in Hamburg.“

Warum ist „nicht perfekt“ sogar ein Vorteil? 
„Weil genau das den Schülern etwas vermittelt. Meine Schüler sehen mich ja im direkten Umgang mit Rosi. Wenn sie mal nicht sofort hört oder etwas „falsch“ macht, bleibe ich immer ruhig und freundlich. Fehler gehören dazu. Das sollen auch die Schüler merken. Ich glaube, ich stehe dadurch auch in einem anderen Licht da. Die Schüler erleben mich nahbarer und merken gleichzeitig, dass sie nicht perfekt sein müssen.“  

„Es gibt klare Regeln im Umgang mit dem Hund“

Welche Rolle spielt Empathie in der Arbeit mit Hunden? 
„Eine sehr große. Viele Schüler wissen tatsächlich gar nicht, wie man sich einem Hund nähert. Sie wollen Rosi zum Beispiel direkt von vorn oder von oben anfassen. Mit der Zeit haben sie gelent, wie man es besser macht. Sie können Körpersprache lesen, sie nehmen Rücksicht und respektieren Grenzen. Das sind ganz wichtige soziale Kompetenzen.“ 

Wie reagieren Ihre Schüler konkret auf Rosi? 
„Bisher durchweg positiv. Sie war schon ein paar Mal im Unterricht dabei und hat sofort für eine besondere Atmosphäre gesorgt. Ihre fröhliche, manchmal auch etwas freche Art bringt Leichtigkeit in den Raum. Wenn sie spielt, neugierig durch den Klassenraum schaut oder sich über Aufmerksamkeit freut – lockert die Situation auf. Viele Schüler sind dadurch entspannter und offener.“ 

Wie sehen die Regeln aus? 
„Zum Beispiel: Der Hund wird nicht ungefragt angefasst, er hat Rückzugsorte, die respektiert werden, und wir gehen insgesamt ruhig und rücksichtsvoll mit Rosi um. Das schafft Sicherheit – für Rosi und für die Schüler. Und es ist schön zu beobachten, dass gerade unsichere Schüler oft langsam Vertrauen aufbauen.“ 

Was gegen Schulhunde spricht

Gibt es auch kritische Stimmen oder Vorbehalte? 
„Ja, natürlich. Manche Schüler haben Angst vor Hunden oder kommen aus kulturellen oder religiösen Kontexten, in denen Hunde nicht positiv besetzt sind. Das nehme ich immer ernst. Niemand wird gezwungen, Kontakt aufzunehmen. Es gibt klare Regeln im Umgang mit dem Hund, die wir zu Beginn gemeinsam besprechen.“ 

Ein sensibles Thema sind Allergien. Wie gehen Sie damit um? 
„Das wird im Vorfeld genau abgeklärt. Wenn es Allergien gibt, schauen wir individuell, welche Lösung passt. Manche Schüler halten einfach mehr Abstand oder der Hund ist nur in bestimmten Unterrichtsstunden dabei. Im Zweifel gilt natürlich: Die Gesundheit geht vor. Rosi muss nicht in jede Klasse mitkommen. Wichtig ist, dass alle Beteiligten eingebunden werden und sich wohlfühlen.“ 

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So läuft die Ausbildung zum Schulhund ab

Wie läuft die Ausbildung konkret ab? Was lernt Rosi? 
„Rosi wird Schritt für Schritt an den Schulalltag herangeführt. Sie lernt, mit unterschiedlichen Reizen umzugehen: viele Menschen, Geräusche, Bewegung. Gleichzeitig geht es darum, dass sie Ruhephasen einhält und sich nicht überfordert fühlt. Ein Schulhund arbeitet ja nicht ‚durch‘, sondern ist nur zeitweise im Einsatz.“ 

Und was lernen Sie als Lehrerin in der Ausbildung? 
„Mindestens genauso viel wie der Hund. Ich habe seit Beginn der Ausbildung schon so viel Neues über meinen Hund gelernt. Ich kann ihre Signale inzwischen viel besser lesen: Wann ist sie entspannt, wann gestresst? Wann braucht sie eine Pause? Außerdem geht es darum, wie ich sie sinnvoll in den Unterricht einbinde, ohne sie zu überfordern. Es ist immer ein Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier.“ 

Studien zeigen: Hunde reduzieren Stress

Gibt es typische Einsatzmöglichkeiten im Unterricht? 
„Ja, zum Beispiel kann ein Hund in ruhigen Arbeitsphasen einfach präsent sein und so für eine entspannte Atmosphäre sorgen. Vor Prüfungen oder Präsentationen kann er helfen, Nervosität zu reduzieren. Manche Schüler lesen auch einem Hund lieber etwas vor als vor der Klasse – weil sie sich weniger bewertet fühlen.“ 

Welche langfristigen Effekte erwarten Sie?  
„Ich erhoffe mir vor allem eine nachhaltige Verbesserung des Lernklimas. Studien zeigen ja, dass Hunde Stress reduzieren und die Konzentration fördern können. Genau das erlebe ich auch. Außerdem stärkt ein Hund das soziale Miteinander: Die Schüler gehen oft achtsamer miteinander um und unterstützen sich mehr.“ 

Gibt es auch Grenzen beim Einsatz eines Schulhundes? 
„Ja, auf jeden Fall. Ein Hund ist kein pädagogisches Wundermittel. Er kann unterstützen, aber nicht alles lösen. Und das Wohl des Tieres steht immer an erster Stelle. Wenn ein Hund gestresst ist oder keine Lust hat, dann wird er auch nicht eingesetzt.“ 

Was würden Sie Lehrkräften raten, die überlegen, einen Schulhund einzusetzen? 
„Sich gut vorzubereiten und ehrlich zu prüfen, ob es zu ihnen und ihrem Hund passt. Es ist eine große Verantwortung – aber auch eine große Chance. Für mich ist es eine echte Bereicherung. Und ich habe das Gefühl, dass auch meine Schüler davon auf einer ganz anderen Ebene profitieren.“ 

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