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Studie zeigt

Angst und Aggression! Trauma in der Welpenzeit hat lebenslange Folgen

traurig schauender Hund
Wenn Hunde in ihren ersten sechs Lebensmonaten traumatische Erfahrungen machen, dann kann das weitreichende Folgen haben. Foto: Getty Images
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Werkstudentin

6. Oktober 2025, 17:14 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Hunde sind feinfühlig und sensibel – doch was passiert, wenn ein Welpe ein Trauma erlebt? Eine neue Studie zeigt, dass ein einziges belastendes Erlebnis in den ersten Lebensmonaten ausreichen kann, um das spätere Verhalten dauerhaft zu verändern. Die Auswirkungen eines Traumas beim Welpen reichen von Angst bis Aggression – und können ein Hundeleben lang nachhallen.

Wenn sich Hundehalter in einer Sache einig sind, dann darüber, dass Hunde sehr feinfühlig, aufmerksam und sensibel sind. Jeder Hund hat seinen individuellen Charakter, der sich im Laufe ihres jungen Lebens formt. Wie auch bei Menschen können Hunde aber ebenfalls traumatische Erfahrungen machen. Solche Traumata im Welpenalter können schwere Auswirkungen haben, wie eine Studie einer Forschergruppe zeigt.

Welche Auswirkungen hat ein Trauma während der Welpenzeit?

Angst und Aggressionen zählen zu den häufigsten Verhaltensproblemen bei Hunden. Für Hundehalter und ihre Vierbeiner ist das oft eine große Belastung und Herausforderung. Frühere Studien zeigten, dass Misshandlungen das spätere Verhalten negativ beeinflussen. Allerdings wiesen diese Untersuchungen Lücken auf: Die Forschenden konzentrierten sich hauptsächlich auf Arbeitshunde oder Tiere aus Rettungseinsätzen. Offen blieben dabei häufigere Belastungen wie frühe Trennung von der Mutter, Tierheimaufenthalte im Allgemeinen.

An der Stelle setzt die Studie der Forschergruppe an. Die Forscher vermuteten, dass belastende Ereignisse in den ersten sechs Lebensmonaten das Risiko für Angst und Aggression deutlich erhöhen. Darüber hinaus könnte es noch Unterschiede bei den Auswirkungen bei den einzelnen Rassen geben. 1

Auch interessant: Trauma beim Hund erkennen und behandeln

Studie fragte sieben klar definierte Formen der Belastung ab

Die Forscher untersuchten dafür 4.497 Hunde im Durchschnitt von 5,43 Jahren stichprobenartig. Dabei berichteten die Halter über die Lebensereignisse ihrer Hunde. Insbesondere fragte die Studie dabei sieben klar definierte Formen der Belastung ab:

  • körperliche Bestrafung,
  • Trennung von einer Bezugsperson,
  • körperliche Misshandlung,
  • Angriff durch ein Tier,
  • starkes Erschrecken,
  • schwere Verletzung, l
  • ängeres Anbinden oder Anketten im Freien.

Das Verhalten wurde mithilfe des standardisierten C-BARQ (Canine Behavioral Assessment & Research Questionnaire) bewertet, einem international anerkannten Fragebogen, mit dem Hundebesitzer und Fachleute das Verhalten und mögliche Verhaltensprobleme von Hunden systematisch einschätzen können. Er wurde 2003 entwickelt und dient heute weltweit als zuverlässiges Forschungsinstrument zur Bewertung von Angst, Aggression und anderen Verhaltensmerkmalen bei Hunden.

Die Forscher zählten eine frühkindliche Belastung nur dann, wenn sie sicher in den ersten sechs Lebensmonaten auftrat und eindeutig bestätigt wurde. Zusätzlich wurden Daten zu Alter, Gewicht, Geschlecht, Herkunft, Haltungsbedingungen und Rasse erhoben. Die Ergebnisse wurden statistisch auf Unterschiede zwischen Hunden mit und ohne frühkindliche Belastung untersucht. Außerdem analysierten sie, ob sich die Effekte je nach Rasse unterscheiden.

Tierheimhunde hatten höhere Werte für Angst und Aggression

Die Ergebnisse der Studie weisen erstaunliches nach. Hunde, die in den ersten sechs Lebensmonaten belastende Erfahrungen machten, zeigten im Erwachsenenalter signifikant höhere Werte für Angst und Aggression als Hunde ohne solche Erlebnisse. Die Unterschiede waren hochsignifikant und stärker als die Effekte von Geschlecht, Kastration oder dem Zusammenleben mit anderen Hunden. Besonders hoch war der Einfluss bei belastenden Ereignissen vor dem Alter von sechs Monaten – also in der sensiblen Phase der Sozialisierung.

Ein weiterer wichtiger Faktor war die Herkunft des Hundes. Tiere, die nicht direkt von einem Züchter, sondern etwa aus Tierheimen, Pflegeorganisationen oder privaten Abgaben stammten, zeigten im Durchschnitt deutlich höhere Angst- und Aggressionswerte als Hunde aus Zuchtbetrieben. In den statistischen Analysen war der Erwerb aus einem Tierheim oder ähnlicher Quelle einer der stärksten Prädiktoren für auffälliges Verhalten. Das deutet darauf hin, dass viele dieser Hunde bereits früh wechselnde Umgebungen oder Verlusterfahrungen gemacht haben – Belastungen, die langfristig nachwirken können.

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Bestimmte Rassen besonders empfindlich für Traumata

Eine weitere spannende Beobachtung der Forscher betraf den Einfluss der Hunderasse. Bei bestimmten Rassen wie dem Siberian Husky oder dem American Leopard Hound war der Unterschied zwischen belasteten und unbelasteten Hunden besonders ausgeprägt.

Andere Rassen, etwa Labrador und Golden Retriever, zeigten hingegen eine auffällige Resilienz: Hier wirkte sich Frühbelastung kaum auf Angst oder Aggression aus. Diese rassespezifischen Unterschiede deuten darauf hin, dass genetische Faktoren die Anfälligkeit oder Widerstandskraft gegenüber Stress beeinflussen können – ein zentrales Beispiel für das Zusammenspiel von Erbanlagen und Umwelt bei Hunden.

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Trauma hat vor allem in den ersten Monaten Auswirkungen auf den Hund

Die Studie weist nach, dass traumatische Erfahrungen in der Welpenzeit tiefgreifende Auswirkungen auf das Verhalten der Hunde haben. Sie bestätigt, dass die ersten Lebensmonate, insbesondere die Sozialisierungsphase (3.–12. Woche) eine sensible Entwicklungsphase darstellen, in der negative Erfahrungen langfristige Spuren hinterlassen.
Daraus leiten die Forschenden ab, dass das Hundeverhalten Ergebnis eines Zusammenspiels von genetischer Veranlagung und Umwelt ist: Sie beschreiben es als sogenannte Gen-Umwelt-Interaktionen.

Ansonsten liefert die Studie weitere wichtige Hinweise für die Praxis: Hunde aus belastenden Verhältnissen benötigen besonders achtsame Haltung und möglicherweise professionelle Unterstützung, um Verhaltensproblemen vorzubeugen oder entgegenzuwirken.

Allerdings hat die Studie auch eine Lücke, denn sie basiert auf Selbstauskünften der Hundebesitzer. Dadurch können Verzerrungen entstehen, da es schließlich subjektiv oder auch unvollständiges Wissen über die Vorgeschichte ist. Um dem entgegenzuwirken, ließen die Forschenden nur eindeutig bestätigte und datierte Ergebnisse mit in die Hauptanalyse einfließen.

Fazit: Zeit vor dem sechsten Lebensmonat ist entscheidend

Frühkindliche Belastungen wie Misshandlung, Trennung oder Verletzungen erhöhen deutlich das Risiko für Angst- und Aggressionsverhalten im späteren Leben. Besonders entscheidend ist dabei die Zeit vor dem sechsten Lebensmonat. Auch die Herkunft spielte eine wichtige Rolle: Hunde aus Tierheimen oder Pflegestellen zeigten im Durchschnitt höhere Werte für Angst und Aggression als Hunde, die direkt vom Züchter kamen.

Die Autoren betonen jedoch, dass dies nicht gegen Adoptionen spricht. Vielmehr verdeutlichen die Ergebnisse, dass Hunde mit unklarer Vorgeschichte besondere Unterstützung und ein stabiles Umfeld brauchen, um belastende Erfahrungen zu überwinden. Insgesamt zeigt die Studie, dass Verhalten das Ergebnis eines engen Zusammenspiels von Erfahrung, Umwelt und Genetik ist – und dass frühzeitige, positive Betreuung entscheidend für das Wohlbefinden von Hunden bleibt.

Quellen

  1. Espinosa, J., Zapata, I., Alvarez, C. E., Serpell, J. A., Kukekova, A. V., & Hecht, E. E. (2025). Influence of early life adversity and breed on aggression and fear in dogs. Scientific Reports, 15, 32590. https://doi.org/10.1038/s41598-025-18226-0 ↩︎

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