20. August 2026, 6:29 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Viele Hunde fressen gelegentlich Gras – manche knabbern dabei nur an einzelnen Halmen, andere verschlingen ganze Büschel. Doch warum tun sie das, und wann sollten Halter aufmerksam werden? Entscheidend sind vor allem Menge und Häufigkeit. Erbricht der Hund nach dem Grasfressen, kann das ebenfalls ein Warnsignal sein. Einen häufig vermuteten Grund können Forscher allerdings ausschließen: Für einen Zusammenhang zwischen Grasfressen und einer Mangelernährung gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg.
Übersicht
Welche Ursachen kann das Gras fressen haben?
Nährstoffmangel wurde durch Studien bereits ausgeschlossen. Es gibt jedoch auch Erklärungen, die wissenschaftlich nicht belegt sind. Dazu gehört die Theorie, dass Wölfe ihre Beutetiere stets mitsamt deren pflanzlichem Mageninhalt gefressen haben und Hunde deshalb evolutionär bedingt ein Verlangen danach haben. Weitere mögliche Ursachen sind:1 2
Übelkeit und Verdauungsprobleme
Hunde fressen unterwegs schnell einmal etwas Ungeeignetes. Dabei können sie etwas Verdorbenes oder Giftiges erwischen, was zu Übelkeit führt. Manche Hunde fressen dann instinktiv viel Gras, um einen Brechreiz auszulösen. Möglich ist auch, dass der Vierbeiner einen Fremdkörper verschluckt hat, den er wieder loswerden möchte.
Während des Fellwechsels können zudem viele Haare beim Putzen oder Fressen aufgenommen werden. Eine weitere Ursache kann ein leerer Magen sein: Tobt der Hund mit leerem Magen, kann ihm die Magensäure zu schaffen machen. Da diese auch bei leerem Magen vorhanden ist, fressen manche Hunde vor allem morgens, vor der ersten Mahlzeit, vermehrt Gras.
Durst
Steht dem Hund an heißen Tagen kein Wasser zur Verfügung, versucht er seinen Durst mit ein paar saftigen Gräsern ein wenig zu stillen. Man sollte deshalb bei jedem Gassi-Gang oder auf der Wanderung eine Flasche Leitungswasser und einen mobilen Napf dabeihaben.
Stress
Leidet der Vierbeiner unter Stress, hilft ihm das Kauen, Stress abzubauen, denn durch die Kaubewegungen werden Endorphine freigesetzt. Gleichzeitig erhöht sich sein Blutzucker durch die in Gras enthaltenen Zucker oder Fruktane und er fühlt sich wieder besser, ähnlich wie ein Mensch, der zum Schokoriegel greift, wenn er in den Unterzucker fällt.
Unterforderung und Langeweile
Schenkt man seinem Hund zu wenig Aufmerksamkeit und lastet ihn körperlich und geistig nicht aus, beginnt er sich aus Langeweile selbst zu beschäftigen. Manche Hunde beginnen, Stuhlbeine oder Kabel anzuknabbern, andere entdecken Gras fressen für sich.
Alter und Gesundheit als Einflussfaktoren
Der Grund, warum Hunde Grad fressen kann auch vom Alter sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand abhängen.
- Welpen und junge Hunde neigen häufiger zu erkundendem Verhalten, darunter auch das Fressen von Gras, was weniger Anlass zur Sorge geben muss, solange keine Krankheitssymptome auftreten.
- Ältere oder chronisch kranke Hunde, die plötzlich vermehrt Gras fressen, könnten dies als Hinweis auf eine zugrunde liegende gesundheitliche Veränderung tun. Hier wäre eine tierärztliche Abklärung besonders ratsam.
Generell gilt: Tritt eine plötzliche Veränderung des Verhaltens ein – also frisst der Hund von einem auf den anderen Tag mehr als sonst, kann das ein Anzeichen für ein gesundheitliches Problem sein.
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Wann wird es gefährlich, wenn der Hund Gras frisst?
Beobachtet man, dass der Hund sich häufig nach dem Grasfressen erbricht, sollte man einen Tierarzt aufsuchen. Auch wenn der Hund im Anschluss stark speichelt oder röchelt, sollte man dies im Auge behalten, denn eventuell ist dem Tier ein Grashalm im Hals stecken geblieben und sorgt für eine Reizung in der Speiseröhre. Im schlimmsten Fall muss der Halm vom Tierarzt unter Narkose entfernt werden.
Beim Grasfressen kann sich der Hund mit Würmern und anderen Parasiten infizieren, da diese ihre Eier dort ablegen und der Vierbeiner sie oder die Larven mit dem Gras aufnimmt. Gelangen die Parasiten in den Darm, können etwa Lungenwürmer weiter in die Lunge wandern und sich dort vermehren. Erkrankte Hunde zeigen häufig Symptome wie Husten, Fieber, Atembeschwerden, Nasenbluten oder körperliche Schwäche. Auch Krankheiten anderer Artgenossen, etwa Parvovirose oder Staupe, können über Gras übertragen werden, das mit Kot oder Urin verunreinigt ist.
Nicht gefährlich, aber unangenehm ist es, wenn das unverdaute Gras im After hängenbleibt. Man kann es vorsichtig mit einem Taschentuch entfernen. Aber Vorsicht! Sind die Halme sehr scharfkantig, kann man die Afterregion verletzen.
Sollte man Hunde Gras fressen lassen?
Gegen einen kleinen Snack zwischendurch ist nichts einzuwenden. Wenn der Hund Gras fressen möchte, dann bitte in einer Waldwiese und nicht an einer viel befahrenen Straße oder am Rand von Feldern, die mit Dünger und Insektiziden besprüht sein können. Diese kontaminierten Gräser können zu Vergiftungen führen.
Auch sollte man darauf achten, dass der Vierbeiner nur Grashalme verschluckt und nicht etwa ganze Ähren verschluckt. Die Grannen darin können schwere interne Verletzungen verursachen.
Meine Erfahrungen mit Hündin Yumi
„Meine Hündin Yumi frisst gern mal Gras – vor allem nach dem Spiel bei warmem Wetter. Allerdings zupft sie dabei an ein paar Halmen herum und lässt sich auch schnell aus dem Verhalten herausholen. Anders sieht es aus, wenn Yumi Bauchschmerzen hat. Dann sucht sie regelrecht nach passendem Grün und ist fast ausschließlich damit beschäftigt, Gras büschelweise herauszurupfen und zu fressen. Für mich ist dies immer ein klares Zeichen, das Futter auf Schonkost umzustellen und mir ganz genau den Kot anzuschauen. Meist erledigt sich das Grasfressen dann innerhalb eines Tages wieder.“
