15. Oktober 2026, 17:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ozzy ist da. Zum ersten Mal wird Elvis gleich unseren Neuzugang kennenlernen. Wie wird er reagieren? Und was wird Ozzy dazu sagen? Jörg Ziemer (Ziemer & Falke Schulungszentrum für Hundetrainer) sieht bei Elvis einen „eifersuchtsähnlichen Verhaltenskomplex“. So nennt man das Verhalten, wenn Elvis nicht zulässt, dass andere Menschen oder Hunde uns zu nah kommen. Vor allem vor Elvis’ und Ozzy’s Zusammenführung bei uns zu Hause habe ich deshalb Bammel.
Nach ungefähr zehn Minuten schläft Ozzy. Er ist vom Fiepen müde geworden. Der Trennungsschmerz lässt grüßen. Immerhin – sein erstes Geschäft hat er schon erledigt. Natürlich im Auto. So viel zum feierlichen Beginn unseres neuen Lebens zu viert. Vor uns liegt jetzt die Begegnung, um die sich seit Wochen alles dreht: Wie wird Elvis auf den Welpen reagieren?
Elvis wird hektisch
Der Ablauf ist bestens durchdacht: Gemeinsam mit Hundetrainer Jörg hole ich Elvis von zu Hause ab. Wir gehen mit ihm die übliche Gassirunde Richtung Feld. Denn in 200 Meter Entfernung wartet Volker mit Ozzy auf einer Rasenfläche.
Als wir um die Kurve biegen, ist der große Moment gekommen. Elvis wird hektisch. Er sieht Volker und dann Ozzy. Sofort will er Anlauf nehmen und checken, wer das ist. „Stop“, sagt Jörg. „Wir bringen Elvis erst mal zur Ruhe.“
Das ist jetzt leichter gesagt als getan. Und zieht sich gefühlt eine halbe Stunde hin. Erst dann darf sich Volker langsam mit Ozzy nähern, während ich Elvis mit einem Finger am Halsband halte. Für ruhiges Verhalten gibt es für Elvis immer wieder Lob und Leckerlis.
Auch interessant: „Ich hatte meinen Traumhund genau vor Augen – dann kam Ozzy“
Ozzy wird alles zu viel
Anfangs reagierte Ozzy auf Elvis noch ein wenig unsicher. Doch nach der langen Wartezeit legt sich die Aufregung auch bei ihm. „Jetzt darf Elvis Kontakt zu Ozzy aufnehmen“, sagt Jörg.
Pfeilschnell nähert sich Elvis Ozzy und beschnüffelt ihn ausgiebig. Das wird dem kleinen Welpen allerdings ein bisschen zu viel. Ich nehme Elvis deswegen wieder zu mir. Volker und ich setzen uns beide mit den Hunden in Bewegung, wobei sie immer wieder Kontakt aufnehmen dürfen. „Wie fühlst du dich?“, fragt mich Jörg. „Na ja, meine Sorge galt nicht der Begegnung auf neutralem Boden, sondern der Situation im Haus“, entgegne ich.
„Ich hatte meinen Traumhund genau vor Augen – dann kam Ozzy“
„Der Hund beißt sich in den Schwanz! Was ist bloß mit Elvis los?“
Zu Hause zeigt sich, ob es wirklich funktioniert
Dazu kommen wir anschließend. Als ich zu meinem ersten Hund einen Welpen dazu nahm, zeigte dieser das Verhalten, was die meisten Ersthunde zeigen: Sie erlauben dem Neuzugang erst mal nur maximal ihre Luft zu atmen. Mehr aber auch nicht. Das ist völlig okay. Ich bin fein damit, wenn Elvis Ozzy verbietet, in sein Hundebett zu gehen. Das Spielzeug haben wir ohnehin schon weggeräumt, damit es keine Konflikte gibt.
„Wichtig ist, dass Elvis für jede positive Aktion mit Ozzy gelobt wird“, unterstützt Jörg. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich an diesem Nachmittag „Prima Elvis“ gesagt habe. Jörg ist sichtlich zufrieden: „Das ist eine Zusammenführung wie im Bilderbuch.“
Auch interessant: Brauchen Hunde Artgenossen als Freunde?
Ist die Gefahr jetzt gebannt?
„Das Schlimmste ist für heute wahrscheinlich überstanden. Aber natürlich muss man weiterhin ein Auge darauf haben, wie sich die Situation zwischen den beiden Hunden in den nächsten Wochen weiterentwickelt.“ Denn eins ist offensichtlich: Elvis behält den Kleinen genau im Blick und kontrolliert jede Aktion. Ich wiederum beobachte Elvis sehr genau und kontrolliere im Moment fast jede seiner Aktionen. Wir haben jetzt also einen Hund, der den Welpen beobachtet und mich, die beide Hunde beobachtet. Entspannung muss sich in diesem Haushalt offenbar erst noch herumsprechen.
Der erste Tag ist geschafft. Ich bin erleichtert. Gleichzeitig bin ich mir ziemlich sicher: Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Und ich sollte recht behalten …