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Brauchen Hunde Artgenossen als Freunde?

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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

15. April 2026, 5:54 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Viele Hundehalter kennen den Druck von außen: „Der braucht doch Kontakt!“, oder „Lass die doch mal spielen!“ Doch nicht jeder Hund braucht Freunde oder möchte Begegnungen mit Artgenossen – und das ist völlig in Ordnung. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern die Qualität der Kontakte. Warum echte Hundefreundschaften Zeit brauchen, woran Sie guten Kontakt erkennen und weshalb es wichtig ist, die Bedürfnisse des eigenen Hundes zu respektieren, erklärt Hundetrainerin Katharina Marioth.

„Ja, Hunde brauchen Hundefreundschaften“

Für Hundetrainerin Katharina Marioth ist klar: Die Frage beschäftigt so gut wie jeden Hundehalter. Immer wieder höre man Sätze wie „Die müssen doch Kontakt haben“ oder „Der will doch nur mal Hallo sagen“. Grundsätzlich bestätigt sie zwar, dass Hunde soziale Kontakte zu Artgenossen brauchen – schränkt aber deutlich ein: „Ja, Hunde brauchen Hundefreundschaften – aber es geht wirklich um Freundschaften.“ Und diese entstünden eben nicht zufällig auf der Hundewiese oder bei kurzen Begegnungen an der Leine.

Wenn man Freundschaft als soziale Bindung verstehe, brauche sie Zeit und Entwicklung. Entscheidend sei also nicht die Menge an Kontakten, sondern deren Qualität. Es gehe darum, dass Begegnungen gut verlaufen und sich langsam aufbauen. Marioth stellt aber auch klar: Wenn ein Hund signalisiere, dass er keinen Kontakt möchte, dürfe und sollte man ihn schützen.

Wie erkenne ich, dass mein Hund Freunde braucht?

Doch wie lässt sich überhaupt erkennen, ob ein Hund Interesse an anderen Hunden hat? Marioth empfiehlt, zunächst darauf zu achten, wie ein gelungener Hundekontakt aussieht. Bereits die Annäherung gebe wichtige Hinweise. Ein positiver Kontakt beginne meist in einem leichten Bogen, mit entspannter Körperhaltung und ohne übermäßige Aufregung.

Während Welpen oft noch deutlich impulsiver reagieren, zeigten erwachsene Hunde in der Regel ein ruhigeres Verhalten. Es folge eine kurze gegenseitige Begrüßung, bei der Informationen über Geruch aufgenommen werden. Anschließend „verständigen“ sich die Hunde über ihre Körpersprache darüber, wie es weitergeht: ob sie sich wieder trennen, gemeinsam die Umgebung erkunden oder vielleicht ins Spiel finden.

So entstehen „echte“ Hundefreundschaften

Im weiteren Verlauf sei vor allem wichtig, dass die entstehende Dynamik für beide Seiten angenehm bleibe. „Wenn man den Eindruck hat, da entsteht wirklich eine gegenseitige Interaktion, dann ist das eine wunderbare Sache“, so Marioth. Dazu gehöre etwa, dass sich Hunde im Spiel abwechseln und keiner dauerhaft in eine Rolle gedrängt wird.

Gerade für unsichere Hunde könne ein souveräner, ruhiger Artgenosse eine wertvolle Unterstützung sein. Ein solcher Hund vermittle Sicherheit und zeige, dass alltägliche Reize keine Bedrohung darstellen müssen. In solchen Konstellationen könnten echte, stabile Freundschaften entstehen.

Hunde müssen sich in Ruhe kennenlernen dürfen

Dass sich diese Beziehungen nicht von selbst ergeben, liegt für Marioth auf der Hand. Vielmehr müssten sie sich entwickeln dürfen. Sie rät dazu, Hundebegegnungen bewusst zu gestalten, statt sie dem Zufall zu überlassen.

Wenn sich etwa zwei Hundehalter kennen, könne es sinnvoll sein, zunächst gemeinsam an der Leine spazieren zu gehen. Auf diese Weise hätten die Hunde die Möglichkeit, sich in ruhigem Rahmen und mit etwas Abstand kennenzulernen, ohne sofort in direkten Kontakt gehen zu müssen. Erst wenn die Situation entspannt bleibe und beide Tiere Interesse zeigen, könne man sie ableinen und weiter beobachten, ob sie auch frei miteinander interagieren möchten.

Man sollte keine spontane Freundschaft erwarten

Solche Treffen sollten idealerweise mehrfach stattfinden. Denn das verbreitete Szenario, Hunde auf einer Wiese einfach laufen zu lassen und zu erwarten, dass sie sich dort spontan anfreunden, hält Marioth für problematisch.

Sie zieht einen anschaulichen Vergleich: Das sei in etwa so, als würde man einen Menschen allein in einen Club schicken und erwarten, dass er mit mehreren neuen Freunden zurückkomme. In vielen Fällen sei das schlicht zu viel verlangt. Stattdessen brauche es Ruhe, Wiederholung und die Möglichkeit, sich schrittweise aufeinander einzulassen.

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„Echte Bindung braucht Zeit“

Hinzu kommt, dass viele alltägliche Hundebegegnungen eher von Stress und hoher Erregung geprägt sind als von echtem sozialen Interesse. Besonders an der Leine oder in stark frequentierten Parks schaukelten sich Hunde häufig gegenseitig hoch. Mit echter Bindung habe das wenig zu tun. „Echte Bindung braucht Zeit“, betont Marioth – ähnlich wie in der Beziehung zwischen Mensch und Hund. Als grobe Orientierung nennt sie einen Zeitraum von mindestens drei Monaten, in dem sich eine stabile soziale Beziehung entwickeln kann.

Nicht alle Hunde wollen Freunde – das sollten Sie respektieren

Doch was bedeutet das für Hunde, die schlechte Erfahrungen gemacht haben und Artgenossen eher meiden? Gerade Tiere aus dem Tierschutz oder mit unsicherem Charakter zeigen oft wenig Interesse an Kontakt. Für Marioth ist entscheidend, diesen Wunsch zu respektieren.

Sie sieht den Menschen hier nicht als Ersatz für fehlende Hundekontakte, sondern betont, dass man die Bedürfnisse des Hundes ernst nehmen sollte. „Wenn mein Hund sagt, ich möchte das nicht, dann ist das erst mal so“, erklärt sie.

Gleichzeitig schließt sie nicht aus, dass sich dies ändern kann. Oft brauche es lediglich den passenden Gegenpart – einen Hund, der in Temperament, Auftreten und Energielevel gut passt. Wenn diese Voraussetzungen stimmen, könne sich auch bei zunächst zurückhaltenden Hunden eine harmonische Beziehung entwickeln – ganz ohne Druck und im eigenen Tempo.

Das gesamte Interview mit Katharina Marioth sehen Sie im Video.

Zur Expertin

Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.

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