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PETBOOK-Kolumne

„Ich hatte meinen Traumhund genau vor Augen – dann kam Ozzy“

Wird Australian Shepherd Elvis den neuen, kleinen Mitbewohner willkommen heißen? Autorin Manuela Liefländer erzählt in ihrer monatlichen PETBOOK-Kolumne vom Einzug von Welpe Ozzy
Wird Australian Shepherd Elvis den neuen, kleinen Mitbewohner willkommen heißen? Autorin Manuela Liefländer erzählt in ihrer monatlichen PETBOOK-Kolumne vom Einzug von Welpe Ozzy Foto: Manuela Liefländer
Porträtaufnahme von Autorin Manuela Lieflaender mit Hund Elvis
Freie Autorin

9. September 2026, 17:04 Uhr | Lesezeit: 11 Minuten

Monatelang suchte PETBOOK-Autorin Manuela Liefländer nach dem passenden Zweithund. Nun zieht Welpe Ozzy ein. In ihrer neuen Kolumne erzählt sie von Herzentscheidungen, Zweifeln und der Frage: Wird ihr erster Hund Elvis den Neuankömmling akzeptieren?

Kurz vor Ozzys Einzug wachsen meine Zweifel

Ich atme tief durch. Heute ist der letzte Freitag, an dem Elvis der einzige Hund in unserem Haushalt ist. Wann ist er eigentlich so anhänglich und verschmust geworden? In dieser Woche fällt mir das mehr auf als sonst. Mein schlechtes Gewissen ihm gegenüber meldet sich. Wenn er wüsste, dass schon in ein paar Tagen ein Welpe einzieht… 

Auf unserer Gassirunde stelle ich mir vor, wie ich künftig Elvis an der Leine habe und Ozzy im Buggy schiebe, wenn seine kleinen Welpenbeine müde werden. Der Hundebuggy gehörte meinem Kleinspitz Samy. Nach seinem Tod wäre ein zweiter Hund für mich zunächst undenkbar gewesen. Die letzten Monate mit meinem fast 20-jährigen Senior hatten viel Kraft gekostet – sein Tod erst recht. 

Erst knapp ein Jahr später fühlte sich der Gedanke an einen zweiten Hund möglich an. Dass es erneut ein Australian Shepherd werden sollte, stand für mich fest. Nur dieses Mal ist die Ausgangslage eine andere. 

Als meine Australian-Shepherd-Hündin Hailey damals mit acht Wochen einzog, war Samy fünf Jahre alt. Der kleine Spitz-Prinz fand den Neuankömmling ziemlich kacke. Eine Gefahr für den Welpen bestand dennoch nie: Samy war ein kleiner Rüde, Hailey eine Hündin – und später ohnehin die Chefin. Wie im wahren Leben. 

Bei Elvis und Ozzy sieht es anders aus. Elvis ist fast 3,5 Jahre alt, unkastriert und ein Spätentwickler. Ozzy kommt mit acht Wochen zu uns. Zwei Australian-Shepherd-Rüden, die sich ihren Alltag, ihr Zuhause und vor allem unsere Aufmerksamkeit teilen sollen. Wie Elvis darauf reagieren wird, weiß niemand. 

Eigentlich spricht vieles dafür, dass es gut gehen könnte. Elvis möchte in freundlicher Absicht zu fast jedem Hund hin und hat grundsätzlich das Zeug dazu, mit anderen Hunden zusammenzuleben. Aber „grundsätzlich“ ist ein gefährliches Wort. Es gibt auch Hunde, auf die er ausgesprochen ablehnend reagiert. Und Elvis teilt vor allem eines nicht gern: unsere Aufmerksamkeit.  

Wenn andere Menschen meinen Lebensgefährten Volker und mich umarmen oder wir einen fremden Hund streicheln, drängt er sich dazwischen. Was bedeutet das erst, wenn ein Welpe nicht nach fünf Minuten wieder geht? 

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Ich suchte einen zweiten Elvis 

„Es gibt keinen zweiten Hund“. Das war lange Volkers Einstellung dazu. Normalerweise bin ich harmoniebedürftig. Aber nur so lange, bis ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe. Dann bin ich wie ein Terrier und ziehe das gnadenlos durch. Volkers letztes Argument: „Was ist mit unserem Ferienhaus in Dänemark? Das wird nur mit einem Hund vermietet.“ Egal. Wir machen einfach eine Dänemark-Rundreise mit einem Wohnmobil. Immer nur an einem Ort zu sein, ist sowieso langweilig. Spätestens in dem Moment wusste auch Volker: Es ist zwecklos. Die Entscheidung ist gefallen. „Aber ich will keinen schwarzen Hund! Ich möchte einen Red-Merle-Australian-Shepherd.“  

Er wusste, dass ich mich bei einer Züchterin auf die Interessentenliste setzen ließ, und war von Anfang an einbezogen. Gleichzeitig hoffte er vermutlich, dass am Ende doch kein passender Welpe für uns dabei sein würde. 

Seine Vorbehalte kamen nicht aus dem Nichts. Als Elvis bei uns einzog und Volker im Homeoffice viel auf ihn aufpasste, fiel irgendwann der Satz: „Das war ein Fehler, den Hund anzuschaffen.“ Der Streit darüber wuchs sich damals zu einer Beziehungskrise aus. Natürlich fürchte ich, dass sich diese Geschichte wiederholt, wenn der Alltag mit zwei Hunden anstrengender wird als erhofft. 

Trotzdem suchte ich. Ich sah mir unzählige Verpaarungen im Internet an, verglich sie und dachte sogar über einen Australian Shepherd aus dem Ausland nach. Doch das Risiko war mir zu groß. Ich wollte die Aufzucht selbst erleben, die Mutterhündin kennenlernen und wissen, wie die Welpen sozialisiert werden. 

Der neue Hund sollte freundlich sein, ein moderates Temperament haben und vor allem zu Elvis passen. Optisch hatte ich ebenfalls ein klares Bild: Blue Merle oder Red Merle, ein voller weißer Kragen, eine symmetrische Gesichtszeichnung, kräftiger Körperbau und viel Fell. Im Grunde suchte ich ein Abbild von Elvis. Stattdessen begegnete mir Ozzy. 

Mein Herz hatte längst gewählt 

Ozzy war seit dem ersten Foto, das kurz nach der Geburt entstand, mein Favorit. Ich weiß nicht mal, warum, denn er entspricht überhaupt nicht meinem Beuteschema. Er hat so wenig Merle, dass er beinahe wie ein Black Tri aussieht. Ein schwarzer Hund also. „Der ist hässlich. Den will ich nicht“, war dann auch prompt Volkers Aussage, als er das Bild von Ozzy sah. Kein voller weißer Kragen, keine auffällige Merle-Zeichnung, kein kleiner zweiter Elvis. Und dann auch noch schwarz und kein Red-Merle-Aussie.  

Als ich den Wurf im Alter von vier Wochen zum ersten Mal besuchen durfte, schlief Ozzy abseits von seinen Geschwistern. Ich sah ihn dort liegen und hatte gefühlt Herzchen in den Augen. Für mich war das Ozzy. In seiner Ahnentafel heißt er übrigens „Mind Over Matter Joker Deals At Midnight“. Ziemlich cool, oder?

Zwei Australian Shepherd Welpen
Wer kann schon zu diesen Australian Shepherd Welpen „Nein“ sagen? Foto: Petbook / Manuela Lieflaender

„Mind Over Matter“ ist der geschützte Name der Zuchtstätte von Martina, Marc und Celine Naffien. „Joker Deals At Midnight“ ist sein offizieller Name. Im Alltag bleibt es schlicht bei Ozzy. Solche Ahnentafelnamen dürfen durchaus fantasievoll und deshalb ziemlich lang sein; sie werden vor allem für die offizielle Registrierung, Zucht und Ausstellungen verwendet. Die FCI führt Zuchtstättennamen in einem internationalen Register, damit sie eindeutig zugeordnet und geschützt sind.  

Die Züchterfamilie kennt mich, sie kennt meinen Geschmack und sie kennt Elvis. Deshalb schlug sie mir einen anderen blue-merle Rüden vor, der optisch meinen ursprünglichen Vorstellungen entsprach und der sich besser für mein Hobby eignet – Hunde-Ausstellungen. Martina und Marc Naffien sind selbst erfahrene Aussteller, Marc ist außerdem internationaler FCI‑Richter. Ich wusste, dass ich auf ihre Wahl vertrauen kann, und sicher hatten sie recht, dass der andere blue-merle Rüde das bessere Gangbild hat.  

Auch interessant: Gibt es wirklich charakterliche Unterschiede zwischen Hündinnen und Rüden?

Damit begann der Konflikt in meinem Kopf. Ozzy war der Welpe, den ich vom ersten Bild an wollte. Aber was, wenn ich diese Entscheidung später bereute, weil er optisch so gar nicht meinem eigentlichen Beuteschema entsprach? Sollte ich wirklich gegen die Empfehlung der erfahrenen Züchterfamilie entscheiden? Und gegen Volker, der ausdrücklich keinen schwarzen Hund wollte?  

Gleichzeitig dachte ich: Noch ein klassischer Blue Merle ist irgendwie auch langweilig.  Schließlich siegte die vermeintliche Vernunft. In einem Telefonat sagte ich zu: Dann nehme ich den Welpen, den ihr für mich ausgewählt habt. „Sicher?“, fragte die Züchterin überrascht, „Ich wollte Dir eigentlich gerade sagen, dass Du besser Ozzy nehmen solltest, weil Dein Herz für ihn schlägt.“ Ich blieb trotzdem dabei. Aber schon beim Auflegen fühlte sich die Entscheidung falsch an. 

Abends lag ich im Bett und dachte: Dann möchte ich lieber gar keinen Welpen. Der andere Rüde war wunderschön und objektiv vielleicht die naheliegendere Wahl. Aber er war kein Ozzy. Mir fehlte dieses Gefühl, das von Anfang an da gewesen war. 

Ich holte mir Rat bei meiner Freundin Isabel. Sie hatte über Wochen mitbekommen, dass ich immer wieder von Ozzy sprach. Für sie war längst offensichtlich, welchen Welpen ich wollte. Sie bestärkte mich darin, meinem Gefühl zu vertrauen. Also nahm ich meine Zusage zurück und fuhr noch einmal zu den Welpen. 

War Ozzy wirklich der Richtige? 

Bei diesem Besuch wurde mir klar, dass nicht nur Ozzys ungewöhnliches Aussehen den Unterschied machte. Auch in seinem Verhalten war er anders. Er konnte mit seinen Geschwistern spielen, aber ebenso gut allein sein und sich selbst beschäftigen. Er machte vieles in seinem eigenen Tempo, wirkte unabhängig und blieb dabei freundlich zu Menschen und Welpen. Ein kleiner Freigeist.  

Natürlich kann niemand bei einem wenige Wochen alten Welpen verbindlich vorhersagen, wie er sich entwickeln wird. Aber ich musste mich fragen, was mir wirklich wichtiger war: ein Hund, der meinem äußeren Wunschbild möglichst genau entsprach – oder der Welpe, zu dem ich längst eine besondere Verbindung spürte. Als für mich feststand, dass Ozzy einziehen würde, war ich erleichtert. 

Bei der Optik bin ich von meinem Ideal abgewichen, wenn man so will. Bei den Dingen, die mir wichtiger sind, nicht. Die Elterntiere sind gesundheitlich untersucht und ihr Wesen überzeugte mich. Bei meinen Besuchen konnte ich neben der Mutterhündin auch deren Schwester, die Großmutter der Welpen und eine weitere Tante im Rudel erleben. Die Welpen wuchsen sauber, abwechslungsreich und mitten unter den erwachsenen Hunden auf. Genau diese Einblicke hatte ich gesucht. 

Dann wählte Ozzy ausgerechnet Volker 

Zu meinem ersten Besuch bei den vier Wochen alten Welpen war Volker nicht mitgekommen. Als die Entscheidung anstand, musste ich sie deshalb ohne ihn treffen. Mit sieben Wochen lernte er Ozzy schließlich kennen. Der Welpe ging sofort zielgerichtet zu ihm – und schwupps hatte er ihn um die Pfote gewickelt!  

Als Volker ihn auf den Arm nahm, biss Ozzy ihm spielerisch in die Nase und verteilte Küsschen. Danach lag er fast nur noch unter Volkers Stuhl. Ich bemerkte es zuerst – und Volker freute sich. Später sagte er: „Den hätte ich auch genommen, weil er so interessant aussieht.“ 

Schon Elvis hatte sich damals sehr schnell für Volker entschieden. Nun hat es offenbar auch Ozzy getan. Wer hätte das gedacht? Denn damit sind Volker und ich uns inzwischen einig: Ozzy gehört zu uns. Ob Elvis das auch so sieht?

Volker mit Wlepe Ozzy
Ozzy wich kaum von Volkers Seite. Ein gutes Zeichen? Foto: Petbook / Manuela Lieflaender
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Ist Elvis wirklich eifersüchtig? 

Damit wir die erste Begegnung nicht allein unserem Bauchgefühl überlassen, habe ich Hundetrainer Jörg Ziemer von Ziemer & Falke im Rahmen dieser Kolumne um Unterstützung gebeten. Er wird uns beim Einzug und in der ersten gemeinsamen Zeit begleiten. 

Im vorbereitenden Gespräch ordnete er Elvis’ Verhalten differenzierter ein. Das Etikett „Eifersucht“ greift demnach zu kurz. Jörg sprach von einem eifersuchtsähnlichen Verhaltenskomplex. Je nach Situation könne bei Elvis ebenso Unsicherheit eine Rolle spielen. Sein Dazwischendrängen sei deshalb nicht automatisch ein Machtanspruch. 

Für unseren Alltag bedeutet das: Kommt Ozzy zu uns, bekommt Elvis einen Hundekeks. So kann er nach und nach lernen, dass es für ihn etwas Gutes bedeutet, wenn der Welpe dazukommt. Drängt Elvis sich zwischen Ozzy und uns, begrenzen wir ihn ruhig und freundlich und lösen die Situation auf. Volker und ich entscheiden, welcher Hund gerade an der Reihe ist. 

Als vorbereitende Übung hat Jörg uns außerdem eine sogenannte aktive Pause empfohlen. Elvis soll schrittweise lernen, dass meine Aufmerksamkeit zeitweise nicht verfügbar ist – und dass sie anschließend zuverlässig zurückkehrt. 

Auch in den ersten gemeinsamen Tagen wollen wir möglichst klare Bedingungen schaffen. Spielzeug und besonders wertvolle Ressourcen werden zunächst weggeräumt. Beide Hunde bekommen eigene Ruheplätze mit ausreichend Abstand, und die Fütterung wird beaufsichtigt. Sollte Elvis knurren, wird das nicht bestraft. Es ist ein Warnsignal und zeigt uns, dass die Situation mehr Abstand oder eine andere Struktur braucht. 

Mehr Plan gibt es nicht 

Die erste Begegnung soll draußen auf neutralem Boden stattfinden, bevor es nach Hause in den Garten geht. Einen minutiösen Ablaufplan gibt es trotzdem nicht. Jörg hat uns bewusst keinen starren Fahrplan vorgegeben. Stattdessen wird Schritt für Schritt entschieden, was die beiden Hunde in der jeweiligen Situation brauchen. Genau das fällt mir vermutlich am schwersten. Ich habe monatelang gesucht, verglichen und abgewogen. Ich wollte den passenden Züchter, die passende Verpaarung, den passenden Welpen – und am liebsten schon vorher die Gewissheit, dass alles funktioniert. 

Bei Ozzy musste ich lernen, meinem Gefühl zu vertrauen. Bei Elvis wird mir nun nichts anderes übrig bleiben, als genau hinzusehen und nicht jede Reaktion vorwegnehmen zu wollen. Volker hat Ozzy inzwischen akzeptiert. Ich habe nach einer Achterbahnfahrt endlich den Welpen gewählt, den ich vom ersten Foto an im Kopf hatte.

Bald kommt Ozzy nach Hause. Dann wird sich zeigen, ob auch Elvis bereit ist, aus unserem eingespielten Alltag ein Leben zu viert zu machen. 

Die Entwicklung von Elvis und Ozzy begleitet PETBOOK mit einer monatlichen Kolumne. Ergänzend sind regelmäßige Instagram-Einblicke geplant.

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