23. Juli 2026, 13:14 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Viele Hundehalter ziehen ihren Vierbeiner weiter, wenn er beim Spaziergang ausgiebig schnüffeln möchte. Dabei ist Nasenarbeit für Hunde weit mehr als nur Zeitvertreib. Studien zeigen sogar: Hunde, die regelmäßig ihre Nase einsetzen dürfen, sind ausgeglichener und zufriedener. Warum Schnüffeln so wichtig ist und wie Sie Ihren Hund mit einfacher Nasenarbeit sinnvoll auslasten, erklärt PETBOOK-Autorin und Gesundheitsberaterin für Hunde Philine Ebert.
Hunde sind durch Nasenarbeit glücklicher
Einer aktuellen Studie zufolge sind Hunde, die regelmäßig mit der Nase arbeiten, ausgelasteter und glücklicher. Forscher aus Frankreich und den USA fanden heraus: Ausgiebiges Schnüffeln beschäftigt nicht nur, es macht zufrieden.
Nach zwei Wochen Trainingsphase mit der Nase reagierten die Probanden schneller, waren viel interessierter und erwartungsvoller als andere Tiere. Dieses eindeutige Zeichen für ein gutes, emotionales Wohlbefinden zeigt, wie wichtig es ist, dass Hunde nicht nur körperlich, sondern auch mental ausgelastet sind.
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Warum die Nase das wichtigste Sinnesorgan des Hundes ist
Der erste Sinn, den ein Welpe nach seiner Geburt entwickelt, ist der Geruchssinn. Ein Hund kann mit seinen über 200 Millionen Riechzellen bis zu einer Million verschiedene Gerüche unterscheiden, der Mensch hingegen nur etwa zehntausend. Beim konzentrierten Schnüffeln atmet ein Hund bis zu dreihundertmal in der Minute ein, um möglichst viele verschiedene Gerüche aufzunehmen und zu analysieren. Dabei verbleibt die Luft länger in der Nase als beim Menschen, Gerüche werden viel intensiver wahrgenommen und verarbeitet.
Hunde sind sogar in der Lage, die Nasenlöcher unabhängig voneinander zu nutzen, um die Richtung zu differenzieren (links oder rechts), aus der der Geruch herkommt. Durch das Jacobsonsche Organ, das zusätzlich als Riechorgan am Gaumen sitzt, erkennt ein Hund Pheromone und kann damit Stimmung, Gemütslage oder Angst erschnuppern. Bestimmte Duftnoten werden so direkt nach psychologischen Aspekten gefiltert.
Wozu nutzt ein Hund seine Nase?
Zur Suche nach Futter, zum Erkennen von Gefahren und Feinden, bei der Partnersuche oder zur Kommunikation mit Artgenossen sind Hunde auf ihre Nase angewiesen. Der Vorfahre Wolf konnte seine Beutel schon aus kilometerweiter Entfernung wahrnehmen. Wegen ihres spezifischen und ausgezeichneten Geruchssinns werden Hunde seit vielen Jahren als Sprengstoff-, Drogen- oder Rettungssuchhunde ausgebildet. Nach Lawinenunglücken oder Erdbeben können sie verschüttete Personen bis zu 3 Meter unter der Erde oder dem Schnee finden.
Leiden Menschen an Krankheiten, die Anfälle verursachen können, wie zum Beispiel Diabetes, Epilepsie oder Migräne, sind sie sogar in der Lage, gesundheitliche Veränderungen oder bevorstehende Anfälle zu riechen und anzuzeigen. Laut Studien sind Hunde, sogar in der Lage, verschiedene Krebsarten zu erschnüffeln, und konnten letztlich auch das Coronavirus identifizieren.
Selbst einfache menschliche Gefühle wie Angst, Wut oder Trauer können anhand der damit verbundenen Gerüche erkannt und unterschieden werden.
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Warum ist Nasenarbeit so wichtig?
Der Riechkolben, der ein Teil des Großhirns ist, macht etwa 10 % des Hundegehirns aus (beim Menschen nur etwa 1 Prozent). Damit werden alle Informationen, die über die Riechnerven wahrgenommen werden, verarbeitet und weitergeleitet. Das unterscheidet die Wahrnehmung des Hundes, die vorrangig über den Geruchssinn ausgerichtet ist, von der hauptsächlich visuellen Wahrnehmung des Menschen.
Die Wirkung ist enorm. Nasenarbeit fordert in besonderem Maße die geistige Auslastung, da sie höchste Konzentration erfordert und mental am stärksten auslastet.
Überdrehten, überforderten oder unsicheren Hunden hilft aktives Schnüffeln, sich zu beruhigen, da sie in diesem Moment komplett fokussiert und abgelenkt sind. Sie werden dadurch ruhiger und gelassener. Als positiver Nebeneffekt wird die Mensch-Hunde-Bindung dadurch automatisch gestärkt.
Gelegenheiten und Übungen für aktive Nasenarbeit
Es gibt viele Möglichkeiten, Hunde mit ihrer Nase sinnvoll zu beschäftigen. Ob zu Hause oder unterwegs: Schon mit einfachen Suchspielen lässt sich der natürliche Spürsinn fördern und der Vierbeiner geistig auslasten. Besonders gut eignen sich folgende Übungen:
- Futtersuche: Futter, Leckerlis oder Belohnungen, die versteckt wurden (drinnen oder draußen), müssen durch Schnüffeln aufgespürt werden. Dazu eignen sich auch spezielle Spielzeuge oder Schnüffelteppiche.
- Gezielte Objektsuche: Ein bestimmter Gegenstand (z.B. Spielzeug, Schlüssel etc.) soll gesucht und gefunden werden. Erst wird daran geschnüffelt, dann wird der Gegenstand versteckt und anschließend wird gesucht. Für Fortgeschrittene kann das Objekt auch in einem Behälter, z. B. einer Dose, einem Karton oder einer Kiste, versteckt werden.
- Fährtensuche und Mantrailing: Der Hund folgt der Spur eines Menschen, und sucht ihn anhand seines individuellen Körpergeruchs. Im Gegensatz zur klassischen Fährtensuche, bei der einer Spur am Boden gefolgt wird, filtert der Hund den spezifischen Geruch des Menschen aus der Umgebung, gegebenenfalls auch durch ausgelegte Gegenstände der Person (Kleidung, persönliche Gegenstände).
Wichtig ist, den Hund nicht zu überfordern. Schon wenige Minuten konzentrierte Nasenarbeit können den Vierbeiner geistig stark auslasten und sind oft effektiver als eine deutlich längere körperliche Beschäftigung.
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Regeln und Tipps für artgerechte Nasenarbeit
Damit Nasenarbeit den Hund weder überfordert noch frustriert, sollten einige Grundregeln beachtet werden. Schon kleine Anpassungen sorgen dafür, dass Suchspiele und Schnüffelaufgaben für den Vierbeiner zu einer positiven Erfahrung werden:
- Der Hund gibt das Tempo vor: Lassen Sie ihn schnüffeln, bis er fertig ist. Gerade während des Gassigehens hat er die Gelegenheit, wertvolle Informationen zu sammeln. Ziehen Sie ihn weiter, wäre das, als würde Ihnen jemand die Zeitung während des Lesens wegziehen.
- Ruhe vorher und Erholungsphasen danach: D. h., nur ein ausgeschlafener Hund kann so viele Informationen aufnehmen und anschließend verarbeiten. Dazu benötigt er Ruhe, Zeit zum Abschalten und eine Umgebung ohne Lärm und Reize.
- Weniger ist mehr: Überfordern Sie das Tier nicht, denn Nasenarbeit macht im positiven Sinn schnell müde. Schon 10 bis 15 Minuten intensive Nasenarbeit (2 bis 3 Mal die Woche) reichen aus. Das gilt im Besonderen für Welpen und ältere Tiere.
- Auf ausreichend Wasser achten: Ausgiebiges Schnüffeln trocknet durch das vermehrte Hecheln die Schleimhäute schneller aus. Wasser für unterwegs und frisches Wasser zu Hause sind darum notwendig.
- Die richtigen Bedingungen wählen: Nasenarbeit eignet sich am besten in ruhiger Umgebung und sollte nicht direkt nach intensivem Toben, Training oder an sehr heißen Tagen stattfinden. Körperliche und geistige Überforderung lassen sich so vermeiden.
Mit diesen einfachen Grundregeln wird Nasenarbeit zu einer artgerechten Beschäftigung, die den Hund fordert, ohne ihn zu überlasten. Entscheidend ist nicht die Dauer, sondern dass der Vierbeiner mit Freude und in seinem eigenen Tempo arbeiten darf.
Mein Fazit
Seinen Hund durch Nasenarbeit auszulasten, ist eine der natürlichsten und artgerechtesten Beschäftigungsformen. Der Spaziergang im heimischen Revier ist eine der wichtigsten Möglichkeiten für unsere Vierbeiner, um Informationen abzurufen und zu sammeln. Ob zu Hause, auf Spaziergängen oder Reisen, auch eine neue Umgebung bietet viele Möglichkeiten für neue Eindrücke. Letztlich macht es unsere Hunde nicht nur glücklich, nebenbei stärkt das gemeinsame Erleben auch die Bindung.