1. Mai 2026, 16:13 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Beim Streicheln fällt ein kleiner Knoten unter der Haut auf. Vielleicht ist die Stelle leicht gerötet, fühlt sich weich oder teigig an oder wirkt wie eine schlecht heilende Wunde. Viele Halter denken zunächst an eine harmlose Veränderung. Gerade weil solche Hautknoten so unterschiedlich aussehen können, werden sie oft unterschätzt. PETBOOK erklärt, wie ein Mastzelltumor beim Hund entsteht, welche Symptome auftreten können und warum eine frühe Abklärung entscheidend ist.
Funktion und Störung im Körper
Mastzellen sind Teil der körpereigenen Abwehr. Sie entstehen im Knochenmark, gelangen über das Blut in den Körper und siedeln sich in verschiedenen Geweben an. Dort spielen sie eine wichtige Rolle bei Immunreaktionen, Allergien und Entzündungsprozessen.
Im Inneren enthalten Mastzellen verschiedene aktive Stoffe wie Histamin, Heparin und Enzyme. Diese Stoffe werden bei Bedarf freigesetzt und lösen im Körper Reaktionen aus. Das kann sich in Schwellungen oder Entzündungen zeigen.
Ein Mastzelltumor ist eine Ansammlung entarteter Mastzellen und zählt zu den Krebserkrankungen. Beim Hund gehört er zu den häufigsten Hauttumoren. Meist tritt er an Gliedmaßen, am Rumpf oder am Kopf auf. Auch Bereiche wie Damm oder Geschlechtsorgane können betroffen sein. Seltener gibt es Formen, bei denen mehrere Stellen gleichzeitig betroffen sind oder sich die Tumorzellen vor allem in inneren Organen ansiedeln. Neben Hunden können im Übrigen auch Katzen und andere Haustiere von Mastzelltumoren betroffen sein.
Wie entsteht ein Mastzelltumor?
Die genauen Ursachen für Mastzelltumore bei Hunden sind nicht vollständig geklärt. Bekannt ist, dass sie durch Veränderungen, sogenannte Mutationen, in den Mastzellen entstehen können. Eine wichtige Rolle spielt dabei das sogenannte c-Kit-Gen, das an der Regulation von Zellwachstum beteiligt ist. Diese Mutation ist jedoch nicht bei jedem Tumor nachweisbar.
Auffällig ist eine Häufung bei bestimmten Hunderassen. Besonders häufig betroffen sind Boxer, Dackel, Shar-Pei, Rhodesian Ridgeback, Weimaraner, Labrador Retriever und Berner Sennenhunde. Boxer entwickeln oft eine weniger aggressive Form, was mit einer besseren Prognose verbunden sein kann. Diese Verteilung spricht für eine genetische Komponente.1
Wie sieht ein Mastzelltumor beim Hund aus?
Die Frage, wie sieht ein Mastzelltumor aussieht, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Genau das macht die Erkrankung so schwer erkennbar. Grundsätzlich kann jeder Hautknoten ein Mastzelltumor sein.
Typische Erscheinungsformen sind:
- knotige oder teigige Hautveränderungen
- haarlose oder behaarte Knoten
- gerötete oder geschwürartige Stellen
- nässende oder schlecht heilende Wunden
Meist tritt der Tumor einzeln auf. Bei etwa 11 bis 14 Prozent der betroffenen Tiere kommen aber auch mehrere Knoten gleichzeitig vor.
Die Knoten können weich oder derb anfühlen und sich in ihrer Größe verändern. Durch Berührung kann es zur Freisetzung von Histamin kommen. Dann schwillt der Tumor teilweise innerhalb kurzer Zeit an. Dadurch können es zusätzlich Rötungen oder Quaddeln entstehen. Wie schnell ein Mastzelltumor wächst, ist sehr unterschiedlich. Eine feste Wachstumsrate lässt sich nicht angeben. Dennoch ist rasche Größenzunahme innerhalb kurzer Zeit möglich.
Weitere mögliche Symptome, die auf einen Mastzelltumor hindeuten, sind:
- Juckreiz
- Schwellungen
- Blutungsneigung
- Wundheilungsstörungen
- Erbrechen
- Appetitlosigkeit
- Bauchschmerzen
- dunkel gefärbter Kot durch Blutungen im Magen-Darm-Trakt
In seltenen Fällen kann es zu allergieartigen Reaktionen bis hin zu Schocksymptomen kommen.2
Diagnose durch den Tierarzt
Da das Erscheinungsbild so variabel ist, reicht eine äußere Beurteilung meistens nicht aus. Die wichtigste Untersuchung ist die Feinnadelaspiration. Dabei entnimmt der Tierarzt mit einer feinen Nadel Zellen aus dem Knoten, die anschließend unter dem Mikroskop untersucht werden.
Bestätigt sich der Verdacht, wird der Tumor in der Regel chirurgisch entfernt. Anschließend erfolgt eine feingewebliche Untersuchung durch einen Pathologen. Das Ergebnis ist entscheidend für die weitere Einschätzung. Ein zusätzliches Blutbild kann helfen, den allgemeinen Gesundheitszustand zu beurteilen und mögliche Auswirkungen auf andere Organe zu erkennen.
Mastzelltumoren werden nach ihrem Differenzierungsgrad eingeteilt, entweder in Grad I bis III oder in low-grade und high-grade. Zusätzlich wird geprüft, ob der Tumor bereits gestreut hat. Dazu werden unter anderem Lymphknoten untersucht sowie je nach Fall Ultraschalluntersuchungen des Bauchraums oder weitere diagnostische Maßnahmen durchgeführt.3
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Behandlung von Mastzelltumoren
Die wichtigste Behandlungsmaßnahme ist die operative Entfernung des Tumors. Bei vollständig entfernten Tumoren niedrigen Grades (Grad I, viele Grad II bzw. low-grade) ist die Prognose in vielen Fällen gut. Häufig gelten die Tiere nach dem Eingriff als geheilt.
Konnte der Tumor nicht vollständig entfernt werden, ist oft eine Nachoperation oder eine Bestrahlung notwendig sein. Ziel ist es, verbliebene Tumorzellen zu zerstören und dadurch ein erneutes Wachstum zu verhindern.
Bei aggressiven Tumoren (Grad III oder high-grade) wird häufig eine Chemotherapie zusätzlich eingesetzt. Wenn bereits Metastasen vorliegen, kann diese Behandlung die Lebensqualität verbessern und die Lebenszeit verlängern. Ergänzend können Medikamente eingesetzt werden, um die Auswirkungen der freigesetzten Botenstoffe zu reduzieren. Dazu gehören Antihistaminika und Mittel zum Schutz des Magen-Darm-Trakts.4
Während der Erkrankung kann die Ernährung eine unterstützende Rolle spielen. Sie ersetzt jedoch keine medizinische Behandlung. Tumorzellen haben einen veränderten Stoffwechsel und entziehen dem Körper Energie und Nährstoffe. Dadurch kann es bei betroffenen Hunden zu Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen kommen.
Ziel der Fütterung ist es deshalb, den Energiebedarf zu decken und den Körper ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen. Empfohlen wird eine energiereiche, gut verdauliche und schmackhafte Ernährung. Eine ausreichende Versorgung mit essenziellen Aminosäuren, Vitaminen und Mineralstoffen ist wichtig.5
Wie lange kann ein Hund mit Mastzelltumor leben?
Die Prognose hängt stark vom Tumorgrad und vom Krankheitsstadium des Tieres ab. Auch die Lage des Tumors spielt eine Rolle. Bei niedriggradigen Tumoren ist die Prognose nach vollständiger Entfernung meist gut. Viele Hunde leben noch mehr als zwei Jahre nach der Behandlung, teilweise deutlich länger.
Deutlich schlechter ist die Situation bei hochgradigen Tumoren. Diese wachsen aggressiver, streuen häufiger und kehren öfter zurück. Die Metastasierungsrate liegt hier bei etwa 50 bis 90 Prozent. Die Überlebenszeit beträgt häufig weniger als vier Monate.
Eine gezielte Vorbeugung ist schwierig. Umso wichtiger ist es, Hautveränderungen früh ernst zu nehmen und tierärztlich untersuchen zu lassen.