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Messbare Veränderungen

Hundekontakt im Jugendalter verbessert laut Studie mentale Gesundheit

Jugendliche kuschelt mit Hund
Laut einer Studie kann Kontakt zu Hunden im Jugendalter positiv auf die mentale Gesundheit wirken – auf eine verblüffende Weise Foto: Getty Images
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

23. Dezember 2025, 15:14 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Ein Hund im Haus – mehr als nur ein treuer Freund? Eine Studie zeigt: Jugendliche, die mit Hunden leben, haben nicht nur bessere soziale Fähigkeiten und mentale Gesundheit, sondern auch eine andere bakterielle Zusammensetzung im Mund. Und genau diese Mikroben scheinen eine Rolle für das seelische Wohlbefinden zu spielen. In Laborexperimenten zeigten Mäuse, die mit diesen Bakterien in Kontakt kamen, ein deutlich sozialeres Verhalten.

Mikrobiom und Verhalten im Zusammenhang

Die Untersuchung wurde von einem interdisziplinären Team rund um Eiji Miyauchi und Takefumi Kikusui an der Azabu University (Japan) durchgeführt und am 19. Dezember 2025 in der Fachzeitschrift „iScience“ veröffentlicht. Sie analysiert den Zusammenhang zwischen Hundebesitz, psychischer Gesundheit und der Mundflora von Jugendlichen.

Ein Kernergebnis: hundehaltende Jugendliche hatten geringere Verhaltensauffälligkeiten und weisen Unterschiede in ihrem oralen Mikrobiom auf. Zudem zeigte ein anschließender Tierversuch, dass diese bakteriellen Unterschiede das Sozialverhalten und die mentale Gesundheit der Jugendlichen beeinflussen. Damit liefert die Studie neue Hinweise darauf, dass das Zusammenleben mit Hunden über das Mikrobiom das menschliche Verhalten beeinflussen kann.

Hunde können Einfluss auf mentale Gesundheit haben – Effekt besonders stark bei Jugendlichen

Schon frühere Studien deuten darauf hin, dass Hundebesitz positive Effekte auf die psychische Gesundheit haben kann – allerdings waren die Ergebnisse bisher uneinheitlich und oft methodisch limitiert. Gerade in der Jugend ist die mentale Entwicklung besonders sensibel, da tiefgreifende neurologische Veränderungen stattfinden. Auch die Zusammensetzung der menschlichen Mikrobiota – also der Gesamtheit aller Mikroorganismen im Körper – ändert sich durch Umweltfaktoren wie Haustiere.

Frühere Forschung konnte bereits zeigen, dass Hunde die Vielfalt der Mikroben im Haushalt erhöhen und deren Übertragung auf Menschen möglich ist. Diese Studie untersuchte daher, ob die veränderte Mikrobiota jugendlicher Hundebesitzer mit ihrem Wohlbefinden zusammenhängt – und ob sich dieser Zusammenhang in einem experimentellen Mausmodell bestätigen lässt.

Die Studie basiert auf Daten aus dem Tokyo Teen Cohort (TTC), einer bevölkerungsbasierten Langzeitstudie. Untersucht wurden 343 Jugendliche (13 Jahre alt), davon 96 mit Hund im Haushalt. Ein Jahr später wurden ihre psychischen Merkmale anhand des Child Behavior Checklist (CBCL) erfasst. Parallel wurde ihre Mundflora analysiert und mittels 16S-rRNA-Sequenzierung charakterisiert. Um den Einfluss der Mikrobiota auf das Sozialverhalten zu prüfen, wurde Speichel von sechs Jugendlichen (je drei mit und ohne Hund) aufbereitet und in keimfreie Mäuse transplantiert.

Weniger soziale Probleme durch Streptokokken?

Anschließend wurden verschiedene Verhaltensanalysen an den „humanisierten“ Mäusen durchgeführt, darunter Sozialverhalten, Angstreaktionen und depressive Tendenzen. Das Projekt wurde von mehreren Ethikkommissionen genehmigt.

Jugendliche Hundebesitzer zeigten signifikant niedrigere Werte bei sozialen Problemen, Rückzugsverhalten, aggressivem Verhalten und weiteren Auffälligkeiten. In ihrer Mundflora war das Bakteriengenus Streptococcus stärker vertreten. Mehrere sogenannte ASVs (Amplicon Sequence Variants) aus dieser Gattung korrelierten negativ mit problematischem Verhalten – d. h., sie traten bei psychisch gesünderen Jugendlichen häufiger auf. Schon zuvor wurde ein Zusammenhang zwischen Stoffwechselgesundheit und Hundehaltung festgestellt, wie unsere Kollegen von FITBOOK hier berichteten: Wer mit einem Hund aufwächst, hat später einen gesünderen Darm.

Mäuse, die diese Bakterien erhielten, zeigten in Verhaltenstests – wie dem Annähern an eingeschlossene Artgenossen – deutlich gesteigerte soziale Aktivitäten. Besonders auffällig: Streptococcus-ASVs ließen sich in zwei Gruppen einteilen. Gruppe A war mit erhöhter Sozialität assoziiert, Gruppe B mit geringerer. ASVs aus Gruppe A waren bei Mäusen, die das Mikrobiom von Hundebesitzern erhalten hatten, deutlich häufiger vertreten. Die Korrelationen traten sowohl im menschlichen Verhalten als auch im Verhalten der Mäuse auf, was auf eine funktionelle Verbindung hinweist.

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Beeinflusst das Mikrobiom Gehirn und Verhalten?

Die Studie zeigt erstmals, dass sich das Sozialverhalten von Jugendlichen durch Hundebesitz verändert – und dass dies zumindest teilweise mit der Mikrobenzusammensetzung im Mund erklärbar ist. Besonders bemerkenswert: Der Nachweis dieser Effekte in einem Mausmodell mit transplantierter humaner Mikrobiota untermauert die mögliche kausale Rolle.

Damit liefert die Studie ein neues Puzzleteil in der Forschung rund um das sogenannte Mikrobiom-Gehirn-Verhalten-Netzwerk. Streptococcus-Bakterien, die bislang teilweise mit negativen psychischen Effekten assoziiert waren, zeigten sich hier in spezifischen Varianten sogar protektiv. Die Ergebnisse stützen zudem frühere Beobachtungen zur mikrobiellen Übertragung zwischen Hund und Mensch und legen nahe, dass Hundehaltung die soziale Entwicklung junger Menschen fördern kann.

Fachlich überzeugt die Studie durch ihren Aufbau: Sie kombiniert Bevölkerungsdaten mit mikrobieller Analyse und einem experimentellen Mausmodell – eine seltene, aber besonders aussagekräftige Kombination. Die Stichprobe wurde sorgfältig ausgewählt und wichtige Störvariablen wie Geschlecht, Einkommen und Haushaltsgröße wurden statistisch kontrolliert.

Fazit

Dennoch gibt es Einschränkungen: Die Mikrobiota wurde bei Menschen aus Speichel, bei Mäusen aus Kot analysiert, was direkte Vergleiche erschwert. Auch wurden keine Daten zur Mikrobiota der Hunde erhoben. So kann nicht abschließend geklärt werden, welche Bakterien tatsächlich vom Hund stammen. Schließlich basiert die Analyse auf Jugendlichen aus dem urbanen Raum Tokios, was die Übertragbarkeit auf andere Regionen bisher einschränkt.

Die Studie wurde trotz der Einschränkungen sorgfältig durchgeführt und liefert neue Hinweise darauf, dass Hundehaltung in der Jugend positiv auf das Sozialverhalten und die psychische Gesundheit wirkt – möglicherweise über das orale Mikrobiom.

Besonders spannend ist die Entdeckung, dass bestimmte Streptococcus-Bakterien mit sozialem Verhalten und besserer mentaler Gesundheit der Jugendlichen korrelieren. Die Ergebnisse legen nahe, dass Hundebesitz mehr als nur emotionale Unterstützung bietet – er könnte tief in unsere Biologie eingreifen. Künftige Studien sollten klären, ob bestimmte Bakterien gezielt zur Förderung von Sozialverhalten eingesetzt werden können. 1

Quellen

  1. Miyauchi E. et al. (2025): Dog ownership during adolescence alters the microbiota and improves mental health, iScience, Vol. 28, 113948. DOI: 10.1016/j.isci.2025.113948 ↩︎

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