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Ekliges Verhalten

Warum viele Hunde ihr Erbrochenes fressen und was Halter tun sollten

Ein schwarzer Hund erbricht auf dem Boden
Hunde fressen gelegentlich ihr eigenes Erbrochenes. Dieses Verhalten irritiert oder ekelt viele Halter. Aus der Sicht des Hundes ist dieses Verhalten jedoch weniger ungewöhnlich, als es scheint. Foto: Getty Images
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Dennis Agyemang
Dennis Agyemang Autor

11. August 2025, 18:18 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Viele Halter kennen es: Hunde fressen gelegentlich ihr eigenes Erbrochenes – ein Verhalten, das viele irritiert oder sogar ekelt. Doch aus der Sicht des Hundes ist dies weniger ungewöhnlich, als es scheint. PETBOOK fragte Experten, was es damit auf sich hat und was Halter hierbei beachten sollten.

Darum fressen einige Hunde ihr Erbrochenes

Biologisch betrachtet handelt es sich oft um ein instinktives Verhalten, das evolutionär bedingt ist, wenn Hunde ihr Erbrochenes fressen. In freier Wildbahn – etwa bei Wölfen oder Wildhunden – ist es normal, dass Muttertiere Nahrung vorverdauen und sie anschließend für ihre Welpen hochwürgen. Das sorgt für eine leichtere Nahrungsaufnahme der Jungtiere. Diese Fähigkeit, Nahrung wieder aufzunehmen, ist daher tief im Erbgut der Hunde verankert.1

Zudem neigen Hunde generell dazu, alles Fressbare zu verwerten, um Nahrungsquellen optimal auszuschöpfen. Erbrochenes enthält oft noch unverdautes Futter und riecht aus Hundesicht immer noch „essbar“. Gerade weil Hunde durch ihren überragenden Geruchssinn Nahrung erkennen – selbst wenn sie für Menschen längst nicht mehr appetitlich ist –, wird Erbrochenes häufig als Rückgewinnung von verloren geglaubtem Futter betrachtet, nicht als Abfall. „Hunde sind keine kleinen Menschen – sie haben ein ganz eigenes Verständnis von dem, was ‚normal‘ ist“, erklärt Hundetrainerin Katharina Marioth.

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Oft ein Hochwürgen statt echtem Erbrechen

„Wenn ein Hund erbricht, ist das in vielen Fällen gar kein echtes Erbrechen, sondern eher ein Hochwürgen, zum Beispiel wenn er zu schnell gefressen hat.“ Der hochgewürgte Mageninhalt sei dann meist noch recht „frisch“ und werde daher von vielen Hunden ganz instinktiv einfach wieder gefressen. „Ganz nach dem Motto: ‚Das ist ja noch gut‘“, erklärt Marioth. In der freien Wildbahn wäre es schließlich auch eine Verschwendung, es nicht zu fressen. „Für uns Menschen ist das natürlich schwer nachzuvollziehen, aber für Hunde ist das erst mal kein ungewöhnliches Verhalten.“

Grundsätzlich sollten Halter erst einmal ruhig bleiben, rät die Expertin. Denn Schimpfen bringt nichts. „Im Gegenteil!“ Das kann sogar Stress auslösen, was das Verhalten noch verstärken kann. Stattdessen hilft es, den Hund ruhig, aber bestimmt vom Erbrochenen wegzuführen“, so Marioth. Wenn möglich, sollten Halter das Erbrochene zügig entfernen, damit der Hund es nicht wieder fressen kann. „Zusätzlich kann man daran arbeiten, die Ursache zu erkennen – frisst er zu hastig? War das Futter vielleicht nicht gut verträglich?“

Ursache für Erbrechen sollte abgeklärt werden

Bei schnellem Fressen lässt sich durchaus etwas machen. Wer weiß, dass sein Hund schnell frisst, kann Anti-Schling-Näpfe verwenden oder das Futter in kleineren Portionen anbieten. Doch es gibt durchaus auch andere Gründe, bei denen Halter genau hinschauen sollten, sagt Hundetrainer Simeon Faller.

„Der häufigste Grund, den ich in meiner Arbeit sehe, ist, dass etwas mit dem Magen-Darm-Trakt nicht stimmt.“ So liege es oft an der falsch gewählten Fütterungsmethode. Denn nicht jeder Vierbeiner verträgt jedes Lebensmittel – ähnlich wie bei uns Menschen, gibt der Hundetrainer zu bedenken. So gebe es tatsächlich Unterschiede in der Verdauung, gerade rassespezifisch.

Häufiges Erbrechen ist nicht normal

„Dadurch entstehen natürlich Verdauungsprobleme und der Hund versucht dann halt, wenn er gerade gebrochen hat und alles noch sichtbar ist, natürlich, seine Nährstoffe wieder aufzunehmen. Dann kommt noch hinzu, dass die Hunde häufig Sodbrennen haben und ein leerer Magen ist dabei besonders schmerzhaft.“ Daher sei es wichtig, die Ursache zu klären, warum der Hund erbricht – vor allem, wenn dies häufiger passiert.

Denn häufiges Erbrechen sei kein normales Verhalten, betont Faller. „Das ist leider immer noch bei vielen Menschen so verankert, dass sie glauben, dass das normal sei. Sie denken: ‚Der Hund reinigt ja nur seinen Magen‘, aber das ist tatsächlich nicht so.“ Dies gelte auch für die weitverbreitete Annahme, dass das Fressen des eigenen Erbrochenen noch ein Überbleibsel aus der Wolfszeit sei, um vor anderen Tieren keine Schwäche zu zeigen.

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Ist das Fressen des Erbrochenen wirklich ein Überbleibsel aus der Wolfszeit?

Dafür gibt es keine wissenschaftlich gesicherte Grundlage. Vielmehr handelt es sich um ein natürliches, teilweise instinktives Verhalten, das biologisch und verhaltensökologisch erklärbar ist, aber nicht strategisch-sozial motiviert ist. Gleiches gilt auch für die weitverbreitete Annahme, dass Hunde ihr Erbrochenes (oder auch Kot) fressen würden, um Spuren zu verwischen. Dadurch sollten in der freien Wildbahn Konkurrenten, Feinde oder größere Raubtiere gar nicht erst angelockt werden. Was gerade bei Wölfen mit Jungen im Bau ein Vorteil sein könnte. Das klingt zwar recht plausibel, ist aber ebenfalls nicht wissenschaftlich belegt.

Was es aber wohl geben könne, sei, dass in einigen Fällen Hunde aus dem Tierschutz ihr Erbrochenes wiederaufnehmen würden. So entstehe manchmal aus einem eigentlichen Überlebensinstinkt eine Gewohnheit, erklärt Simeon Faller im Gespräch mit PETBOOK. „Das Problem dabei ist, dass Hunde dadurch eventuelle oder etwaige Krankheitserreger wieder aufnehmen. Deshalb sollte man dies verhindern.“ Daher sollten Halter unbedingt einen Tierarzt aufsuchen, wenn der Hund häufig erbricht – mehrfach pro Woche oder über einen längeren Zeitraum.

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Halter sollten auf ihr Bauchgefühl hören

Wenn auch noch andere Symptome wie Appetitlosigkeit, Durchfall, Apathie oder auffällige Geräusche im Bauch hinzukommen, sollten Halter alarmiert sein, unterstreicht Katharina Marioth. „Einmaliges Erbrechen kann harmlos sein, aber bei wiederholtem Erbrechen oder verändertem Verhalten ist Vorsicht besser als Nachsicht.“ Daher sollten Halter unbedingt auf ihr Bauchgefühl hören. „Denn Sie kennen Ihren Hund am besten!“

Dennoch rät sie, im Zweifelsfall lieber einmal zu viel zum Tierarzt zu gehen als einmal zu spät. Denn „Hunde sind Meister darin, Schmerzen zu verstecken.“ Daher sei ein gutes Beobachtungsvermögen die beste Absicherung für Hundehalter. Falls der Tierarzt dem Vierbeiner aber dennoch beste Gesundheit attestiert, sollte der nächste Weg zu einem Ernährungsberater für Hunde führen, sagt Simeon Faller.

Mit diesen Trainingstipps hält man den Hund vom Fressen des Erbrochenen ab

Zudem kann man den Hund gut trainieren, nicht mehr das eigene Erbrochene zu fressen, erklärt Hundetrainerin Katharina Marioth. „Ich arbeite in solchen Fällen gerne mit dem Signal ‚Lass es‘ oder ‚Weiter‘. Das kann man positiv aufbauen, ganz ohne Druck. Ziel ist, dass Ihr Hund lernt, dass es sich lohnt, sich von etwas zu entfernen, statt es aufzunehmen.“

Quellen

  1. pubs.usgs.gov, „Regurgitative food transfer among wild wolves“ (aufgerufen am 08.08.2025)
    ↩︎

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