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Wirbelsäulenerkrankung

Wie man Dackellähme erkennt und behandelt

Brauner Dackel schaut schmerzerfüllt
Vorsichtige Schritte, gespannter Rücken – mögliche Dackellähmung Anzeichen, die ernst genommen werden sollten. Foto: Getty Images / MDV Edwards
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Werkstudentin

12. November 2025, 15:09 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Zeigt Ihr Hund plötzlich Schmerzen, meidet er Bewegung oder läuft unsicher? Solche Anzeichen können auf Dackellähme hinweisen – gerade bei kurzbeinigen Hunden. PETBOOK klärt über die Ursachen, Diagnostik und Behandlung auf.

Ursachen der Krankheit

Medizinisch betrachtet handelt es sich bei der Dackellähme um Lähmungserscheinungen, die durch einen Bandscheibenvorfall verursacht werden. Bandscheiben liegen zwischen den Wirbelkörpern, bestehen aus einem festen Faserknorpelring und einem weicheren Gallertkern und wirken wie Puffer zwischen den Knochen der Wirbelsäule. Reißt dieser Ring oder wölbt er sich vor, kann Bandscheibenmaterial in den Wirbelkanal gelangen und dort Druck auf das Rückenmark oder auf Nerven ausüben.

Einige Hunderassen haben ein erhöhtes Risiko für diese Erkrankung. Vor allem sogenannte chondrodystrophe Rassen – also Hunde mit kurzem Gliedmaßenwachstum und oft langem Rücken – entwickeln rassebedingt schon früh eine Verkalkung des Bandscheibenknorpels. Dadurch wird der äußere Ring spröde, reißt leichter, und der Gallertkern kann austreten. Neben dem Dackel sind unter anderem Basset, Pekinese, Spaniel, Zwergpudel, Mops, Französische und Englische Bulldogge, Boston Terrier und Scottish Terrier betroffen. Auch kurzbeinige Mischlinge tragen ein vergleichbares Risiko.

Ein Bandscheibenvorfall kann grundsätzlich bei jedem Hund auftreten – auch bei größeren Rassen. Ursachen können Fehl- oder Überbelastung, Übergewicht oder altersbedingter Verschleiß sein. Bei den genannten Risikorassen treten Probleme jedoch häufiger und oft schon in jungen Jahren auf.

Das akute Ereignis wird häufig durch ganz alltägliche Bewegungen ausgelöst: etwa das Herunterspringen vom Sofa, den Sprung aus dem Auto oder eine ungeschickte Drehung. Wenn bereits degenerative Veränderungen vorhanden sind, kann schon ein kleiner Auslöser genügen, um einen Vorfall hervorzurufen.1, 2, 3

Anzeichen für Dackellähme erkennen

Die Anzeichen einer Dackellähmung können von leichten Schmerzen bis hin zur vollständigen Lähmung reichen. Welche Beschwerden auftreten, hängt davon ab, wo der Bandscheibenvorfall liegt und wie stark das Rückenmark oder die Nerven beeinträchtigt werden.

Typische Anzeichen für Dackellähme

  • Schmerzen: Empfindlichkeit an Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule, Aufjaulen beim Anheben oder Berührung des Rückens
  • Verändertes Bewegungsverhalten: Bewegungsunlust, steifer oder schwankender Gang, Lahmheit sowie das Meiden von Treppen oder Sprüngen
  • Koordinationsstörungen: unsicheres Gehen, Schleifen der Zehen oder veränderte Stellreflexe
  • Auffällige Körperhaltung: gekrümmter Rücken („Katzenbuckel“)
  • Neurologische Ausfälle: leichte Schwächen oder Nachziehen der Hinterbeine, bei Halswirbel können auch die Vorderbeine betroffen sein
  • Blasen- und Darmprobleme: erschwerter Harnabsatz, Inkontinenz bei schweren Fällen
  • Verlust des Tiefenschmerzes: Fehlende Schmerzreaktion bei gezieltem Test

Je länger das Rückenmark unter Druck steht, desto größer ist das Risiko bleibender Schäden.
Tritt eine Lähmung plötzlich auf, handelt es sich um einen tiermedizinischen Notfall – der Hund sollte deshalb sofort zum Tierarzt gebracht werden.

Auch interessant: Warum Dackellähme so gefährlich ist und nicht nur Dackel betrifft

So stellt der Tierarzt Dackellähme fest

Zu Beginn erhebt der Tierarzt die Vorgeschichte des Hundes – also Rasse, Beginn der Beschwerden, mögliche Auslöser und frühere Episoden – und führt eine neurologische Untersuchung durch. Dabei werden Gangbild, Wirbelsäule und Reflexe überprüft. Da ähnliche Symptome auch bei Wirbelbrüchen, Entzündungen, Infarkten oder Tumoren auftreten können, müssen solche Ursachen ausgeschlossen werden. Mithilfe eines CTs, einer Myelografie oder eines MRTs kann der Tierarzt feststellen, wo und wie stark das Rückenmark eingeengt ist.

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Behandlung und Prognose bei Dackellähme

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Anzeichen der Dackellähme. Bei leichten Fällen ohne neurologische Ausfälle reicht oft eine konservative Therapie mit strikter Ruhe, kontrollierter Bewegung und entzündungshemmenden sowie schmerzstillenden Medikamenten. Sobald die Schmerzen unter Kontrolle sind, kann Physiotherapie den Heilungsprozess und Muskelaufbau unterstützen.

Treten jedoch deutliche neurologische Störungen, Blasen- oder Darmprobleme oder ein starker Druck auf das Rückenmark auf – oder bleibt die konservative Behandlung erfolglos –, ist eine Operation notwendig. Ziel ist die Entlastung (Dekompression) des Rückenmarks. Die Erfolgsaussichten sind umso besser, je früher operiert wird; nach mehr als 48 Stunden bestehender Lähmung sinkt die Prognose deutlich.

Je leichter die Ausfälle und je schneller die Behandlung erfolgt, desto besser stehen die Chancen auf vollständige Genesung. Schwere Lähmungen, Tiefenschmerzverlust und längere Verzögerungen verschlechtern die Aussichten.

Die Kosten hängen vom Umfang der Diagnostik und Therapie ab. Besonders MRT, Myelografie und Operation sind kostenintensiv. Insgesamt können rund 3000 EUR oder mehr anfallen – abhängig von Klinik, Befunden und Nachsorge.

Vorbeugung im Alltag

Eine vollständige Verhinderung ist nicht möglich, doch das Risiko kann verringert werden. Seriöse Zucht und konsequentes Gewichtsmanagement sind wichtige Grundlagen: Übergewicht belastet die Wirbelsäule und sollte vermieden werden. Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung stärkt die Rückenmuskulatur, während Sprünge und Treppensteigen möglichst zu vermeiden sind. Rampen, Einstiegshilfen oder das Tragen kleiner Hunde schonen den Rücken zusätzlich.

Eine feste Liegefläche oder ein orthopädisches Hundebett sowie ein gut passendes Brustgeschirr entlasten Wirbelsäule und Hals. Physiotherapie und gezielte Übungen können vorbeugend unterstützen.

Bei Anzeichen einer Dackellähmung – etwa Schmerz, Bewegungsstörungen oder Lähmung – sollte der Hund sofort geschont und umgehend zum Tierarzt gebracht werden..

Quellen

  1. erste-hilfe-beim-hund.de, „Dackellähme“ (aufgerufen am 12.11.2025) ↩︎
  2. tiermedizinportal.de, „Dackellähme (Diskopathie)“ (aufgerufen am 12.11.2025) ↩︎
  3. landtiere.de, „Dackellähmung bei Hunden: Bandscheibenvorfall vorbeugen und was eine OP kostet“ (aufgerufen am 12.11.2025) ↩︎

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